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Gemüse, Obst & Co.

Gesunde Ernährung

Kinder auf den gesunden Geschmack zu bringen, ist gar nicht so schwer. Es braucht Geduld, Kreativität und Spaß.

Annsophie isst wie ein Vögelchen, Niko mag am liebsten Burger und Pommes, Hannes stochert mit der Gabel im Salat herum: Schon die Kleinsten haben Essmarotten, die ihre Eltern nicht selten zur Verzweiflung bringen. Fakt ist: In der Kindheit werden die Weichen für Geschmacksvorlieben und Essgewohnheiten gestellt. „Wer schon früh gelernt hat, ausgewogen zu essen, wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im weiteren Leben tun“, sagt Ernährungswissenschaftlerin und Geschäftsführerin der Plattform Ernährung und Bewegung e. V. (peb) Dr. Andrea Lambeck. Aber: Wie gewöhnt man die lieben Kleinen an gesunde Ernährung? Und: Wie sieht ein ausgewogener Speiseplan aus?

Tischlein deck’ dich!

Um mit allen Nährstoffen versorgt zu sein, hat sich das von Wissenschaftlern des Dortmunder Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) entwickelte Ernährungsprogramm „Optimix“ (siehe Kasten) für Kinder und Jugendliche bewährt. Das Konzept der „Optimierten Mischkost“ basiert auf fünf Mahlzeiten täglich. Stimmt die Mischung aus Obst und Gemüse, Vollkorn- und Milchprodukten, Fisch und nur wenig Fleisch, ist sogar Naschen erlaubt. In Sachen Schokolade & Co. sieht „Optimix“ vor: Zehn Prozent der Energiezufuhr dürfen aufs Konto von Süßigkeiten und Knabbereien gehen. Das sind beispielsweise bei einem Grundschulkind etwa fünf Stückchen Schokolade pro Tag. Eltern sollten gemeinsam mit den Kindern festlegen, wann und wie viel genascht werden darf. Zum Beispiel gibt es einmal pro Tag nach dem Essen etwas Süßes, vor den Mahlzeiten ist Naschen tabu. Wichtig: Süßigkeiten sollten nicht als Belohnung oder Trostpflaster dienen, oder um quengelnde Kinder ruhigzustellen. Dann werden sie schnell zum Ersatz für Aufmerksamkeit und Zuwendung.

Ran an den Herd

Auch wenn es ein bisschen mehr Zeit kostet, wenn Kinder in der Küche mithelfen – sie sammeln dadurch wichtige Erfahrungen: Beim Einkaufen lernen die Kids die Vielfalt und Qualität von Lebensmitteln kennen, üben Planen und Rechnen. Schälen und Schneiden am Küchentisch trainiert motorische Fähigkeiten, Probieren und Abschmecken schult den Geschmackssinn. Schon Zweijährige können Kräuter zupfen oder Quark umrühren. Drei- bis fünfjährigen Kindern kann man ein nicht allzu scharfes Messer in die Hand geben und sie Gemüse schneiden lassen. Ältere dürfen – unter Aufsicht der Eltern – ihren ersten Pfannkuchen backen. In Ernährungskursen, beispielsweise in Kitas, lernen Kinder spielerisch, worauf es bei gesundem Essen ankommt.

Familienmahlzeiten sind wichtig

Wenn es sich nach dem gemeinsamen Kochen alle gemeinsam schmecken lassen, miteinander reden und lachen, stärkt das den Familienzusammenhalt. Daher sollten sich Familien die Zeit nehmen, mindestens einmal pro Tag zusammen zu essen. Eltern haben dabei großen Einfluss auf das Essverhalten ihres Nachwuchses – denn Kinder lernen durch Beobachten und Nachahmen. Wenn sich alle anderen am Tisch den Zucchini-Auflauf schmecken lassen, wird vielleicht auch ein kleiner Gemüsemuffel mal probieren. Die Großen sollten den Kleinen vermitteln, dass Essen vor allem Genuss, und nicht Zwang oder Stress bedeutet. Wer nicht hungrig ist oder etwas nicht mag, muss es nicht essen.

Geduldig sein mit mäkeligen Essern

„Mag ich nicht!", sagen Kinder immer gerne, wenn neue Dinge auf den Tisch kommen. „Wichtig ist, dass man die Kinder immer wieder zum Probieren motiviert. Es braucht bis zu zehnmal, bis ein Kind etwas Neues gerne isst“, sagt Dr. Andrea Lambeck. Wenn der Sohn oder die Tochter eine Speise ablehnt, sollten die Eltern sie nicht vom Speiseplan streichen, sondern sie in zwei Wochen noch einmal – am besten anders zubereitet – anbieten. Irgendwann nehmen die Kinder den Geschmack als „bekannt“ wahr – und mögen ihn plötzlich. So erweitern Eltern nach und nach den Geschmackshorizont ihres Nachwuchses. Tipp: Gemüse in die Lieblingsspeise schummeln, zum Beispiel Möhren geraspelt oder püriert in Frikadellen- und Zucchini in Kartoffelpufferteig. Bei Fans von Burger, Pommes und Pizza kann Mama mit Hamburgern aus Vollkornbrötchen mit Rohkost oder Gemüsepizza punkten.

Mhmmm! So wird Essen zum Erlebnis

Kein Chaos auf dem Teller Kinder haben am liebsten den einfachen, klaren Geschmack und wollen erkennen, was auf dem Teller liegt. Daher Fleisch, Fisch, Gemüsesorten und Nudeln getrennt anrichten.

Fantasienamen steigern den Appetit Gemüse-Eintopf wird als „Hexenschmaus“ gern gelöffelt, Kartoffeln mit Radieschen-Quark schmecken als „Drachenkartoffeln mit Feuerquark“ doppelt so gut.

Macht Lust aufs Reinbeißen Ein witziges Gesicht aus Tomaten, Gurken und Schnittlauch peppt ein schlichtes Wurst- oder Käsebrot auf.

Anfassen erlaubt Kinder essen gern mit den Fingern. Maiskolben zum Abknabbern oder Obst- und Gemüsesticks sind heiß begehrtes Fingerfood.

Knusprig und knackig bevorzugt Croûtons auf der Suppe oder geröstete Sonnenblumenkerne im Salat erzeugen ein interessanteres Mundgefühl. Viele Kinder mögen statt gegartem Gemüse lieber Rohkost.

Süß geht immer Die Lust auf Süßes ist angeboren. Mit süßlich schmeckenden Gemüsesorten wie Möhren, Zuckermais, Cocktailtomaten oder Erbsen kann man eher punkten als mit Rosenkohl oder Spinat. Obst zum Naschen – statt Süßigkeiten – anbieten, mundgerecht geschnitten kommt es am besten an.

Ernährungskurse für Kitas und Schulen

Sarah Wiener Stiftung

Die Sarah Wiener Stiftung bildet Lehrer und Erzieher weiter, damit sie an ihren Schulen und Kitas Koch- und Ernährungskurse durchführen können. Zusätzlich organisiert die Stiftung Exkursionen zu Bio-Bauernhöfen. Am Ende erhalten die Kinder das Sarah-Wiener-Diplom. www.sarah-wiener-stiftung.de

aid-Ernährungsführerschein

Der aid infodienst hat für die dritte Grundschulklasse ein Unterrichtskonzept zur gesunden Ernährung erstellt, das vor allem praktische Elemente wie das Zubereiten kleiner Gerichte im Klassenzimmer beinhaltet. www.aid.de

Eurotoques

Die Eurotoques-Stiftung, eine Vereinigung europäischer Spitzenköche, bietet Programme zur Geschmackserziehung (Sinnesschulungen in Kitas, Geschmacksunterricht in Schulen) an. www.eurotoques.de

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