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Freundschaft kündigen

"Du bist nicht mehr meine Freundin!"

Ein kleiner Streit kann besonders im Kita- und Kiga-Alter schnell "ausarten" und ehe man sich versieht, sind die zwei Streithähne keine Freunde mehr. Was macht man da als Eltern? Einmischen, schlichten oder die Kleinen es selbst regeln lassen?

Im Sandkasten der Kita wird es auf einmal laut. Streit um das Sieb zum Pudersandmachen. "Wenn du mir nicht das Sieb gibst, bist du nicht mehr meine Freundin!", schreit Lou-Helene ihre beste Freundin Marla an. Die bleibt zunächst unbeeindruckt und klammert das Sieb fest. Doch als Lou-Helene noch einen draufsetzt: "Und zu meinem Geburtstag lade ich dich auch nicht ein!", da fängt sie an zu weinen. Viel Drama und dabei geht es nur um ein Sieb. Doch für die beiden Mädchen ist dieses Sieb in diesem Moment die Welt.

Solche Auseinandersetzungen sind in Freundschaften völlig normal und sogar wichtig. Denn bei ihren ersten Streitereien haben Kinder noch keine Strategien zur Konfliktlösung zur Hand. Daher schubsen sie, reißen sich das Spielzeug weg, fangen an zu schreien oder sind gemein. Oder versuchen es mit Erpressung. Sie lernen erst allmählich, die Bedürfnisse des Freundes zu begreifen sowie die eigenen Wünsche und Gefühle zu verstehen und dann auch zu benennen. Erst wenn sie soweit sind, lassen sich Kompromisse finden. 

Nicht einmischen

Deshalb ist es auch gar nicht gut, wenn Erwachsene sich in Streitereien einmischen und sie zu schlichten versuchen. Es sei denn, es wird handgreiflich, natürlich. Am besten ist es, neutral zu bleiben und Interesse und Verständnis für beide Seiten zu zeigen, ohne Partei zu ergreifen. Es hilft auch, die Gefühle zu benennen, die bei dem Streit eine Rolle spielen. Wenn das Kind versteht, was es fühlt und das auch ausdrücken kann, wird ihm das helfen, aus der Situation herauszufinden. Dann kann man sich auch mal selbst hilflos stellen und behaupten, man wüsste gerade keine gute Lösung, ob die beiden Streithähne vielleicht eine Idee hätten. Ein kleiner Anstoß in die richtige Richtung reicht manchmal schon.

Typische Themen bei Kindergartenkindern bis hin ins Grundschulalter sind Konkurrenz, wenn die Kinder ihre Spielsachen oder ihr Können miteinander vergleichen und messen. Oder auch das Thema des Bestimmer-Seins. "Immer will Hugo bestimmen, was gemacht wird." Das ist doof. Und dann ist gleich der ganze Hugo doof. Meist regelt sich das ganz von alleine, was natürlich dauern kann. Irgendwann haben aber vielleicht auch die anderen Kinder keine Lust mehr, nach Hugos Pfeife zu tanzen und auf einmal steht Hugo alleine da. Und um mitzuspielen richtet er sich auf einmal nach dem, was ein anderes Kind vorschlägt. Hugo hat seine Grenzen kennengelernt. Und die anderen Kinder haben ihre Bedürfnisse verstanden und ausgelebt. Und alle haben somit erste wertvolle Erfahrungen für ein sozialverträgliches Leben gesammelt. 

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Freundschaften überarbeiten

Doch was ist, wenn die beste Freundin auf einmal mit wem anders spielen möchte und die alte Freundin darf nicht mitspielen? Dann heißt es ganz schnell: "Wenn du mit der da spielst, bist du nicht mehr meine Freundin!" Kinder haben oft ein großes Besitzdenken, auch wenn es um den besten Freund oder die beste Freundin geht. Dabei spielen Eifersucht und Verlustangst natürlich eine große Rolle. Doch von dem Satz "Dann bist du nicht mehr meine Freundin" sollte sich ein Kind nicht unter Druck setzen lassen. Es ist ganz natürlich, dass Kinder auch mal mit anderen spielen möchten. Deswegen kann die alte Freundin immer noch eine Freundin sein. Oder auch die beste Freundin. Das Kind muss lernen, dies dem Freund gegenüber ganz klar auszudrücken. Das sind seine Bedürfnisse und Wünsche. Entweder der Freund akzeptiert das oder die Freundschaft wird auf Dauer Schwierigkeiten haben zu überstehen.

Doch manchmal ist es ganz einfach so, dass sich die Kinder auseinanderentwickeln und auf einmal jemand anderes als Freund besser passt. Das ist traurig für das Kind, das auf einmal ohne den besten Freund dasteht. Doch es bringt nichts, an dem alten Freund zu klammern. Besser ist es dann, neue Kontakte und Freundschaften zu fördern und dem Kind Trost und Halt zu geben. Jede Krise und jeder Streit stärkt das Kind für spätere Widrigkeiten in seinem Leben. Und es versteht von Freundschaft zu Freundschaft besser, welches Kind mit welchen Eigenschaften gut zu ihm passt und vor allem wie ein guter Freund sich verhalten sollte. Und der neue Freund ist dann der vielleicht viel bessere Freund.

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Unsere Autorin

Sonja Baum

Sonja Baum ist eigentlich Molekularbiologin. Sie wurde dann Wissenschaftsjournalistin und schrieb zunächst als freie Autorin für die "Financial Times Deutschland" und Magazine wie "P.M.".

Seit sie drei Kinder hat, schreibt sie auf wireltern.de über Dinge, die ihre Welt bewegen. Außerdem hat sie bereits einen Roman veröffentlicht und schreibt zur Zeit an einem neuen Buch über das Leben mit ihrer Familie.

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