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Kinderbuch "Hübendrüben"

Wie war das, als Deutschland noch nicht eins war?

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Deutschland noch zwei Hälften und eine Mauer hatte. Das ist ein schwieriges Thema und für Kinder einfach unfassbar.

Das Kinderbuch "Hübendrüben von Franziska Gehm" erzählt auf liebevolle Art die Geschichte, die dahinter steckt. Das Werk ist voll von Fakten, Tiefgang und viel Humor. Nicht nur für die Kleinen verspricht es eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit.

Warum war Deutschland früher "zu zweit"?

"Was, früher gab es zwei Deutschland?" -  Die deutsche Einheit ist für Kinder von heute so selbstverständlich wie Fahrradfahren oder Schaukeln. Wenn man ihnen erklären will, dass noch vor 30 Jahren eine Grenze unser Land und die Menschen, die darin lebten, trennte, erntet man zunächstmal verständnislose Blicke.

Wie lässt sich dieses Stück Geschichte kindgerecht in Worte fassen? Es bedeutet eine echte Herausforderung, dem wissbegierigen Nachwuchs das Unglaubliche bildhaft vor Augen zu führen. Es funktioniert am besten auf einem Wege: Das Erzählen einer greifbaren Story.

"Hübendrüben" - ein kindgerechtes Geschichtsbuch

Gemeinsam mit dem Illustrator Horst Klein aus Remscheid (Jahrgang 1965) hat sich die Autorin Franzika Gehm (Jahrgang 1974) als Tem aus "Wessi" und "Ossi" auf ein Abenteuer eingelassen. Dabei ist ein wunderbares Buch für die ganze Familie entstanden. Auf über 40 Seiten begibt man sich zurück in die 1980er Jahre und erlebt die deutsch-deutsche Wiedervereinigung mit viel Liebe zum Detail.

Auf die Idee gebracht haben Franziska Gehm ihre eigenen Kinder. "Ich habe ihnen erzählt, dass ich aus einem Land komme, das es heute nicht mehr gibt. Sie fanden das sehr spannend!", erzählt sie.

Kurz danach fiel ihr auf, dass es zu dem Thema keine Bücher für die jüngere Lesergeneration gab. In "Hübendrüben" steckt viel eigene Geschichte. Illustrator und Schriftstellerin sind in den 1980ern östlich und westlich der Mauer aufgewachsen.

Jede Doppelseite ein Vergleich - Zum Inhalt des Buchs

Grundschüler Max lebt im Westen, seine Cousine Maja im Osten. Sie sind eine Familie und sie mögen sich, doch sie können sich nicht sehen, weil die Mauer sie trennt. Die Gegenüberstellung ihrer Leben macht den besonderen Charme des Buches aus.

Während Majas erster Schultag mit "Kaltem Hund" gefeiert wird, saust Max mit seinem BMX-Rad durch die Neubausiedlung. Maja liest "Abrafaxe", Max schmökert "Micky Mouse" Hefte und hört "TKKG" Kassetten. Maja ist bei den "Jungen Pionieren" aktiv, Max spiel Fußball. Was Grundschüler heute "total cool" finden würden, war damals im Westen "echt stark" und "fetzte" im Osten.

Auf jeder Doppelseite zeigt sich das Leben diesseits und jenseits der Mauer – "hüben" und "drüben". Die vielen Gegensätze und das unterschiedlich geprägte Kindsein der 80er. Das prall gefüllte Erzählbilderbuch kennt viele Details und Hintergründe der beiden Parallelwelten.

Kleinigkeiten, die den Kindern damals hier wie dort wichtig und geläufig waren. Bilder und Texte gehen wie in einem Comic ineinander über und lassen Kinder die Geschichte plastisch erleben. Das Buch zum Anfassen hat sogar seine eigene Mauer im Falz. Die ist aber zum Glück nur aus Pappe.

Andere Spielregeln, anderes Leben

Auf Max wartet Mama mit dem Mittagessen, während Maja heimlich Westfernsehen schaut, bevor Mutti und Vati abends aus dem Betrieb nach Hause kommen. Ihr stehen an der Softeisbude auch nur drei Eissorten zur Wahl: Vanille, Erdbeer und Schoko. Und überhaupt gibt es drüben viel weniger Sachen zu kaufen und man freut sich dort auf Pakete mit Kaffee und Schokolade aus dem Westen.

In der Schule lernt Maja, das zu sagen, was die Lehrer hören wollen und nicht, was sie denkt. Und wenn sie in die Ferien fährt, geht es auf den Campingplatz in der Mecklenburger Seenplatte, während Max mit Walkman auf den Ohren im Flugzeug in ein großes Hotel in Spanien reist. 

Anders und doch gleich

Trotz der trennenden Mauer gibt es aber auch latente Gemeinsamkeiten wie die Erfahrung endlos langer Sommertage, der Traum von einer Sportlerkarriere oder die Angst vor Krieg. Schließlich gibt es auch Infos zum Grund für die Teilung des Landes. Hitler und der zweite Weltkrieg werden mit Frakturschrift, Bomben, Panzern, Soldaten, Häftlingen und brennenden Häusern als Bedrohung dargestellt.

Dem gegenüber stehen die Alliierten, die dem Unheil, das der Führer bringt, in ihren Sprachen den Kampf ansagen. Neben Grenzkontrollen und Fluchtversuchen bekommt auch Michail Gorbatschow seinen Auftritt. Doch es wird auch deutlich, dass der Protest, Willen und Mut der Menschen in der DDR zur Freiheit führten.

Maja träumt davon, Max eines Tages zu treffen. Als 1989 der eiserne Vorhang fällt kann sie ihren Cousin endlich besuchen und mit ihm zusammen Klingelstreiche machen. Ein wunderschönes Happy End – ein bisschen wie im Märchen, nur echt!

Eine Bereicherung für Klein und Groß

Franziska Gehm lebt inzwischen länger im Westen als damals im Osten. Durch den Abstand, den sie heute zu ihrer DDR-Kindheit hat, bemerkt sie sowohl die negativen als auch die positiven Prägungen. Sie sieht beides heute als bereichernde Erfahrungen.

Für die Großen ist das liebevoll erzählte Buch eine schöne Erinnerung, für die Kleinen eine Entdeckungsreise in die Zeit, als ihre Eltern so klein waren wie sie. Es regt zum Nachdenken und zum Lachen ein. Ein gesamtdeutsches Familien- und Erzählbuch, das die schwierige Trennungsgeschichte kindlich einfühlsam verpackt.

So spielerisch leicht das ernste Thema auch wirkt: Kazt Franziska Gehm war der Entstehungsprozess ein intensives, spontanes, befruchtendes "Ping-Pong" zwischen Autorin, Illustrator und Lektorin. Jede Doppelseite könnte Stoff für eine komplette Schulstunde bieten, so viele Denkanstöße verbergen sich in dem großen "Fast-schon-Wimmelbuch".

Eine Botschaft für die Kinder

Es ist nicht nur die Erkenntnis, gemeinsam voller Mut und Tatendrang etwas verändern zu können, das unmöglich scheint. Ganz konkret liegt Franziska Gehm eine Botschaft am Herzen.

"Meine Eltern haben mal als Kind zu mir gesagt: 'Kinder sind überall auf der Welt gleich.' Das habe ich damals stark bezweifelt. Aber genau das zeigt dieses Buch auch. Und dass man 'das Andere' kennenlernen muss, um es zu verstehen und dann nicht nur Unterschiede, sondern sehr schnell auch Gemeinsamkeiten findet."

Anstoß zum Austausch

Für Franziska Gehm ist "Hübendrüben" ein Buch, das Kinder mit ihren Großeltern oder Eltern zusammen lesen und darüber ins Reden kommen." Ein tolles Projekt und ein heißer Lese-Tipp. Das Buch verbindet Generationen. 

Zum Projekt existiert so viel Material aus Bildern, Texten und Szenen, dass die Macher über eine Ausstellung der Originale nachdenken. Und wir dürfen gespannt sein, denn: Vielleicht gibt es vom Ost-West-Team Gehm-Klein bald weitere Bücher, die in Kindern Fragen auslösen und Lust aufs mit den Eltern Disutieren machen.

Das Buch

"Hübendrüben: Als deine Eltern noch klein und Deutschland noch zwei waren"

Autori: Franziska Gehm, illustriert von Horst Klein
Klett Kinderbuch

Für Kinder ab sieben Jahren, 14 Euro

Profilbild

Unsere Autorin

Antonia Müller

Schon als Schülerin hat Antonia Müller Bücher verschlungen, Theater gespielt, Geschichten geschrieben und Hörspiele vertont. Auf Germanistikstudium und Textschmiede folgten Redaktionsjobs für Internet, TV und Verlage.

Zwölf Jahre Kreation von erfolgreichen Ideen und Texten in der Werbung runden ihr Profil als Story Teller ab. Für Junior Medien schreibt sie heute Wissenswertes über Familie, Kind und Kegel. Was noch fehlt, ist ihre erste Romanveröffentlichung.

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