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So klappt's

Gelassen durch die Trotzphase

Wenn Zwei- bis Dreijährige durch die Trotzphase toben, geraten nicht nur die Gefühle der Kinder außer Kontrolle. Auch für Eltern ist es äußerst schwierig, cool zu bleiben. Tränen fließen oft auf beiden Seiten. Macht aber nichts. Denn es gibt immer einen Weg, sich wieder zu versöhnen.

Meine Freundin besuchen und eine halbe Stunde in Ruhe quatschen? Zurzeit ausgeschlossen. Ihre Tochter Hannah befindet sich im Ausnahmezustand. Sie hat die Trotzphase erreicht. Und das mit voller Wucht. Zwar ist die Kleine erst zarte zwei, doch „terrible two“ beschreibt ihren Zustand besser. Hannah treibt ihre Mutter in den Wahnsinn, wenn sie zum Wutwicht wird. Das Kind, bis vor kurz noch ein überwiegend friedliches Baby, rastet jetzt regelmäßig aus. Manchmal reichen Kleinigkeiten. Zum Beispiel das Drei-Minuten-Licht im Treppenhaus. Ohne nachzudenken hat Hannahs Mama auf den Schalter gedrückt – obwohl ihre Tochter das Licht-Werdungs-Wunder selbst vollbringen wollte. Nun müssen beide drei Minuten Gebrüll ertragen, bis die Lampen ausgehen und Hannah sie alleine wieder anmachen darf. Ihre Mama weiß, dass die anderen Hausbewohner alles mitkriegen und wahrscheinlich die Augen verdrehen: Die schon wieder. „Ich muss mir manchmal auf die Lippen beißen, damit ich nicht selbst anfange zu heulen“, sagt Hannahs Mama und wünscht sich, dass diese Phase endlich vorbei geht. Doch das wird noch ein bisschen dauern. Erst mit etwa vier Jahren gilt das Trotzalter als überstanden.  

Ab zwei Jahren verwandeln sich Kinder in Trotzköpfe

Wenn Kinder zwischen zwei und drei Jahren ihre ersten Willenserklärungen von sich geben und Machtansprüche stellen, bricht für die Kleinen eine Welt zusammen, weil selten etwas klappt, wie erhofft. Meist knicken die Eltern gleich mit ein und bekommen Selbstzweifel: „Habe ich etwas falsch gemacht? Womit habe ich das verdient?“ Aus dem scheinbar willenlosen Baby ist über Nacht ein Tyrann geworden, der seine Eltern mächtig nervt. Der Teller oder sich selbst auf den Boden wirft. Nicht ins Bett will, aber alles haben muss, was in Sichtweite gerät. Mit anderen Kindern Streit anfängt und kein „Nein“ ertragen kann, ohne ein Brüllkonzert zu geben.

Wutinszenierungen sind wichtig für die Entwicklung

Für die gestressten Eltern gibt es ein wenig Trost („Ich bin nicht schuld, mein Kind kann einfach nicht anders“) und ein paar Strategien („Nicht provozieren lassen, cool bleiben, Augen zu und durch“). Mental stärken können sich Mama und Papa mit Wissen. Zum Beispiel, dass das ganze Theater einen tiefen Sinn hat. Die Inszenierungen, die die Trotzköpfe veranstalten, sind wichtige Entwicklungsschritte. Tochter oder Sohn sind keineswegs böse oder falsch erzogen. Im Gegenteil: Würden sie niemals wüten, wäre Wichtiges versäumt worden. Mehr als 90 Prozent von Hannahs Altersgenossen fallen halbwegs regelmäßig aus der Rolle. Intelligente Kinder trifft’s besonders hart. Sie entwickeln genaue Vorstellungen von dem, was sie erreichen wollen. Und wenn das nicht klappt, rasten sie aus. Dass die Kleinen sich trauen, ihre Wut so hemmungslos zu zeigen, ist ein Zeichen für eine gut funktionierende Familienbindung. Kinder rebellieren nämlich nur gegen Menschen, bei denen sie sich sicher fühlen. 

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Typisch Trotzphase: Ich will das - aber ich schaffe es nicht

In diesem Alter haben Kinder noch nicht gelernt, ihre Gefühle auszudrücken. Sie kennen keine gesellschaftlichen Regeln und sind zu vernünftigen Gesprächen noch nicht in der Lage. Sie stoßen ständig an Grenzen („Ich will das, aber ich schaffe es nicht“) – und das frustriert. Gleichzeitig merken Trotzköpfe, dass ihr Verhalten Reaktionen auslöst, was die Sache interessant macht: „Wie weit kann ich gehen? Was passiert, wenn ich das probiere? Reicht es, wenn ich die Mundwinkel herunterziehe, damit Mama springt?“

Balance zwischen Gelassenheit, Dauerstreit und Grenzen zeigen

Eltern müssen eine Balance finden. Einerseits ist Gelassenheit gefragt. Andrerseits testen Kinder ihre Grenzen aus. Und niemand möchte Dauerstreit. Die kindliche Wut darf nicht mit Wut, Gewalt oder Rache beantwortet werden. Zum Glück gibt es noch genug andere Möglichkeiten: Man kann das Kind ablenken, es woanders hinbringen, sich selbst zurückziehen oder ihm Hilfe anbieten, die es annehmen kann oder nicht. Manchmal hilft es auch, dem wütenden Wicht sanft zu zeigen, dass er seine Ziele ohne Tränen und Theater erreichen kann. Wichtig bleibt aber immer, dass es am Ende eine Versöhnung gibt. Das Kind in den Arm nehmen, ihm erklären, dass alles wieder in Ordnung ist, gemeinsam etwas Schönes machen – das tut kleinen und großen Leuten gleichermaßen gut. 

Die meisten Eltern machen diese Erfahrungen und finden instinktiv den richtigen Weg. Denn zum Glück hören die Kinder oft genauso schnell mit der Toberei wieder auf, wie sie angefangen haben. Die Tränen sind noch nicht getrocknet, da strahlen die kleinen Gesichter schon wieder. Alle Wut ist vergessen – auch die der Mama.

Gelassen durch die Trotzphase: So beugen Eltern Wutanfällen vor

Ein zwei- bis dreijähriges Kind muss nicht jeden Frust aushalten. Wenn sich der „Emotions-Tsunami“ durch Maßnahmen im Vorfeld vermeiden lässt, spricht nichts dagegen. Zum Beispiel:

  • Toben, auf einer Matratze hüpfen, rennen, schreien, springen, raufen, ohne sich zu verletzen – das baut Aggressionen ab und verhindert, dass sie allzu schnell wieder aufkommen. 
  • Eltern bieten Hilfe an und greifen nur mit Erlaubnis ein, wenn ein Wutanfall absehbar wird. „Oh, das wird jetzt gleich schwierig. Soll ich dir helfen?“ ist besser, als etwas einfach selbst zu machen.
  • Wenn das Kind sich nicht helfen lassen möchte, kann auch eine Pause sinnvoll sein. „Willst du erst mal zum Essen kommen und dann gestärkt weitermachen?“
  • Keine langen Erklärungen. Wenn die Wut so richtig kocht, ist das Kind gar nicht mehr in der Lage, zuzuhören und Informationen zu verarbeiten. Wenn überhaupt, müssen Gespräche über das Passierte immer mit etwas zeitlichem Abstand geführt werden.
  • Wenn sich das Kindergesicht bedrohlich verzieht, ist Ablenkung oft eine gute Lösung. „Wollen wir zusammen ein Buch angucken?“
  • Viel draußen in der Natur spielen. Kinder brauchen Freiräume und Rahmen, in denen sie sich frei bewegen können. Wer sich häufig ohne Einschränkungen ausprobieren kann, trotzt weniger.

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