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Keine Angst vor der eigenen Courage

Strafe muss sein

Eltern müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie ihre Kinder bestrafen. Denn ohne geht es nicht. Doch welche Sanktionen sind heute angemessen und welche bleiben absolut tabu?

 

„Ich möchte meine Kinder straffrei erziehen.“ Diesen Wunsch äußern Eltern oft, bevor der Nachwuchs da ist. Wer träumt nicht davon? Konflikte durch Einsicht statt durch Sanktionen zu lösen. Die kleinen Persönlichkeiten zu stärken, ohne ihren Willen zu brechen - das ist ein guter Vorsatz, der leider im Alltag selten durchzuhalten ist. Eltern kennen das allzu gut: Schon morgens um sieben tobt die dreijährige Tochter, weil sie sich nicht anziehen will. Dann zoffen sich die Geschwister. Später überzieht der zehnjährige Sohn seine Computerzeit. An die vereinbarte Mithilfe im Haushalt ist gar nicht zu denken. „Zieh dich endlich an oder du darfst heute nicht fernsehen.“ -  „Hört auf zu zanken oder es gibt kein Taschengeld“ – „Noch einmal überziehen, und der Computer kommt in den Keller.“ Strafeandrohungen gehören zum Alltag. Doch die meisten Mütter und Väter sprechen sie nur mit unguten Gefühlen aus. Muss Strafe wirklich sein?

„Ja“, meinen die Experten einhellig und beruhigen Eltern mit schlechtem Gewissen. Kinder brauchen Grenzen, und manchmal sind das auch Strafen. Weil das Wort so hart klingt, sprechen viele lieber von Konsequenzen oder Sanktionen – in der Sache geht es jedoch immer um das gleiche Ziel: Das Kind soll erkennen, dass es etwas falsch gemacht hat und beim nächsten Mal klüger sein.  

 

Gute Strafen helfen weiter, schlechte machen Angst

Doch Vorsicht: Ein Ja zur Strafe ist noch lange kein Freibrief für Ungerechtigkeiten. Kinder richtig zu strafen, das ist eine sehr schwierige Angelegenheit. Absolut tabu ist dabei jede Form von körperlicher Gewalt – gleichgültig, ob Schütteln, Ohrfeigen, Tritte, Schläge, Schubsen oder der Klaps auf den Po. Auch Einsperren, nicht mehr mit dem Kind sprechen, es vor anderen schlecht machen oder Drohungen wie „Dann hat Mami dich nicht mehr lieb“ helfen kleinen Leuten nicht weiter, sondern zerstören nur ihr Vertrauen in die eigene Familie. Ebenfalls auf der Verbotsliste stehen Demütigungen wie "Du bist dumm“ oder „Dafür bist du zu blöd“. 

Auch wenn Kinder Fehler machen, dürfen sie nicht bestraft werden. Denn das sind sie bereits. Zum Beispiel: Eine Sechsjährige hat gerade Fahrradfahren gelernt. Die Eltern haben sie immer wieder gewarnt, nicht zu schnell in Kurven zu fahren. Nun tut sie es doch und fällt hin. Aua! Statt Schimpfe braucht sie jetzt Zuwendung. Ein Zweijähriger fasst trotz Warnung auf eine heiße Herdplatte. Die Verbrennung ist schlimm genug, eine zusätzliche Standpauke („Wir haben dir doch gesagt ... warum hörst du nicht?“) ist überflüssig.

Schlechte Schulnoten werden durch Bestrafungs-Aktionen nicht besser. Statt böser Worte brauchen Schüler Nachfragen („Woran lag es denn?“) und Hilfe zur Selbsthilfe („Was können wir tun, damit es beim nächsten Mal besser wird?“).

Konsequente Erziehung sollte ein Wechselspiel aus Loben, Strafen, Ignorieren und Aufmerksamkeit widmen sein. Wer zu viel bestraft wird, verliert den Lebensmut. Wer nur gelobt wird, schätzt sich selbst falsch ein. 

 

Richtige Sanktionen haben einen Bezug zum Vergehen

Manche Eltern kennen das Wort „Hausarrest“ noch aus der eigenen Kindheit. Für die Kids von heute ist es jedoch eine Lachnummer. Wenn der Nachwuchs nicht mehr nach draußen darf, wird die Situation drinnen noch schlimmer – vor allem für die Eltern. Allgemeine Strafen wie „Kein Fernsehen“ oder „Kein Taschengeld“ beeindrucken Kinder zwar, doch sie sollten im Zusammenhang mit einem Vergehen stehen. Wenn eine Achtjährige zum dritten Mal in kurzer Zeit ihre Mütze verliert, darf sie die vierte ruhig von ihrem Taschengeld bezahlen. Wenn ein Zehnjähriger seinen Küchendienst nicht macht, ist es sinnvoll, ihm den abendlichen Film erst zu erlauben, wenn der Job erledigt ist.

Zwischen autoritären Willensbrechen und Gewährenlassen gibt es viele Wege. Hier die wichtigsten Punkte:

  • Damit Strafen wirkungsvoll bleiben, sollten sie selten eingesetzt werden und möglichst erst dann, wenn andere Lösungen gescheitert sind. Bei einer guten Erziehung erinnern sich die Kinder ein Leben lang an wirkungsvolle Strafen.

 

  • Strafen müssen einer Situation angemessen sein und dem Alter des Kindes entsprechen. Sie müssen das Verhalten ahnden und nicht die Person des Kindes. Das Kind soll die Strafe im nachhinein akzeptieren.

 

  • Wenn man mit Strafe droht, muss man das auch einhalten. Sonst schalten die Kinder zurecht auf Durchzug – nach dem Motto: Lass die Alten mal reden. Das hat Mama gestern auch schon fünf mal gesagt, und es ist nichts passiert.

 

  • Sinnvolle Strafen geben Kindern nicht nur Orientierung, sondern auch die Möglichkeit, kleine Fehltritte durch Abbüßen wieder in Ordnung zu bringen. 

 

  • Eltern dürfen beim Erfinden von Strafmaßnahmen ruhig kreativ sein.

 

  • Nach jedem Streit muss es wieder eine Versöhnung geben. Wenn das Kind seine Strafe abgebüßt hat, sollten Eltern ihm zeigen: So ist es richtig. Jetzt können wir uns wieder vertragen.

 

Klare Regeln schaffen

Um Klarheit zu schaffen, ist es wichtig, dass Vereinbarungen wie Fernseh- und Computerzeiten oder Aufgaben im Haushalt zusammen mit den Kids erarbeitet werden. Dann halten sie sich eher daran. Lass dein Kind mal selbst ein paar mögliche Strafen vorschlagen. Du wirst wahrscheinlich staunen, wie gerecht und angemessen seine Vorschläge sind. Auswählen darfst du dann.

 

 

So geht‘s

Hier findest du typische Konfliktsituationen und angemessene Konsequenzen: 

Wieder-Gutmachung

Weil sein kleiner Bruder ihn Blödi genannt hat, zerreißt Felix (7) dessen Lieblingsaffen. Das ist nicht angemessen. Zur Strafe muss Felix auf eigene Kosten Ersatz beschaffen, denn ein Schimpfwort darf nicht mit dem Vernichten eines Spielzeugs beantwortet werden.

 

Kleiner Denkzettel

Larissa hat sich heimlich Süßigkeiten genommen, obwohl sie dafür immer fragen muss. Das sollten Eltern sich nicht bieten lassen. Zur Strafe gibt`s beim nächsten mal keine Süßigkeiten, auch wenn sie noch so lieb bittet.

 

Verantwortung übergeben

Nadine (7) verliert immer wieder ihre Schulsachen.

Siebenjährige können durchaus achtsamer sein. Zur Strafe soll sie beim nächsten Mal die neuen Sachen vom eigenen Geld bezahlen (natürlich nur angemessen im Verhältnis zur Höhe ihres Taschengeldes). So wird sie künftig konzentrierter damit umgehen.

 

Mamas Trick

Svenja (6) hat mit ihrer Freundin eine Lüge vorbereitet, die sofort auffliegt.

Die Strafe: Bluffen Sie ruhig ("Mama merkt, dass ihr lügt"), so dass sich Svenja ein bisschen erschreckt. Damit spürt sie den Ernst der Lage. Machen Sie dem Kind dann klar, dass Lügen ein Vertrauensbruch ist.

 

Gepfefferte Strafpredigt

Malte (6) hat seiner Mutter Geld geklaut. In einer heftigen Strafpredigt darf er so eindringlich wie möglich erfahren, dass das Diebstahl ist und nicht geht. Dann kommt die Wiedergutmachung: Malte muss das Geld zurückbringen und sich entschuldigen. 

  

Selbst-Erfahrung

Sarah (6) findet es lustig, ihre Mutter immer wieder aus nichtigem Anlass aus dem Haus zu klingeln. Die ist genervt und warnt: Es reicht jetzt.

Ignorieren ist die beste Strafe. Beim nächsten Mal wird Mama nicht sofort aufmachen – selbst wenn es dann wichtig ist. Nach dieser Erfahrung wird das Mädchen schlauer sein.

 

Schadensbegrenzung

Sebastian (4) hat sich mit einem bunten Gemälde auf der neuen weißen Tapete verewigt, obwohl er schon lange gelernt hat, dass auf Wänden nicht gemalt wird.

Zur Strafe muss er selber putzen - mindestens so lange, bis die Farbe blasser wird und er ins Schwitzen kommt.

 

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