Dein wirEltern-Newsletter

Alles über die Themen Schwangerschaft, Erziehung & Gesundheit

Kolumne Joko Zoellner

Ach, du lieber Augustin...

Die Phantasie von Eltern ist nahezu unerschöpflich, wenn es darum geht, ihren kleinen Lieblingen einen möglichst ausgefallenen Namen zu verpassen. Sind die Babys aber Teenies finden sie die elterlichen Geschmack schrecklich. Mehr als 30 Prozent wollen sich umbenennen. Aber geht das überhaupt?

Ein Auszug aus dem Verzeichnis "Babynamen der Woche 08/2018": Luzyan Lysander, Jason Adonis, Maya Minou, Damian Jan, Dora Carlotta, Isa Aljosha (für einen Jungen), Hilda, Petra, Valentin Elias Laurids, Bellana Marisa und Juli Judit ... schon erstaunlich, was sich Eltern so alles einfallen lassen!

Ein Auszug aus der phantastischen Welt von Namen, mit denen nicht die kreativen Eltern, sondern zunächst wehrlose Babys leben müssen. Aber an sie wird am wenigsten gedacht. Hauptsache, das sowieso besondere Kind wird durch einen besonderen Namen noch mehr besonders.

Mehr und mehr ist aus der Mode gekommen, was noch vor 50 Jahren auf den Standesämtern gang und gäbe war: Nur ein Name für das Kind. Das kompromisslose Bekenntnis .

kinder! im Abo

kinder! setzt sich intensiv mit den erzieherischen und unterhaltenden Themen auseinander, die Eltern und Kinder interessieren und beschäftigen.

Mehr Infos

Mehr und mehr in Mode gekommen ist der Doppelname ohne Bindestrich - eigentlich eine amerikanische Familien-Tradition mit dem elterlichen Vornamen abgekürzt als Anhängsel - und auf deutschen Standesämtern jetzt auch die beliebteste Form. Dafür gibt es offenbar gleich mehrere Gründe:

- Die Eltern konnten sich nicht auf einen Namen einigen.
- Die Eltern wählen einen klassischen und einen ungewöhnlichen Namen aus, um unter Beweis zu stellen: wir sind total uptodate.
- Die Eltern wollen ihrem Kind später die Chance geben, sich den Namen auszusuchen, der ihm mehr zusagt.

Genauso trendy wird eine eigentlich in Adelskreisen historische Masche: dem Standesamt möglichst viele Namen melden. Im aktuellen Auszug (siehe oben) finden sich schon mehrere Dreier-Kombis: Rango Waldemar Alexander, Arthur Benno Tom, Arnold Karl Erich, Valentin Elias Laurids. Es sei für alle vorgemerkt: bei sieben Namen ziehen die Standesbeamten einen Strich.

Adelige Beispiele: Aktueller Spitzenreiter bei den Blaublütigen ist Hans-Adam II., der Fürst von Liechtenstein mit Johannes Adam Ferdinand Alois Josef Maria Marco d’Aviano Pius. Dagegen hat Prinz Albert, der Fürst von Monaco nur fünf Vornamen: Albert Alexandre Louis Pierre Rainier.

Zurück zu uns irdischen Bürgern: Es zeichnet sich ab, dass wir immer mehr ausgefallenere Namen haben. 500.000 zugelassene Vornamen gibt es derzeit in Deutschland. Seit 2015 sind 1.100 neue hinzugekommen.

Die Eltern haben also die Qual der Wahl und quälen ihre Kinder. Hilfreich auf der Namenssuche könnte ja sein, wenn sich Mama oder Papa mal fragen würden, ob sie selbst gern den von Ihnen ausgesuchten Vornamen  tragen würden.

Skurrile Beispiele dafür gibt es leider genügend. Stellt euch bitte vor dieses wäre euer Name (offizielle Anfragen bei Standesämtern). Bei "Borussia", "Puschkin", "Störenfried", "Verleihnix", "Schnucki", "Anna Bolica", "Pfefferminze", "Gastritis" und auch bei "Kikiriki" zückten die Standesbeamten gottlob die rote Karte. Nicht alles ist gut, was Eltern ein- und gefällt.

Leben & Erziehen im Abo

Leben & Erziehen widmet sich dem jungen Familienleben und hilft Eltern bei den täglichen Herausforderungen.

Mehr Infos

Auch die Änderung des Vornamens ist also keine Frage des guten oder schlechten Geschmacks und kann auch nicht aus einer Laune heraus "mal eben einfach mal so" geändert werden, sondern muss mit triftigen Gründen belegt sein. Der Gesetzgeber hat hohe, aber mittlerweile nicht mehr unüberwindbare Hürden aufgebaut. In der Verwaltungsvorschrift zum Gesetz über die Änderung von Vornamen (NamÄndVwV) ist verankert: "Vornamen dürfen nur geändert werden, wenn ein wichtiger Grund ihre Änderung rechtfertigt..."

Wichtige Gründe können sein:

- Hänseleien, die zur psychischen Belastung wurden
- Vornamen, die mit zunehmendem Alter lächerlich oder anstößig klingen
- Verwechslungsgefahr
- Problematische Schreibweise oder Aussprache
- Exotischer Vorname bei der Einbürgerung
- Religiöse Gründe
- Das Geschlecht ist nicht eindeutig erkennbar
- Geschlechtsumwandlung
 

Möglichkeiten für eine Namenänderung sind:

- Einen Vornamen durch einen anderen ersetzen (am schwierigsten)
- Einen Vornamen streichen (schwierig, aber eher möglich)
- Einen weiteren Vornamen hinzufügen (schwierig, aber gut möglich)
- Die Schreibweise eines Vornamens ändern (machbar)
- Die ausländische Namensform eindeutschen (machbar).

Ausführung einer Namensänderung

Die richtige Anlaufstelle in das jeweilige Standesamt. Die Entscheidung einer Namensänderung welcher Art auch immer liegt allein im Ermessen des Standesbeamten. Der Antrag muss schriftlich eingereicht werden (Kopie des Personalausweises). Wichtig: Es müssen gute, plausible, auch sehr persönliche und nachvollziehbare Gründe genannt werden. Ein Attest kann sehr hilfreich sein.

Die Bearbeitungszeit ist von Bundesland zu Bundesland und wegen des Aufwandes  höchst unterschiedlich. Ebenso die Kosten. Im Durchschnitt: 150 Euro (ohne Gewähr). Hinzu kommt: wegen der erfolgten Änderung müssen eventuell neue Papiere beantragt werden (Zusatzkosten!).

Diese Änderung kann übrigens nur ein einziges Mal durchgeführt werden.

Viele Jugendliche finden ihre Vornamen überhaupt nicht prickelnd. Aber mit zunehmendem Alter bröckelt die Kritik. Das beliebteste Argument gilt dann sogar noch als Oma und Opa: "Wir haben uns daran gewöhnt." An den Namen und an den Lebenspartner...

Unser Kolumnist: Joko Zoellner

Joachim "Joko" Zoellner blickt auf eine lange und ausgefüllte Karriere im Journalismus zurück. Zu seinen dabei durchlaufenen beruflichen Stationen gehören unter anderem Chefredakteursposten (tw. stellv.) im Springer-Verlag. Vor allem im Sport- und Familienbereich war und ist Zoellner leidenschaftlich als Autor aktiv. 

Weiter gründete der studierte Theologe den Verlag "Jokomedia UG" sowie die Zeitschrift "Familie&Co." Für wireltern.de schreibt er regelmäßig unterhaltsame und informative Kolumnen rund um die Themen Familie, Kinder und Erziehung. Dabei kritisiert und kommentiert er – stets mit einem Augenzwinkern – gängige Methoden und alltägliche Missverständnisse zwischen Eltern und Kind.

Teile diesen Artikel:

]