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Ronja von Rönne macht sich über Kinder lustig

Warum Kinder nicht bei der Bayerischen Landesbank arbeiten wollen

Eine neue Kampagne der Bayerischen Landesbank macht sich über die Berufswünsche von Kindern lustig. Unsere Autorin Silke findet: Um sich als sympathischer Arbeitgeber zu positionieren, ist das keine gute Idee. Und vor allem: keine clevere.

"Also du möchtest DAMIT Designer werden?", fragt Ronja von Rönne und hält einem etwa fünfjährigen Jungen sein eigenes Bild vorwurfsvoll unter die Nase. "Wärst du bereit für einen Plan B?" Stille. Der Junge reagiert nicht mehr, fühlt sich sichtlich unwohl. Vermutlich fragt er sich gerade, was eigentlich ein "Plan B" ist.

In einem dreiminütigen Video fragt die Journalistin, Bloggerin und Moderatorin Ronja von Rönne Kinder im Kita- und Vorschulalter nach ihren Berufswünschen. Nur um diese im nächsten Moment ins Lächerliche zu ziehen. Das tut sie in bewusst kinderunfreundlicher Sprache voller Anglizismen und Business-Begriffen, sodass die Kinder weder inhaltlich noch sprachlich die Chance haben zu verstehen, was hier gerade passiert. Worauf die Interviewerin wiederum gespielt ungehalten reagiert. "Wer hat DIE denn gecastet?", pöbelt von Rönne unter anderem mitten im Gespräch zu ihren Kollegen. Natürlich so, dass das kleine Mädchen auf dem Interview-Stuhl vor ihr es auch ja mitbekommt.

"Der Traumjob, von dem du als Kind nie geträumt hast" erscheint am Ende des Videos in großen Buchstaben. Gemeint ist einer der Jobs bei der Bayerischen Landesbank, die von Rönne den Kleinen immer wieder als bessere Alternative zu ihren eigenen Berufswünschen verkaufen möchte. Das soll wohl auf eine besonders "edgy" Art witzig sein und vermutlich auch ganz bewusst polarisieren. Schließlich leben wir in einer Arbeitsmarktwelt, in der man auf jeden Fall für Aufmerksamkeit sorgen muss, um die besten Kräfte fürs eigene Unternehmen zu gewinnen. Aus meiner Sicht (und ich lasse jetzt mal den Aspekt außen vor, dass diese Kinder hier ohne ihr Einverständnis auf Ewigkeiten vorgeführt werden) ist dieses Video aber vor allem eins: unfassbar dumm.

Kinder können sich nur wünschen, was sie kennen

Auf der Liste der Traumjobs von Kindern stehen schon seit Jahren die immer selben Begriffe: Ballerina, Astronaut/in, Formel-1-Rennfahrer/in, Fußballstar, Feuerwehrmann oder -frau, Kinderarzt oder Tierärztin, Lehrer und Lehrerin. Auch der Müllmann schafft es immer wieder in diese Liste. Warum? Ganz einfach: Es gibt nur eine ganz begrenzte Anzahl an Berufen, die Kinder in ihrem Alltag kennenlernen. Dazu gehört der Kinderarzt genauso wie die Lehrerin. Den Fußballer oder Formel-1-Fahrer kennen sie vom gemeinsamen Sport-Schauen mit den Eltern. Und die Ballerina oder den Astronauten aus ihren Kinderbüchern. Hinzu kommen Feuerwehrmann Sam, Baumeister Bob und andere Kinder-Charaktere aus dem Fernsehen (natürlich ist diese Liste unvollständig – ich habe bewusst die plakativsten Beispiele gewählt). 

So lange es also kein Kinderbuch oder keine TV-Serie über Benni, den lustigen Bankangestellten oder Anlageberater Armin gibt, werden die Jobs, die die Bayerische Landesbank zu bieten hat, auch nicht auf die Liste der Wunschberufe kleiner Kinder kommen. Und sich darüber lustig zu machen, dass sich Kinder nur das wünschen, was sie kennen, ergibt schlicht keinen Sinn. DAS, liebe Bayerische Landesbank, wäre übrigens eine wirklich clevere Idee: Ein eigenes Bilderbuch, das kindgerechte Einblicke in den Arbeitsalltag bei euch liefert. Und dafür sorgt, dass ein Job bei der Bayerischen Landesbank irgendwann doch einer wird, von dem Kinder träumen. Ist ganz nebenbei auch viel sympathischer, als sich über Kinder und ihre Träume lustig zu machen. Meine ganz persönliche Meinung – als Journalistin, die von diesem Job geträumt hat, seitdem sie acht Jahre alt ist.

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei wireltern.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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