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Termindruck ist fatal

Gestresste Kinder

Wir haben es vemutet – nun belegt eine aktuelle Studie die Zunahme von Stress-Symptomen unter Kindern.

Stress beginnt in Deutschland schon im Kinderzimmer: Fast jedes sechste Kind (18 Prozent) und jeder fünfte Jugendliche (19 Prozent) leidet unter deutlich hohem Stress. Die negativen Folgen bei Kindern und Jugendlichen sind enorm, gestresste Kinder entwickeln Depressionen und Versagensängste und haben ein erheblich erhöhtes Aggressionspotential. Wesentliche Ursache für diesen Stress ist der fehlende Freiraum für eine kindliche Selbstbestimmung, ausgelöst durch die hohen Erwartungen von Eltern an ihre Kinder. 

Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung (1.100 befragte Kinder von sechs bis elf Jahre). Wie genau wird danach Stress wahrgenommen? Forscher bezeichnen es als „Ungleichgewicht zwischen wahrgenommenen Anforderungen und der subjektiven Fähigkeit, diese Anforderungen zu erfüllen”. 

Übersetzt heißt das: Betroffene Kinder empfinden ihr Verhalten oft als wütend oder zornig. Kinder mit hohem Stress leiden außerdem unter Versagensängsten. Knapp die Hälfte der gestressten Kinder hat Angst seine Eltern zu enttäuschen, denn gestresste Kinder nehmen die an sie herangetragenen Erwartungen der Eltern viel intensiver wahr. Kinder leiden unter erhöhten Einschlafschwierigkeiten, Kopf- und Bauchschmerzen oder Müdigkeit. „Dies sind klassische Burn-out-Symptome, die für Eltern wichtige Warnsignale sind“, veranschaulicht Studienleiter Profssor Holger Ziegler, Erziehungswissenschaftler der Universität Bielefeld. 

Laut Stress-Studie beeinflussen insbesondere zwei Faktoren das Stressempfinden der Kinder und Jugendlichen: Sie empfinden es als negativ, dass sie nicht selbst bestimmte Dinge entscheiden können – und sie haben zu viele Termine. 60,2 Prozent der gestressten Kinder geben an, nur manchmal oder nie nach ihrer Meinung gefragt zu werden und 85,6 Prozent der Kinder mit hohem Stress werden nicht in die eigene Freizeitplanung eingebunden.

Darüber hinaus berichten knapp 82 Prozent der Kinder mit hohem Stress von einer Belastung durch Aufgaben im Haushalt. „Es gibt Familien, in denen Kinder Behördengänge tätigen, die Erziehung der Geschwister übernehmen oder den gesamten Haushalt managen müssen. Das ist traurig, aber wahr. Daher ist es wichtig, den Kindern anderweitig Freiraum für eine gesunde kindliche Entwicklung zu geben,“ berichtet Forschungsleiter Ziegler. 

Sensibilisierung der Eltern ist wichtig

Interessant ist, dass 87,3 Prozent der Eltern von gestressten Kindern nicht glauben, ihr Kind zu überfordern und ungefähr 50 Prozent gaben an, alles dafür zu tun, um ihr Kind zu fördern. „Eltern wollen immer das Beste für ihre Kinder. Wichtig ist, dass sie dabei ein Feingefühl dafür entwickeln, was Kinder wirklich brauchen und sie nicht überfordern. Ich erlebe die Eltern selbst enorm unter gesellschaftlichen Druck. Sie wollen allen Anforderungen gerecht werden. Dies übertragen sie dann auch auf ihre Kinder. Somit entsteht eine Stressspirale, die für Kinder fatale Folgen haben kann“, so Katia Saalfrank, Schirmherrin der Bepanthen-Kinderförderung und Familienberaterin. 

Stress bleibt nicht ohne Folgen für die Betroffenen. „Unserer Gesellschaft bringt es nichts, wenn Kinder und Jugendliche unter Stress aufwachsen und so schon in jungen Jahren Burn-out-Symptome aufweisen, zornig und aggressiv sind, weil sie überfordert und mit ihrem Leben nicht zufrieden sind. Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung eine stressfreie Umgebung und vertrauensvolle Atmosphäre. Sie benötigen Begleitung und Unterstützung – kindgerecht und ihrem Alter entsprechend. Umso wichtiger ist es, über dieses Thema aufzuklären. Dies sehe ich in meiner Verantwortung als Schirmherrin der Bepanthen-Kinderförderung“, verdeutlicht Katia Saalfrank.

Tipps für stressfreie Kinder

1. Überprüfe deine eigenen Erwartungen: Oft sind diese zu hoch und lassen Eltern in Stress geraten. Reduziere deinen Stress und lasse dich in Bezug auf Förderung deines Kindes nicht von anderen verunsichern. Dein Kind hat sein eigenes Tempo und braucht deine Bestärkung. Druck führt zu Gegendruck und erstickt so die natürliche Neugier und Lernlust der Kinder.

2. Qualitätszeit für Kinder schaffen: Sei als Mama oder Papa achtsam und sensibel mit dir selbst und deinen eigenen Bedürfnissen. Nur dann kannst du auch ein Gespür dafür entwickeln, wie es deinen Kindern geht. Denn diese brauchen die Freiräume, in der sie selbstbestimmt Dinge tun können, die ihnen Spaß machen.

3. Mehr Autonomie für Kinder: Beziehe deine Kinder in deine Planungen und Vorstellungen mit ein und frage sie offen, wie es deinem Kind mit den vielen Terminen und außerschulischen Aktivitäten geht – plane dann gegebenenfalls gemeinsam um. Wichtig: Oft ist es nicht die Anzahl der Termine die Kindern Stress macht, sondern das Gefühl, sich nicht selbst für die Termine entschieden zu haben.

4. Schaffe eine vertrauensvolle Atmosphäre: Kinder brauchen eine liebevolle, stabile Beziehung. Und doch: Kinder werden unter Umständen nicht sagen, dass ihnen manche Hobbys oder Veranstaltungen zu viel sind. Achte deshalb auf Signale der Kinder und Anzeichen von Überforderung: Müdigkeit, Erschöpfung, schlechte Laune, Schlafschwierigkeiten oder aggressives Verhalten. Kinder brauchen eine vertrauensvolle Atmosphäre, sie benötigen Begleitung und Unterstützung, kindgerecht und ihrem Alter entsprechend.

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