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Wenn Darth Vader und Sally Bollywood die Herrschaft übernehmen

Medienkonsum bei Kindern - Fluch oder Segen?

Der Umgang von kleineren Kindern mit Spielekonsolen oder Tablets polarisiert. Darf das
Computerspielen zu einem ähnlichen Ritual werden wie das Fernsehgucken? Sicher nicht, aber ein Totalverbot ist auch falsch.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen völlig unbekümmert beim Elternabend der 1. Klasse und freuen sich auf den Erfahrungsaustausch über die ersten Lernerfolge der Schulanfänger. Doch dann präsentiert Ihnen die Lehrerin mit einem sorgenvollen Blick selbstgemalte Kunstwerke der Kinder. Neben farbenfrohen Regenbogen, coolen Flitzern und eigenwilligen Selbstportäts blicken Sie auf Kriegsszenarien mit Panzern und Düsenjets und als besonderes Highlight auf eine Folterszene, die selbst nachts im TV wegen Jugendgefährdung nicht gezeigt würde

Ohne Scheuklappen beschäftigen sich Kids auch mit brutalen Bildern

Schnell stellt sich die Frage: Was weiß ein sechsjähriger Junge über Folterkammern – und woher kommen all die detailverliebten Bilder abgetrennter Köpfe und riesiger Blutlachen in seinem Kopf? Geht man davon aus, dass seine Eltern keine derartige Kammer im Keller ihres Einfamilienhauses beherbergen, drängt sich schnell der Verdacht auf, dass dieses Kind mit Informationen über das Fernsehen oder Computerspiele überflutet wird, die nicht für seine jungen Augen und Ohren bestimmt sind.

Expertenrat: Mit 11 Jahren nur 5 Stunden Fernsehen pro Woche

Heutzutage gehören die Medien zum Alltag – das ist unbestritten. Auch meine Kinder sind gemeinsam mit Caillou, dem nahezu perfekten Alptraum aller Mütter, und anderen pädagogisch wertvollen Vorschulfilmen, groß geworden. Der Elterninitiative „Schau hin!“ hält für Kinder zwischen 3 und 5 Jahren einen Fernsehkonsum von 15 Minuten für angemessen, bei Siebenjährigen sind sogar 30 Minuten vertretbar,  bei 10 bis 11-Jährigen sollte ein Wochenpensum von knapp 5 Sunden in der Woche nicht überschritten werden. Wichtig sei nur, das Medium Fernsehen nicht als Babysitter zu verstehen und die Kinder alleine ihrem Schicksal zu überlassen. Besonders actionreichere Filme mit klassischen Auseinandersetzungen zwischen Gut und Böse hinterlassen prägende Eindrücke, die man im Kreise der Familie erleben  und erläutern sollte.
Aber ist Medienkonsum deswegen nun zwingend schlecht? Sicherlich nicht!  
„Medien in der Familie verstehe ich als Herausforderung. Schließlich sind wir Eltern die Wegbereiter für einen bewussten und verantwortungsvollen Medienumgang. Gut begleitet können unsere Kinder so ‚ihre‘ Medienwelten mit Spaß entdecken und genießen, ohne sich völlig darin zu verlieren“, erklärt Mediencoach Kristin Langer von der Medienpädagogik-Initiative „Schau hin!”, die jahrelange Erfahrung mit Medienkonsum hat.
So sehr sich Eltern auch bemühen, im realen Leben dem Kind Schritt für Schritt das Alltagswissen und Erfahrungen näher zu bringen, vieles wird viel stärker durch Medien vermittelt. Kein Wunder also, wenn der Sohn stolz verkündet, dass bei einem Kampf zwischen einem Zackenbarsch und einem Kugelfisch meistens beide Fische ihr Leben lassen, weil der aufgeblasene Kugelfisch oft aus dem Maul des vergifteten Barsches nicht mehr herauskommt. So etwas wissen meine Jungs aus der Zeichentrickserie „Go Wild – Mission Wildnis“.

Kinder saugen alles auf wie ein Schwamm - aber einer ohne Filter

Kinder saugen alles auf wie ein Schwamm – aber einer ohne Filter Kinder reagieren wie ein Schwamm – sie saugen alles auf, zunächst einmal ohne eingebauten Filter. Verpassen wir als Eltern, verantwortungsvoll mit den Inhalten umzugehen, so erhalten wir die Quittung zeitnah, möglicherweise in Form eines hübschen Folterkammer-Bildes.
Ähnliches gilt für Computerspiele. Aufregende Abenteuer, in denen die Kids spielerisches Geschick unter Beweis stellen können, üben eine unbeschreibliche Faszination aus. Aber auch hier muss unterschieden werden, ob ich einen 7 jährigen unbeaufsichtigt vor ein Ego-Shooter-Spiel setze oder doch ein harmloses, buntes Game bevorzuge, in der Detektivin Sally Bollywood ein paar Fälle knacken muss. Spiele, die Motorik, Kombinationsgabe oder Reaktionsvermögen schulen und einfach Spaß und Zeitvertreib bieten, sind ideal. Und erlaubt. Laut einer Studie der Hirnforscherin Daphne Bavelier sollen Computerspiele sogar die Konzentrationsfähigkeit erhöhen. Und schließlich haben auch Kinder ein Recht auf eine mediale „Entspannung“.
Schwieriger wird es schon bei Action-Games wie Star Wars – ein absolutes Highlight bei den Kids. Sobald es um Kampf, Macht und Gewalt geht, auch wenn sie noch so verharmlost dargestellt wird, steigt das Aggressionspotenzial der Kids deutlich an.

Der vierfache Vater Jörg Pilawa prüft mit den Kindern die PC-Spiele

 Der beliebte TV-Moderator Jörg Pilawa unterstützt als Botschafter die Medieninitiative „Schau hin!“. Als vierfacher Familienvater weiß der Hamburger, wie wichtig bewusste Mediennutzung in der Familie ist. „Computer- und Konsolenspiele können harmlos und nett sein. Sie können aber auch gewalthaltig und für Kinder nicht altersgerecht sein. Eltern sollten klare Absprachen treffen, welche Computerspiele erlaubt sind und welche nicht. Dabei kann es auch vorkommen, ein Spiel notfalls zu verbieten.“ Im Zweifel nimmt sich der Familienvater die Zeit, um die Spiele mit den Kindern unter die Lupe zu nehmen und zu testen.
Wenn es nach meinen Jungs geht, würden sie gerne jeden Tag am PC spielen. Das aber genau erlaube ich nicht. Es wird zeitlich reglementiert und darf nicht zum Ritual werden, wie es das abendliche Fernsehen liebgewonnener FSendungen längst geworden ist. In Maßen ist der Fernsehkonsum sicherlich in Ordnung – und auch gegen einen gemütlichen DVD-Abend am Wochenende mit der ganzen Familie absolut gar nichts spricht.
Gefährlich wird es dann, wenn aus dem Ritual eine Sucht wird, wenn sich soziale Netzwerke und vernetzte Computerspiele zum Höhepunkt menschlicher Kommunikation entwickeln. Hier sollte man rechtzeitig den Stecker ziehen.

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