Dein wirEltern-Newsletter

Alles über die Themen Schwangerschaft, Erziehung & Gesundheit

Zum Vorlesen und Nacherzählen

Der magische Fußball

Brazuca konnte sich in alles verwandeln, was er nur wollte. Heute brauchte ein Mädchen seine Hilfe, und da hatte er sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Heute würde er nicht stark sein oder groß – heute würde er rund sein! Brazuca rollte sich zusammen, und schon war er kugelrund. Jetzt brauchte er nur noch einen Karton, und dann konnte es losgehen …

Papa kam mit einem Karton unterm Arm in Sabines Zimmer.

„Ein Paket für dich, Bine!“ „Ein Paket? Für mich? Von wem ist es denn?“, wollte Bine wissen. „Das weiß ich nicht“, sagte Papa, „es steht kein Absender drauf – nur dein Name.“ Er stellte das Paket auf den Tisch und fragte: „Willst du es nicht aufmachen?“ Bine schnappte sich den Karton, und ups, was war denn das? Irgendwie wackelte der Karton – als ob etwas Lebendiges darin wäre … Erschrocken ließ Bine ihn fallen, und rumpelnd fiel er zu Boden. „Was machst du denn?“, fragte Papa. „Der Karton hat irgendwie so komisch gezappelt“, sagte Bine. Das Mädchen lauschte. Aber jetzt blieb alles ruhig, und so traute sich Bine schließlich, das Paket zu öffnen.

Vorsichtig hob sie den Deckel hoch.

Und was war drin? Bine staunte: ein Fußball! Und es war nicht nur irgendein Fußball. Bine kannte sich aus: Es war der gleiche Ball, mit dem in diesem Jahr bei der Fußball-Weltmeisterschaft gespielt wird! Bine hatte im Internet ein Bild von dem Ball gesehen: Die grünen, orangen und blauen Streifen, die um den Ball herumliefen wie bunte Schlangen, ganz klar – er war es, der Weltmeisterschaftsball! „Krass“, flüsterte Bine. Sie nahm das runde Leder aus dem Karton und betrachtete es von allen Seiten. So einen tollen Ball hatte sie noch nie gehabt, immer nur so blöde Plastikbälle, die irgendwann die Luft verloren und sich dann nicht mehr aufpumpen ließen. „Wer schickt mir denn so ein tolles Geschenk, ich hab doch noch lange nicht Geburtstag …“ Papa zuckte mit den Schultern „Keine Ahnung“,  meint er dann.  „Freu dich doch einfach!“ Mit diesen Worten ließ er Bine allein.

Bine war so glücklich über ihren neuen Ball, dass sie ihn abends sogar mit ins Bett nahm.

Sie hielt den Ball im Arm wie sonst ihren Lieblingsteddy und war bald eingeschlafen. Und dann hatte Bine einen ganz verrückten Traum: Der Ball konnte reden und sprach zu ihr! Plötzlich wachte Bine auf. Hatte der Ball eben tatsächlich gesprochen? Und was hatte er gesagt? Bine wusste es nicht mehr. Nur ein geheimnisvolles, fremdländisch klingendes Wort ging ihr nicht mehr aus dem Kopf: Brazuca ... „Ich werde dich Brazuca nennen“, sagte Bine zu ihrem Ball. Aber dann lachte sie über sich selbst, weil sie einem Ball einen Namen gab, und bald war sie wieder eingeschlafen.

Am nächsten Tag wollte Bine ihren neuen Ball endlich ausprobieren.

Sie schnappte sich Brazuca und lief zum Fußballplatz bei der Schule. Dort wollte sie alleine ein bisschen aufs Tor schießen üben, denn Freunde hatte sie keine. Manchmal war sie traurig deswegen.

Oje, der Fußballplatz war besetzt.
Da spielten schon wieder die großen Jungs Fußball, so, wie fast jeden Tag. Einmal hatte Bine gefragt, ob sie mitspielen dürfte, aber da hatten die Jungs und das Mädchen – ja, es war auch ein Mädchen dabei! – nur gelacht und gesagt, sie wäre zu klein. Seitdem hatte sich Bine nicht mehr getraut, noch einmal zu fragen. Enttäuscht wandte sie sich ab und machte sich auf den Weg zurück nach Hause.

Plötzlich zuckte der Ball in Bines Hand, als ob er lebendig geworden wäre.

Bine war starr vor Schreck. Brazuca sprang ihr aus der Hand, rollte um die Ecke und hopste zu den Fußball spielenden Kindern hinüber. Durch ein Loch in der Hecke, unsichtbar für die anderen,  beobachtete Bine, was nun geschah. „Hä, wo kommt denn der Ball auf einmal her?“, rief einer der Jungen, „ein echter WM-Ball! Mit dem spielen wir jetzt weiter.“ Er kickte den alten Lederball, mit dem sie bisher gespielt hatten, über den Zaun. „Tom, aber der Ball gehört uns doch gar nicht“, sagte das Mädchen. „Na und, Mia?“, sagte Tom. „Lass uns endlich weitermachen!“ Er kickte den Ball zu einem seiner Mitspieler. Aber was war denn jetzt los? Der Ball kam nie bei dem anderen Jungen an, sondern rollte plötzlich rückwärts und hoppelte dann zu Bine zurück. Bine kam hinter der Hecke hervor, und Brazuca blieb vor ihren Füßen liegen wie ein braves Hündchen.

„Los Mädchen, schieß den Ball her!“, rief Tom.

Und da hörte Bine plötzlich noch eine andere Stimme als die von Tom. Wer sprach denn da zu ihr? Die Stimme schien von irgendwo hinter Bine zu kommen, aber als sie sich umdrehte, war da niemand. „Hier bin ich, Bine“, sagte die Stimme noch einmal, und jetzt erkannte das Mädchen sie wieder: Es war ihr neuer Fußball Brazuca, der zu ihr sprach, genau wie gestern Nacht in ihrem Traum! Nicht mit den Ohren hörte Bine Brazuca sprechen – es war, als wenn die Stimme des Balls direkt in ihrem Kopf erklang. Und was sagte Brazuca? „Trau dich!“, sagte er – genau,  wie er es im Traum gesagt hatte. Jetzt erinnerte sich Bine daran!

Und Bine traute sich.

Sie nahm Anlauf und trat mit aller Kraft gegen den Ball. Sie hoffte, dass er weit genug flog, dass er auch tatsächlich bei den Kids auf dem Fußballplatz ankam, und sie nicht ausgelacht wurde, weil sie nicht so weit schießen konnte. Aber sie hätte sich keine Sorgen zu machen brauchen: Brazuca ging ab wie eine Rakete! Und Bine war sicher, dass da kurz ein lachendes Gesicht auf dem Ball zu sehen war … Der Ball flog quer über den ganzen Fußballplatz auf das Tor zu, krachte an den Pfosten und  sprang von da mitten ins Tor hinein. „Boah ey, cooler Schuss“, sagte Tom anerkennend. Er überlegte kurz, und dann rief er: „Willste mitspielen? Dann komm her!“ Das ließ sich Bine nicht zweimal sagen und lief zu den anderen hinüber.

Bine durfte in Toms Mannschaft mitmachen und ein wildes Spiel begann.
Da! Der Ball rollte Bine vor die Füße. Und wieder erklang die Stimme in Bines Kopf: „Schieß!“, rief sie. Und Bine schoss. Brazuca flog in hohem Bogen auf das Tor zu, der Junge, der im Tor stand,  verschluckte vor Schreck sein Kaugummi, bekam einen Hustenanfall und der Ball flitzte ins Tor. „Tooooor!“, rief Tom, und „super, Bine!“, rief Mia und hielt ihr die erhobene Hand zum Abklatschen hin. „High Five!“, rief sie, und Bine klatschte ab, dass es nur so knallte und ihre Hand nachher ganz rot war.

Beim nächsten Schuss von Bine verlor der Torwart auf einmal seinen Handschuh – schon wieder Tor!

Und noch ein Schuss von Bine – und jetzt setzte sich dem Torwart eine Fliege auf die Nase. „Iiiii, geh weg!“, rief der Torwart und wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht herum. Und zack! – flog der Ball an ihm vorbei: Noch ein Tor! Und wieder schien Brazuca für einen Augenblick ein Gesicht zu haben, dessen Augen Bine fröhlich zuzwinkerten. „Das hat doch alles Brazuca für mich gemacht“, dachte Bine.

Und dann sprang Brazuca auf einmal ganz von selbst über den Zaun und war weg, und so sehr die Kinder auch suchten – er war nicht wieder aufzufinden.

„Na, dann spielen wir eben mit dem alten Ball weiter“, sagte Tom. „Oje“, dachte Bine, „jetzt werden sie merken, dass ich gar nicht wirklich Fußball spielen kann …“ Doch als kurz darauf wieder ein Ball genau vor ihren Füßen landete, da nahm Bine all ihren neu gewonnen Mut zusammen und schoss einfach aufs Tor … Und … Drin war der Ball! Das war das Siegtor, und Bines Mannschaft hatte gewonnen. Und diesmal hatte Bine das ganz alleine hingekriegt, ohne dass Brazuca ihr etwas zu zuflüstern brauchte oder den Torwart abgelenkt hätte!

„Meine Aufgabe ist erledigt“, dachte Brazuca in seinem Versteck im Gebüsch, „von nun an muss Bine alleine klarkommen.“ Und dann machte er sich auf den Weg – vielleicht brauchte ja irgendein Team bei der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien seine Hilfe …

Verschwitzt und verdreckt, aber glücklich, kam Bine am Abend nach Hause.
„Na Bine, wo hast du denn deinen neuen Ball gelassen?“, wollte Papa wissen. „Och der? Der ist weg“, sagte Bine, „aber das macht nix, denn dafür hab ich neue Freunde gefunden!“ Und als Bine am nächsten Tag wieder zum Fußballplatz kam, wurde sie jubelnd empfangen: „Da kommt Baller-Bine, unsere Teufelskickerin!“ Freudestrahlend lief Bine zu ihren neuen Freunden hinüber. Und Brazuca? Den hatte Bine schon vergessen – als wenn es ihn niemals gegeben

Teile diesen Artikel:

]