Jetzt reicht's!

9 Tipps gegen das Chaos im Kinderzimmer

Die lieben Kleinen und Ordnung halten? Beim Blick in so manche Räuberhöhle scheint das ein Widerspruch in sich zu sein. Wie kriegen Eltern das Problem in den Griff, ohne den Spaß am Spielen zu verderben?

 

Der Nachmittag war nett und friedlich. Meine Kinder hatten kleine Gäste. Ich wurde weitgehend in Ruhe gelassen. Erst am Abend fand ich eine Erklärung für den trügerischen Frieden. Im Kinderzimmer flog so ziemlich alles herum, was herumfliegen kann, auch Sachen, die eigentlich gar nicht fliegen können. Legosteine, Puzzlestücke, Eisenbahnschienen, Gummibälle, zerkrümelte Salzstangen und verklebte Saftgläser. Verziert war das Chaos mit Klamotten, Stiften, Klopapierfetzen, ausgeschüttetem Tuschwasser, unvollendeten Kunstwerken, dem Inventar eines umgekippten Puppenhauses und den Innereien eines beinamputierten Teddys.

Die Kinder trollen sich zurück an den Tatort
Mich packte die Wut: „Geht’s euch eigentlich zu gut?“ Anna und Jonathan lagen vorm Fernseher und blieben entspannt: „Das waren wir nicht.“ Aha, und wer war es dann? „Mats hat das Wasser umgekippt“, erläuterte der Sohn. „Und Serena ist auf das Puppenhaus gefallen“, ergänzte die Tochter. Das beruhigte mich keineswegs. Schnaubend machte ich den Fernseher aus. „Schluss jetzt, ihr räumt das Zimmer auf.“ Die Entspannung wich aus den kleinen Gesichtern. „Wir machen das später, jetzt wollen wir doch ...“ – „Nein!“ Meine Kinder wissen, wann es ernst wird, und trollten sich sicherheitshalber zum Tatort.

Zwecks Nervenschonung zog ich mich zurück und wartete auf die ersten Wasserstandsmeldungen. Doch es kamen nur Ablenkungsmanöver („Ich habe das ganze Puzzle in den Kasten getan, und Jona hat nichts gemacht“). Letzte Lösung: „Die Tür bleibt zu – bis Ordnung herrscht.“ Ich fand mich recht gut. Ohne Brüllen war ich am Ziel. Hatte die Kinder die Folgen ihres Handelns spüren lassen und sie zu besserem Verhalten angeregt.

Das traurige Ende eines fröhlichen Nachmittags
Doch so richtig konnte ich mich nicht freuen, bevor ich nicht das Ergebnis gesehen hatte. Ich linste durchs Schlüsselloch – und erblickte zwei schluchzende Gestalten. Sollte das das traurige Ende eines fröhlichen Spielnachmittags sein? Ich konnte nicht anders und ging rein. Wir versöhnten uns (wie schön!) und machten uns dann gemeinsam ans Werk. In wenigen Minuten war Land in Sicht. Vor Freude darüber machten die Kinder sogar eifrig mit.

Schade, dachte ich, dass der ewige Kampf ums Aufräumen den Familienfrieden immer wieder so empfindlich stört. Um das Chaos in Grenzen zu halten, müsste ich die Kinder ständig überwachen  – bis sie sich kaum noch trauen würden, eine Spielzeugkiste aus dem Regal zu ziehen. Wie können wir das ändern? Erziehungs-Experten raten zu einer Mischung aus Toleranz und Konsequenz

Zu viel Strenge? Dann sind die Kinder nicht mehr kreativ
Erwachsene sollten dabei berücksichtigen, was sie Kindern in welchem Alter zumuten können. Bei Schulkindern sind die Ansprüche deutlich höher als im Kindergartenalter. Schüler lernen besser, wenn sie ihr Chaos zumindest überschaubar halten können. Kleinere Mädchen und Jungen sind mit Generalkommandos wie „Räum dein Zimmer auf!“ aber schlichtweg überfordert. Es reicht, wenn Vorschulkinder ihren guten Willen zeigen und einzelne Anweisungen wie zum Beispiel „Bring diesen Ball bitte in die Ballkiste“ befolgen. Nimmt das Thema Aufräumen überhand, vergeht den Kids schnell die Lust am Spielen. Wird jedes Herausholen von Spielsachen mit strengen Ermahnungen kommentiert („Das räumst du aber auch wieder weg!“), können Kinder kaum noch kreativ werden.

Statt mit Strafen zu drohen, sollten Erwachsene lieber Belohnungen in Aussicht stellen („Wenn alles schön aussieht, freuen wir uns gemeinsam“). Kinder brauchen viel Zeit, um ihren eigenen Ordnungssinn zu entwickeln. Dafür müssen sie erst einmal eigene Erfahrungen machen – zum Beispiel die, dass man etwas nicht wiederfindet, wenn nichts an seinem Platz ist. Oder dass es mehr Spaß macht, etwas Neues anzufangen, wenn das Zimmer einigermaßen ordentlich ist. Und dass Aufräumen zu sichtbaren Erfolgserlebnissen führt, die glücklich und zufrieden machen.

 

9 Tipps für Ordnung im Kinderzimmer

 

1. Kinderzimmer dürfen nicht überfüllt sein. Zu viel Spielzeug macht das Ordnung-Halten unnötig schwer.

2. Spaßfaktor erhöhen: Beim Aufräumen läuft peppige, schwungvolle Musik oder die Kinder singen spezielle Aufräumlieder (das wird häufig in der Kita so gemacht).

3. Eine Superhöhle gebaut? Ein Riesenturm ist gelungen? Tolle Spielergebnisse dürfen auch mal ein paar Tage stehen bleiben.

4. Nicht jeden Abend muss alles in Ordnung sein. Zwischendurch reichen kleine Lösungen. Basisregel: Durchgangswege bleiben frei. 

5. Einmal in der Woche ist Großputztag, bei dem alle – ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechend - mitmachen.

6. Für die Kinder gut erreichbare Plätze erleichtern das Ordnung-Halten. Schubladen, Regale und Kisten werden mit Symbolen versehen.

7. Aufräumen darf keine Strafe für schlechtes Benehmen sein, sondern sollte als Selbstverständlichkeit für alle aufgefasst werden.

8. Die Erwachsenen achten auf gute Stimmung und fröhliche Atmosphäre. Ordnung-Schaffen sollte nicht mit negativen Gefühlen verbunden sein.

9. Auch wenn nicht alles perfekt ist, werden Kinder gelobt, wenn sie freiwillig aufräumen.

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