Das Leben als Kindermodel "Mama, ich will Model werden!"

Das Leben als Model ist vor allem für viele Mädchen ein Traum: In einer Studie aus dem Jahr 2017 landete der Beruf "Model" schon bei Dritt- und Viertklässlerinnen unter den Top 5 der Berufswünsche. Unserer Autorin ging es als Kind nicht anders. Heute befragt sie eine Expertin: Wie ist die Arbeit als Kindermodel wirklich?

Hand aufs Herz: Hätte eine Sendung wie "Germany Next Topmodel" vor 20 Jahren existiert – ich wäre eine der Allerersten auf dem Bewerber-Laufsteg gewesen. (Vorausgesetzt natürlich, man hätte mich überhaupt raufgelassen.) Model zu sein war viele Jugendjahre lang mein großer Traum. Meine Eltern waren von meinen Mannequin-Ambitionen nicht durch und durch begeistert, haben mich aber in jeder Hinsicht unterstützt.

Sie unterschrieben Einverständniserklärungen. Sie finanzierten einen Foto-Kurs. Sie begleiteten mich zu Castings und Modenschauen. Schließlich zahlte meine Mutter mir sogar die Aufnahme in einen sogenannten "Model-Katalog": Nach stundenlangem Anstehen und innerhalb weniger Minuten wurden drei Fotos von mir geschossen, für die eine Rechnung über knapp 700 Mark folgte. Einen Auftrag habe ich nach diesen überteuerten Aufnahmen nie erhalten. Das einzige Mal, das wir je wieder etwas von der Agentur hörten, war im Rahmen einer Warnung der Verbraucherzentrale.

Wie arbeiten seriöse Modelagenturen?

Eine Gebühr für Aufnahmen zu zahlen ist nichts Unseriöses – nur die Summe war in meinem Fall natürlich absurd. Bei der Hamburger Kindermodel-Agentur "Boys & Girls" zum Beispiel wird die Erstellung einer Sedcard mit 30 Euro berechnet.

"Diesen Beitrag erheben wir für den Aufwand der Fotoauswahl, der Bearbeitung der Fotos und der Datei-Erstellung", erklärt mir die Geschäftsführerin Carolin Kock. Und die Aufnahmen werden nicht nur für die Setcard genutzt: "Die Eltern bekommen nach unserem Shooting eine schöne Auswahl zugeschickt."

Ich überschlage kurz, was ich für die letzten professionellen Bilder meiner Kinder gezahlt habe. Dagegen sind 30 Euro ein Schnäppchen. Laufende Kosten für die Vermittlung fallen bei Boys&Girls nicht an. Es wird lediglich eine Vermittlungsprovision fällig, wenn ein Auftrag zustande gekommen ist.

Was verdient ein Kindermodel?

"In der Regel verdient man ab 250 Euro pro Einsatz", berichtet Carolin Kock. Und ergänzt: "Das variiert natürlich je Produktion und Kunde und wie die Fotos veröffentlicht werden sollen."

Zu den Arbeitszeiten gibt es bei minderjährigen Models strenge Vorgaben: "Kindermodels dürfen maximal 30 Tage im Jahr arbeiten. Kinder ab 3 Jahren dürfen am Tag 2 Stunden arbeiten, Kinder ab 6 Jahren 3 Stunden", erklärt Carolin Kock.

Schulkinder benötigen eine Genehmigung der Schule – wobei es auch Schulen gibt, die ausdrücklich auf Produktionen nach Unterrichtsende verweisen. Zusätzlich bedarf jede Beschäftigung eines Kindermodels einer Ausnahmebewilligung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz.

Hier dulden seriöse Agenturen keine Ausnahmen: "Der Schutz der Kinder steht bei unserer Arbeit im Fokus", sagt Carolin Kock, "daher klären wir die Eltern genauestens über die Zusammenarbeit und die dazugehörigen Behördengänge auf." Ich erinnere mich kurz an mein 700-Mark-Shooting zurück. Von Genehmigungen war dort zu keinem Zeitpunkt die Rede.

Worauf sollten Eltern bei der Auswahl einer Agentur noch achten, möchte ich wissen: "Die Agentur muss einen Internetauftritt haben und Referenzen nachweisen können, am besten anhand von schon stattgefunden Produktionen", erklärt mir Carolin Kock. Auf der Website ihrer Agentur und auch auf Facebook aktualisiert sie regelmäßig neue Referenzprojekte. Von Agenturen, die ohne persönliches Kennenlernen zur Online-Bewerbung aufrufen und so Jobs vermitteln wollen, rät sie ab. Meistens würden hier auch direkt hohe Geldsummen verlangt. Und sie weiß: Wie bei vielen Elternfragen ist es auch bei der Wahl einer Modelagentur so, dass die Empfehlungen anderer Eltern am besten weiterhelfen.

"Oft ist der Austausch zwischen den Eltern, die bereits ihr Kind von einer Agentur vertreten lassen, hilfreich. Die Eltern sowie die Kinder sollten ein gutes Gefühl dabei haben."

Das gute Gefühl soll auch beim Shooting selbst nicht verloren gehen. Bei den kleinen Models manchmal gar nicht so leicht – darauf müssen Agentur und Kunde Rücksicht nehmen: "In der Regel gilt: Die Kinder geben den Tenor an!", erklärt Carolin Kock. "Man kann nicht davon ausgehen, dass Kinder jeden Tag gute Laune haben.

Oftmals ist es tagesformabhängig, wie die Kinder vor der Kamera funktionieren." Dass Shootings wegen Krankheit abgesagt werden, kommt häufiger vor – das ist bei Kindern nunmal so. Bei Babys und Kleinkindern wird das sogar einkalkuliert: "Es gibt immer ein Ersatzkind, welches dann sofort einspringen kann", erklärt Carolin Kock.

Wie wird man Kindermodel?

Die Frage, die Carolin Kock mit am häufigsten gestellt wird, ist die nach dem Start ins Model-Business: "Es ist eigentlich ganz einfach: Man bewirbt sich bei uns per Email mit ein paar Fotos und Angaben zu Größe und Alter. Wir sichten die Bewerbungen und entscheiden im Team, welches Kind in unsere Agentur passt, und ob wir Bedarf in dem Alter beziehungsweise der Größe haben." Im Babyalter ist der Start in die Modewelt natürlich eine Entscheidung der Eltern. "Ab dem Schulalter äußern die Kinder dann meist selber den Wunsch, auch mal in der Werbung zu sein", ist die Erfahrung von Carolin Kock.

Meinen persönlichen Traum vom Leben als Fotomodell habe ich mit Ende der Pubertät ad acta gelegt. So geht es vielen Kindern in der Pubertät: "Im Teenie-Alter, wenn sich die Interessen ändern, wollen einige Teens dann nicht mehr modeln." Manche aber bleiben die gesamte Jugend. So hat die Agentur zu einigen Eltern freundschaftliche, fast familiäre Verhältnisse aufgebaut: "Teils bekommen wir die Entwicklungen von Baby an bis zum Teenager mit", erzählt Carolin Kock. "Es ist schön, die Kinder lachend und richtig aufblühend bei unseren Shootings zu erleben." So entdecken Carolin und ihr Team viele Talente, die sie dann für TV- oder Werbeproduktionen vermitteln.

Unsere Expertin

Carolin Cock von der Agentur "Boys & Girls". Foto: "Boys & Girls"

Carolin Kock ist Geschäftsführende Gesellschafterin bei der Kindermodel-Agentur "Boys & Girls". Die Modelagentur wurde 1994 mit Erlaubnis der Bundesagentur für Arbeit gegründet und ist eine der ersten Modelagenturen, die sich ausschließlich auf Kinder spezialisiert hat. Die Agentur vermittelt "New Faces" und kameraerfahrenen Kindermodels zwischen null und 16 Jahren für Mode, Werbung und TV-Spots. Die Kartei der Modelagentur umfasst rund 1000 Kinder- und Babymodels. "Boys & Girls" ist Mitglied im INCA DV (Interessenverband der Castingagenturen und Darstellervermittlung e. V.).

Fotoshooting mit einem minderjährigen Model. Foto: Getty Images

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