So machst du dein Kind stark Die richtige Erziehungs-Strategie

Eltern möchten, dass ihre Kinder zu selbstbewussten und glücklichen Erwachsenen heranreifen. Aber mit welcher Erziehungs-Strategie gelingt das?

 

Einige meinen noch immer, dass sie ihre Kinder mit Härte behandeln müssten. Aber Härte gegen Kinder ist keine Erziehung, sondern eine Dressur zu verängstigten Ja-Sagern. Andere erziehen gar nicht, was Kinder oft haltlos macht. 

Dann gibt es Eltern, die sich den Wahlspruch „Mein Kind soll eines Tages alle Möglichkeiten haben“ in ihr Familienstammbuch schreiben und ihren Nachwuchs von einem Förderprogramm zum nächsten hetzen. Dabei übersehen sie, dass auch Gras nicht schneller wächst, wenn sie daran ziehen. 

Der Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüther hat bei stark geförderten Kindern sogar ein besonderes Problem erkannt. Viele Kinder sind in den geförderten Bereichen zwar stark, weisen aber Defizite gegenüber Gleichaltrigen bei anderen Fähigkeiten auf.

Jedes Kind bringt eben seinen eigenen Bauplan mit auf diese Welt und ein ordentliches Stück Persönlichkeit dazu. Deshalb fordert der bekannte Elementarpädagoge und Schöpfer vom „Situationsorientierten Ansatz” Armin Krenz nun schon seit Jahrzehnten, Kinder sich im klassischen Sinne des Wortes „entwickeln“ zu lassen und sie dabei zu unterstützen.

 

Dem Kind Sicherheit vermitteln

Fast ebenso lang erforscht Gabriele Haug-Schnabel die Entwicklung und das Verhalten von Kindern. Gemeinsam mit der Erzieherin und Lehrerin für ganzheitliche Entspannungspädagogik, Barbara Schmid-Steinbrunner, stellt sie fest, dass Kinder zwar keine perfekten Eltern brauchen, aber ein gesundes Fundament, auf dem sie ihre Stärken und Fähigkeiten entwickeln können. Kinder brauchen ihre Eltern als Sicherheitsbasis, auf die sie sich verlassen können. Wichtig dabei: sie müssen zugewandt, einfühlsam, wertschätzend und zuverlässig verfügbar sein.

Das Spielerische und Fantasie sind wesentlich, damit sich das Kind spürt

Eltern sollten einen Lebensrahmen vorgeben, der es ihrem Kind möglich macht, sich eigeninitiativ, selbstwirksam und vielseitig kompetent zu erleben, stellen die beiden Expertinnen fest. Denn „ein Kind muss erkunden, spielen und phantasievoll gestalten, um Urheberschaft und Wirksamkeit zu erleben – von Erwachsenen vernünftig geschützt, aber möglichst wenig von ihnen direktiv eingeschränkt.“

Für uns Eltern bedeutet es, dass wir Ansprechpartner, Gefühlsbeantworter, Bewertungsmaßstab, Informationsquelle, Vorbild, Konfliktmanager für unser Kind sind, wie später Erzieherinnen und Lehrer auch. Wir Erwachsenen sollten uns aber nicht als die großen Macher verstehen, sondern mehr als Assistenten auf dem Entwicklungsweg, die ihr Kind individuell ermuntern und ihm dann Unterstützung bieten, wenn es sie braucht. 

Die Etappensiege auf dem Weg zur Selbständigkeit 

„Das Eingehen auf kindliche Fragen und Initiativen ist echte Förderung“, so Haug-Schnabel und Schmid Steinbrunner. Ein Kind muss selbst ausprobieren und gezielt Abfragen. Es muss selbst erleben, dass es mit seinen Handlungen und Ideen Lösungen findet und Einfluss nehmen kann. Das ist jedes Mal ein wichtiger Etappensieg auf dem Weg zur Selbstständigkeit. „Durch die zunehmende Selbstständigkeit und Wissenserweiterung entsteht ein Gefühl von Eigenkompetenz, das in immer neuen Situationen gestärkt und durch neue Erfahrungen erweitert wird“, schreiben die Autorinnen. Wenn du also dein Kind so förderst, förderst du  das Starke. Die Strategien, die Kinder zum Erfahrungserwerb oder besser „zur kindlichen Selbstbildung“ entwickeln, haben die Verhaltensbiologen genau untersucht: Erkunden, Spielen, Nachahmen, phantasievolles Gestalten und Erfinden gehören dazu. Hinzu kommt die kindertypische Begabung, Interesse, Konzentration und Ausdauer auf den Punkt zu bündeln. Besondere Bedeutung kommen dabei der Bewegung und dem Spiel zu. Um sich zu entwickeln und selbst auszuprobieren, müssen sich Kinder möglichst viel bewegen und öfter mal richtig toben. 

 

Eltern müssen ihr Kind vorbehaltlos lieben

Spielen ist wichtig, weil es glücklich macht und die kindlichen Bedürfnisse befriedigt. „Ein Kind kann dabei die Welt kennenlernen – noch wichtiger: Es lernt Zusammenhänge verstehen, seine Beteiligung an den Geschehnissen rundherum und seine Möglichkeiten, gezielt Einfluss zu nehmen. Ganz früh spürt es schon seinen aktiven Part im Leben. Nicht mit ihm geschieht etwas, sondern durch es passiert etwas,“ so die Wissenschaftlerinnen.

Wem das zu wenig erscheint, der sei darauf hingewiesen, dass etwa ein Universalgelehrter wie Leonardo da Vinci durch seine mangelhaften Lateinkenntnisse größtenteils von der klassischen Bildung seiner Zeit ausgeschlossen blieb. Es ihm aber gelang, durch exakte Beobachtung und Erfahrung dieses Defizit mehr als auszugleichen.

Insofern sind Eltern als verlässliche Sicherheitsbasis und aufmunternde Entwicklungsbegleiter gefragt, die wertschätzende Zuwendung, Unterstützung, Geborgenheit und ihren Rat an den Stellen bieten, an denen er auch wirklich gefragt ist.  Am wichtigsten ist dabei jedoch, dass sich ein Kind so akzeptiert fühlt, wie es ist. Und das bedeutet für uns, dass wir es vorbehaltlos und bedingungslos lieben.  

 

Buchtipp

Gabriele Haug-Schnabel/Barbara Schmid-Steinbrunner: "Stark von Anfang an – Kinder auf dem Weg zur Resilienz begleiten", Oberstebrink, Preis 19,90 Euro.

wirEltern.de - Newsletter

Gewinnspiele und deine Themen. Jede Woche neu.