„Bleibt das Baby lange?“ So bereiten Eltern ihr Kind auf Bruder oder Schwester vor

Wenn noch ein Baby kommt, überlegen Eltern, wie sie ihr Erstgeborenes auf den Familienzuwachs vorbereiten und das Familienleben neu ordnen können. Schließlich soll das Geschwisterkind in das Geschehen und Erleben um das Baby einbezogen werden und sich an der Familienerweiterung erfreuen. Fragen wie „Wann geht das Baby wieder?“ oder „Bleibt das Baby lange?“ stellen Eltern dabei vor große Herausforderungen.

Ein Kind zu bekommen, ist eine der wenigen Entscheidungen im Leben, die unwiderruflich sind – auch für die Geschwister. Ebenso unwiderruflich sind die Veränderungen, die das neue Familienmitglied mit sich bringt: Umstrukturierungen stehen bevor, Mauern müssen niedergerissen werden – im Kinderzimmer und in den Köpfen. Der Familienhaushalt bedarf einer Erweiterung um Kinderbettchen, -wagen, -kleider und -spiele. Vielleicht muss ein größeres Auto angeschafft, gar ein Haus gekauft oder eine größere Wohnung angemietet werden. Zunächst aber heißt es, den eingespielten Familientrott und das Familienleben einer neuen Ordnung zu unterziehen.

Entthronung der Erstgeborenen

Angst, Verzweiflung, Wut – wenn ein Kind Bruder oder Schwester bekommt, weiß es oft weder ein noch aus. „Entthronungs-Schock“ nennen das die Psychologen. Besonders Kinder im Alter zwischen einem und vier Jahren leiden oft sehr und reagieren heftig auf die Geburt eines Nachkömmlings. Umso wichtiger ist es, den „Stammhalter“ auf die Familienerweiterung vorzubereiten.

Es ist wichtig, dass Mutter und Vater schon vor der Geburt des Babys mit dem Älteren über die anstehenden Veränderungen sprechen. Wer ungefragt und plötzlich eine Wickelkommode vorfindet, wo bisher Platz für das eigene Tretauto war, wird auf den Familienzuwachs nicht gut zu sprechen sein. Wer dagegen von Anfang an mit einbezogen wird, reagiert offener und wird den Nachkömmling später gerne in seinem Zimmer aufnehmen.

Wenn Kinder im Alter nicht weit auseinander liegen, etwa zwei Jahre, bringt das gemeinsame Zimmer eh Vorteile: Als gesellige Spieloase und aus ökonomischen Gründen – man muss nicht anbauen oder in eine größere Wohnung umziehen. Wenn Kinder mehrere Jahre Altersunterschied trennt, können unterschiedliche Ess- und Schlafgewohnheiten allerdings das Zusammenleben stören. In jedem Fall sollte jedes Kind genügend Spielraum haben. Das Zimmer kann zum Beispiel durch Glasbausteine optisch geteilt werden, denn die Steine sind nicht blick-, aber lichtdurchlässig.

Auch bei noch so guter Vorbereitung gibt es immer wieder Situationen, in denen sich das Erstgeborene „entthront“ und in die zweite Reihe abgeschoben fühlt. Wenn Eltern sich jedoch von den Fragen und Ängsten des Kindes leiten lassen, können sie behutsam erkunden, was es braucht und gezielt auf seine Belange eingehen.

Gemeinsames Erleben

Das ältere Kind erlebt intensiv mit, wie Mamas Bauch immer runder wird. Und es spürt, wie kräftig das Baby strampelt. Sicherlich wird es staunen und fragen: „War ich auch in deinem Bauch?“ und „Wie kommt das Baby da raus?“ oder „Wie ist das Baby da rein gekommen?“ Eine Schwangerschaft ist ein willkommener Anlass, darüber zu sprechen, wo die Babys herkommen. Die manchmal etwas krausen Ansichten eines Kindes über die Geburtsvorgänge stammen aus seinem eigenen Erfahrungsschatz: Ein Ballon, der immer dicker wird, platzt irgendwann - ein dicker Bauch auch? Der Bauchnabel sieht aus wie ein Loch, kommt da vielleicht das Baby heraus? Die Antworten der Eltern sind für das Kind oft fantastischer und unglaubwürdiger als seine eigenen Erklärungsversuche, beruhigen es aber, und sie nehmen ihm Angst.

Genau wie die Aussage, dass man ein Baby erwartet, weil Vater und Mutter eine größere Familie haben möchten. Dem Erstgeborenen zu erzählen, dass ein zweites Kind kommt, damit es einen Spielkameraden hat, würde es dagegen nur enttäuschen. Denn das Neugeborene schläft zunächst meist und spielt noch nicht mit ihm. Eltern können dem Älteren auch Geschichten über seine eigene Geburt und die ersten Monate erzählen. So versteht es, dass es die gleiche Aufmerksamkeit erfahren hat und dass das Baby ihm nicht vorgezogen wird.

Geschwisterkurse und Familienzimmer

Die Geburt des Babys können Geschwisterkinder nah miterleben. Immer mehr Kliniken und Geburtshäuser bieten so genannte Familienzimmer an, in denen Mutter und Neugeborenes die erste Zeit nach der Geburt gemeinsam mit dem Vater und einem weiteren Kind verbringen können. Beim Geburtsvorgang selbst dürfen Kinder allerdings nicht dabei sein. Sie müssen von einem Verwandten oder Bekannten der Familie betreut werden – am besten sucht man die Person mit dem Kind gemeinsam aus. Immer häufiger bieten Kranken- und Geburtshäuser auch im Vorfeld Geschwisterkurse an. Sie bereiten die Kinder spielerisch auf ihre neue Rolle als großer Bruder oder große Schwester vor und erläutern ihnen den Vorgang der Geburt erläutern oder zeigen das richtige Tragen des Geschwisterchens.

Ebenso gibt es spezielle Vorbereitungskurse für Zweitgebärende, in denen Mütter lernen, Zeit für beide Kinder zu finden und die neue Situation mit Ruhe anzugehen. „Ich muss jetzt erst das Baby versorgen, aber ich freue mich, wenn du dabei bist.“ Eine solche Aussage erleichtert es den Älteren zu akzeptieren, dass Mama ihnen gerade nicht die komplette Aufmerksamkeit schenkt. Ebenso wichtig ist jedoch, dass auch die Älteren Mama und Papa immer wieder ganz für sich alleine haben. Und bewundert werden für das, was sie dem Familienzuwachs voraushaben. Es müssen quasi alle Mitglieder als "neue Familie" zusammenfinden und sich dafür genügend Zeit geben. Doch soviel Zeit muss und wird sein! Schließlich bleibt das Baby lange!

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