Erziehung Geschwister gerecht behandeln

Geschwisterliebe ist etwas Besonderes. Geschwister können sich alles sagen, sie können streiten wie die Kesselflicker und kurze Zeit später sind sie wieder Verbündete.

Was besonders dazu beiträgt, dass sich Kinder vertragen und auch später im Leben noch gut verstehen, ist gerechte Behandlung durch die Eltern. Doch funktioniert das wirklich? Und was ist das überhaupt, Gerechtigkeit? Recht und Ordnung jetzt also auch im Kinderzimmer,  oder was?

Gerechtigkeit ist wohl das größte Ziel der meisten Menschen. Dabei bedeutet Gerechtigkeit nicht immer auch "gleich". Das gilt nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch innerhalb einer Familie. Hier kommt es besonders darauf an, jedes Geschwisterkind seinen Bedürfnissen entsprechend gleichermaßen zu respektieren, zu fordern und zu fördern.

Alle Kinder gleich behandeln - Geht das?

Wie soll man das auch machen, alle Kinder gleich behandeln. Kleine Kinder gehen zum Babyschwimmen, große ins Kino. Zwölfjährige dürfen länger aufbleiben als Sechsjährige, Lesebegeisterte bekommen häufiger Bücher, Bastelfans Papier und Kleber als Geschenk.

Hinzu kommt, das, was wir alle nur zu gut kennen: Jedes Kind auf der Welt hat wohl schon mindestens einmal geklagt, das Geschwisterchen würde mehr Süßigkeiten, Freiheit, Liebe, das größere Zimmer oder die cooleren Schuhe bekommen. Das ist ganz natürlich und lässt sich auch nicht ganz vermeiden.

Mann kann diesen kleinen "Anschuldigungen des Alltags" jedoch entgegenwirken, indem man aufmerksam bleibt und seinen Kindern Fragen stellt. "Möchtest Du auch noch ein Gummibärchen?" oder "Meinst du, du schaffst heute auch noch eine zweite Portion?" Oft genügt schon ein Satz, um wieder die volle Aufmerksamkeit der lieben Kleinen zu haben.

Das kindliche Bedürfnis nach Gerechtigkeit

Steht Sohnemann man wieder ganz nervös neben dir während du seiner großen Schwester mit den Hausaufgaben hilfst? Versichere ihm am besten direkt, dass du dich sofort im Anschluss auch seinem Anliegen widmen wirst. 

Kinder haben ein sehr starkes Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Mitunter können sie dabei ganz schön fordernd sein. Gleichbehandlung von Anfang an, kann Situationen, in denen sie sich ungerecht behandelt fühlen, entgegenwirken.

Die Angst, dass Papa den Bruder viel lieber mag, weil er zweimal in Folge mit ihm auf dem Fußballplatz war, oder die Schwester mehr Geschenke bekommen könnte, kann zwar nicht komplett verhindert werden, aber sie lässt sich eindämmen. Dabei sollte man jedoch auf keinen Fall übertreiben. Man sollte dem Typus seiner Kindern immer noch entsprechen. Der Umgang mit den eigenen Geschwistern wird auch nicht leichter, wenn die Eltern permanent mit dem Thema Gerechtigkeit beschäftigt sind.

Ältere Geschwister

Schlussendlich sollen die Kids ja auch auf das Leben in einer Gemeinschaft vorbereitet werden. In der Schule bekommt man schließlich auch nicht immer einen Ausgleich, wenn ein anderes Kind mal einen Vorteil hat. Im Laufe der Zeit lernen ältere Geschwister, dass ihre jüngeren Geschwister andere Bedürfnisse haben und sind seltener eifersüchtig. Wenn das Baby auf den Arm genommen wird, empfinden sie es nicht mehr als Ungerechtigkeit.

Wichtig ist vor allem, dass man Anschuldigungen wie "Der hat aber mehr als ich!" nicht mit Rechtfertigungen begegnet, jedem Kind genau so viel gibt, wie es braucht und die Zeit, die man für gemeinsame Aktivitäten hat, nach Bedarf einteilt.

Wie Platon schon sagte: "Gerechtigkeit wird nur dort herrschen, wo sich die vom Unrecht nicht Betroffenen genauso entrüsten, wie die Beleidigten."

Andere Kinder haben immer mehr,  der Vater beschäftigt sich immer häufiger mit den anderen und die Weihnachtsgeschenke der Geschwister werden immer besser sein. Das Thema wird in so gut wie jeder Familie wieder und wieder bearbeitet. Der sensible Umgang damit vermeidet Streitigkeiten und bereitet die lieben Kleinen auf den sozialen Umgang mit anderem in ihrem späteren Leben vor.

Anton ist sauer. Greta darf beim Backen viel mehr machen, als er. Foto: Getty Images

Was tun, wenn ich gefragt werde, wen ich lieber habe?

Eine Kinderfrage, der sich die meisten Eltern eines Tages stellen müssen ist "Wen hast du eigentlich lieber?". Die Antwort, die einem darauf als erstes einfällt, "Ich habe euch alle (beide) genauso lieb!", liegt auf der Hand, wird von Erziehern aber nicht unbedingt empfohlen. Auch "Ich habe dich genauso lieb, wie deine Geschwister!", bringt Kinder eher noch mehr auf, als sie zu beruhigen. Die Profis raten heute vielmehr dazu, die Liebe zu betonen. "Du bist für mich einzigartig. Niemand kann dich ersetzen." oder "Du bist so schön neugierig, deshalb liebe ich dich besonders!" klingt doch auch viel besser, oder?

Dabei sollte man am besten gut in sich hinein hören und ehrlich zu sich selbst sein. Alle Eltern stehen phasenweise dem ein oder anderen Kind etwas näher. Sei es das jüngste, das im Moment noch besonders viel Aufmerksamkeit braucht, oder das älteste, das dich mit seiner Kreativität ansteckt: Das ist völlig in Ordnung. Achte nur auf jeden Fall darauf, es nicht in die Erziehung mit einfließen zu lassen.

Wenn sich ein neues Geschwisterchen ankündigt, ist es wichtig, den Nachwuchs schon frühzeitig mit einzubeziehen und vorzubereiten. Wer schon mit dem ersten Ultraschallbild damit anfängt, Fragen zu beantworten und den Nachwuchs den Neuankömmling gebührend begrüßen lässt, wirkt Eifersucht entgegen. Das kann das Familienleben ganz ungemein erleichtern. 

"Mama! Marvin hatte den Roller heute viel länger, als ich!". Foto: Getty Images

Autorin: Anne Reis

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