Ab wann, wie viel, wofür Taschengeld

Geld ist ein sensibles Thema – aber mit Offenheit und ein paar Regeln lernen die Kleinen, verantwortungsvoll damit umzugehen.

 

Ein Comic-Heft, Gummibärchen oder doch lieber Fußballbilder? Der fünfjährige Tom ist unschlüssig, wofür er sein erstes Taschengeld ausgeben soll. Und: Tom ist mächtig stolz, dass er sich endlich selbstständig kleine Wünsche erfüllen kann.

Kinder lieben es, ihr eigenes Geld unter die Leute zu bringen. Ob die ersten Investitionen immer sinnvoll sind, darüber lässt sich streiten. Wichtig ist nur: Kinder brauchen Taschengeld, um eigene Kaufentscheidungen zu treffen. Denn nur wer Geld zur freien Verfügung hat, lernt auch, verantwortungsvoll damit umzugehen. 

 

Wie viel Taschengeld ist angemessen?

Viele Eltern sind unsicher, wann der richtige Zeitpunkt ist, um dem Nachwuchs die ersten Münzen anzuvertrauen. Experten raten etwas, was irgendwie erst einmal banal klingt: Wenn Jungen und Mädchen etwas mit „Geld“ anfangen können, sei der richtige Zeitpunkt. Also mit etwa fünf Jahren. Die Einschulung gilt richtig für eine regelmäßige Zahlung – schließlich lernen die Schüler im Unterricht mit Geldbeträgen zu rechnen. Die aktuelle Taschengeldtabelle beruht auf Empfehlungen der Jugendämter und bietet Vätern und Müttern Orientierung, welcher Betrag angemessen ist. 

So empfiehlt sie für Vier- bis Fünfjährige 50 Cent bis 1,50 Euro pro Woche; für Zehnjährige 15 bis 17,50 Euro im Monat. Der Betrag steigt pro Lebensjahr kontinuierlich an. Bei jüngeren Kindern bietet es sich an, das Taschengeld wöchentlich auszuzahlen, weil sie zeitliche Rahmen noch nicht überblicken können. Ab zehn Jahren erhalten sie ihr Geld bestenfalls monatlich – später vielleicht sogar auf einem eigenen Girokonto.

Natürlich hängt es auch von der finanziellen Situation der Eltern ab, wie hoch das Taschengeld ausfällt. Wichtig ist, dass es einen festen Taschengeld-Tag gibt, damit das Kind sich auf die Zahlung verlassen kann. Wenn’s ums Taschengeld geht, ist Transparenz unabdingbar: Der Sohn oder die Tochter sollten wissen, warum sich die Eltern für die ausgezahlte Summe entschieden haben. Schließlich: Auch zu viel Taschengeld kann ein Kind zum Außenseiter machen. Hilfreich ist, wenn sich Väter und Mütter mit anderen Eltern aus dem Freundeskreis zum Thema „Finanzstärke ihrer Sprösslinge“ austauschen.

 

Wofür darf das Taschengeld ausgegeben werden?

Das Kind darf entscheiden, was es damit kaufen möchte. Taschengeld dient allein der Erfüllung eigener Wünsche!  Eltern können den Einkauf kommentieren – aber bitte wertfrei! Die eine oder andere Einschränkung ist jedoch erlaubt: Wer Süßigkeiten normalerweise nur in Maßen naschen darf, darf auch die selbst gekauften Gummibärchen nicht alle auf einmal verputzen. Anschaffungen wie Kleidung oder Schulutensilien bleiben übrigens Sache des elterlichen Geldbeutels. Und, da sind sich Experten weitgehend einig: Eine Kürzung des Taschengeldes ist kein geeignetes Mittel, ein Fehlverhalten des Sprösslings zu bestrafen

 

Clever mit dem Geld haushalten

Klar, manche Kinder neigen dazu, ihr Taschengeld auf einen Schlag auszugeben. Dies sollte für Eltern jedoch kein Anlass sein, das Portemonnaie des Kindes stillschweigend immer wieder aufzufüllen oder es für sein großzügiges Finanzgebaren zu kritisieren. Vielmehr sind in solchen Situationen Offenheit und Kommunikationsbereitschaft gefragt. Was bedeutet mir Geld? Wie lässt sich der ein oder andere Cent vielleicht sparen? Und wie geht man mit der Erkenntnis um, dass man sich nicht jeden Wunsch leisten kann? Darüber sollten Eltern und Kinder im ständigen Dialog bleiben. Tom hat sein erstes Taschengeld übrigens in ein Comic-Heft investiert. Batman war stärker als die Gummibärchen.

 

"Wenn Kinder zuviel bekommen, werden sie faul"

Zu unserer Expertin Dr. Kirsten Oleimeulen kommen immer öfter Eltern in die Sprechstunde, die am Nichtstun, dem Gelangweiltsein  oder einer lateneten Antriebslosigkeit ihrer Kinder verzweifeln. „Ein üppiges Taschengeld, ein Handy und schicke Kleidung: Kinder bekommen heute alles einfach so. Sie müssen sich immer seltener ‚etwas verdienen’“, stellt die Entwicklungsexpertin fest. 

Um die Kids zu motivieren, ein Ziel zu verfolgen, empfiehlt die Expertin den Eltern, den Kindern alles einmal zu entziehen, was ihnen selbst nicht gehört . Dann sollten sie anschließend eine Liste aufstellen, für welche Aktivität die Kinder sich was verdienen können, beispielsweise einmal pro Woche das Zimmer aufzuräumen – bringt zwei Euro Taschengeld pro Woche. „Der Fleiß der Kinder erhöht sich dadurch enorm. Das miesepetrige und genervte Erinnern der Eltern entfällt und verbessert das Familienklima“, sagt die Familientherapeutin. 

 

Unsere Expertin

Dr. Kirsten Oleimeulen, Psychologin und Familientherapeutin 

wirEltern.de - Newsletter

Gewinnspiele und deine Themen. Jede Woche neu.