"Mitempfindende Sprache" Mit Kindern richtig kommunizieren

Wie du im Umgang mit Kindern den richtigen Ton findest. Adele Faber und Elaine Mazlish haben die Methode der „mitempfindenden Sprache“ entwickelt, die heute weltweit in knapp 40.000 Elterngruppen genutzt wird.

 

Kommunikation ist ein Kunststück. Konfuzius schrieb dazu: „Die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden.“ Spätestens wenn wir unsere Kinder darum bitten, den Tisch nach dem Abendessen abzuräumen, glauben wir, eben in der Muttersprache des weisen Chinesen mit ihnen gesprochen zu haben.

Schauen wir uns ein alltägliches Kind-Eltern-Gespräch an, wird klar, was oft schiefläuft. Wenn Luca wutschnaubend brüllt, er wolle seinem Freund eine reinhauen, weil der sein Schulheft in den Dreck geworfen habe, möchten wir Eltern der Sache erst mal auf den Grund gehen. Wir stellen Fragen, in denen oft Kritik steckt: „Was ist passiert? Hast du ihm zuerst was getan?“ Wir geben Ratschläge: „Vergiss es. Tobias ist dein Freund.“

Ein solches Gespräch muss danebengehen. Für Adele Faber und Elaine Mazlish ist das ein typischer Fall, wie sie ihn seit vielen Jahren von oft verzweifelten Eltern hören. Als junge Mütter standen beide in einer ähnlichen Situation. „Ich war eine wunderbare Mutter, bevor ich Kinder bekam“, berichtet Elaine. „Dann hatte ich drei. Jeder Tag schien nur die Variation des vorherigen zu sein. ,Du hast den anderen mehr gegeben als mir’. ,Er hat mich gehauen’ oder ,Das Müsli sieht wie Kotze aus’.“ Irgendwann konnte Elaine es nicht mehr hören. Sie ging in eine Elterngruppe und lernte, ihre Kinder darin zu unterstützen, sich gut zu fühlen.

Kinder brauchen Mitgefühl und Aufmerksamkeit

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Das gelingt vor allem, wenn wir die Gefühle unserer Kinder akzeptieren. Die meisten Eltern meinen, das zu können. Hören wir aber genau zu, kennen fast alle Bemerkungen wie „Du kannst nicht müde sein, du hast eben geschlafen“. „Es gibt keinen Grund, so aufgeregt zu sein“. „Es ist nicht warm. Lass deine Jacke an“. Auf diesem Weg leugnen wir nicht nur die Gefühle der Kinder, wir versuchen sie sogar davon zu überzeugen, dass ihre eigene Wahrnehmung falsch ist. „Wer klug ist, wird im Gespräch weniger an das denken, worüber er spricht, als an den, mit dem er spricht“, schrieb der Philosoph Arthur Schopenhauer vor weit über 100 Jahren. Und das sollte besonders für die Gespräche mit unseren Kindern gelten. Eltern sind die wichtigsten Erwachsenen im Leben der Kinder. Was nun, wenn sich ein Kind müde, verärgert, verängstigt oder gelangweilt fühlt? Es will, dass ihm sein wichtigster Mensch richtig zuhört, seinen Schmerz erkennt und die Möglichkeit gibt, über das zu reden, was es bewegt.

Elaine und Adele haben das Prinzip der „mitempfindenden Sprache“ über 30 Jahre lang weiterentwickelt. Dass es gar nicht so einfach ist, einem kindlichen Gefühlsausbruch zuzuhören und einen Namen zu geben, wissen die beiden nur zu gut. Es braucht Übung.

 

Eltern sollen zuhören und akzeptieren

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Der achtjährige Luca, der sich so über seinen Freund ärgert, braucht keine Ratschläge. Er braucht jemanden, der ihm hilft, seine Gefühle einzuordnen. Ein „Junge, bist du wütend“, hilft ihm viel weiter als Fragen oder Ratschläge. Schließlich muss er selbst einen Weg für sich finden. Hier ein paar Anregungen für respektierendes Verhalten:

  • Höre ruhig und aufmerksam zu.
  • Du kannst mit einem Wort Verständnis für die Gefühle deiner Kinder zeigen: „Oh“, „Mmm“ oder „Ich verstehe“.
  • Du Kannst dem Gefühl einen Namen geben: „Das klingt frustrierend!“
  • Du kannst den Wünschen deines Kindes in der Fantasie nachgeben: „Ich wünschte, ich könnte dir das geben.“

 

 

Verständigen, ohne zu verurteilen

Jetzt wirst du vielleicht sagen: „Schön, wenn ich nun meine Kinder verstehe. Aber wie verstehen meine Kinder mich?“ Schließlich räumt bei uns zu Hause auch nicht der kleine Bruder von Konfuzius den Tisch ab.
Die Methoden, um unsere Kinder kooperativ zu stimmen, sind vielfältig. Viele Eltern meckern und klagen an: „Was ist los mit dir? Kannst du nie was richtig machen?“ Andere beschimpfen: „Schau nur, wie du isst! Das ist ja ekelhaft!“ Manch einer versucht es mit Drohungen: „Bist du nun endlich angezogen? Ich gehe gleich ohne dich!“ oder mit Befehlen: „Ich will, dass du sofort dein Zimmer aufräumst!“ Beliebt sind auch Belehren und Moralisieren: „Du musst das verstehen. Wenn wir von den Leuten erwarten, dass sie zu uns höflich sind, müssen wir auch zu ihnen höflich sein!“ Ebenfalls gang und gäbe sind Warnungen: „Zieh deine Jacke an, sonst wirst du dich erkälten!“, Märtyrer-Aussagen: „Schau nur meine grauen Haare. Alles wegen dir. Du bringst mich noch ins Grab!“ sowie Vergleiche: „Warum kannst du nicht so fleißig sein wie deine Schwester?“ und Prophezeiungen: „So wird nie etwas aus dir!“ „... und aus unserem Gespräch wohl auch nicht“, möchte man ergänzen. Diese Bemerkungen sind nur dazu da, Kindern schlechte Gefühle zu vermitteln.

 

Fünf Fähigkeiten für eine gelingende Kommunikation

Adele Faber und Elaine Mazlish vermitteln fünf Fähigkeiten, die ihnen und den Eltern in ihren Workshops geholfen haben. Dazu erklären sie: „Nicht jede Methode wird auch bei jedem Kind funktionieren. Diese fünf Fähigkeiten schaffen jedoch ein Klima des Respekts, in dem der Geist der Kooperation gedeihen kann.“

  1. Beschreibe, was du siehst oder beschreibe das Problem – das ist für die Kinder leichter zu akzeptieren: „Mia, das Wasser in der Wanne geht bis zum Rand.“ „Ich sehe, dass dein Hund dauernd vor der Tür auf und ab läuft.“ „Das Licht im Bad brennt noch.“
  2. Gib Informationen, denn sie sind leichter anzunehmen als Anklagen: „Die Milch wird sauer, wenn ihr sie nicht in den Kühlschrank stellt.“ „Es wäre mir eine große Hilfe, wenn du den Abendbrottisch abdecken würdest.“
  3. Weniger ist oft mehr, denn Kinder hassen lange Belehrungen und Erklärungen. Je kürzer eine Ermahnung ausfällt, desto besser wirkt sie. Sagen Sie es mit einem Wort: „Kinder, in die Schlafanzüge.“ „Anna, dein Mittagessen.“
  4. Rede über deine Gefühle. Kinder haben ein Recht darauf, die Gefühle ihrer Eltern zu erfahren. Beschreiben wir unsere Gefühle, dann können wir ehrlich sein, ohne zu verletzen: „Ich mag nicht, wenn du mich am Ärmel ziehst.“ „Es stört mich, wenn die Terrassentür offen steht. Ich möchte keine Fliegen in der Küche und im Essen haben.“
  5. Schreibe eine Nachricht: „Hilfe, Haare in meinem Abfluss bereiten mir Verdruss. Dein verstopftes Waschbecken.“ „Lieber Leon, ich weiß, du bist mit Sport und Hausaufgaben beschäftigt, aber die Zeitungen müssen in den Papiercontainer. Danke. Papa.“

Hier hast du nun fünf Fähigkeiten, um die Zusammenarbeit mit deinen Kindern zu unterstützen, ohne schlechte Gefühle aufkommen zu lassen. Aller Anfang ist schwer. Adele Faber und Elaine Mazlish haben festgestellt, dass diese Fähigkeiten umso besser funktionieren, je authentischer sie geäußert werden. Die Übung macht also den Meister. Spiele die Situationen gedanklich durch, probiere deine Fähigkeiten an fiktiven Kindern aus. Es lohnt sich.

 

Toll? Nicht immer! Loben will gelernt sein

Lob muss glaubwürdig sein, damit Kinder es ernst nehmen. Die üblichen, dahingesagten  Lobesphrasen („Ganz toll“) sagen nichts über die Leistung aus. Zeige deinem Kind, dass du dich wirklich mit seinem Verhalten befasst. Das stärkt sein Selbstbewusstsein.

  • Beschreibe, was du siehst: „Ich sehe einen sauberen Boden, eine volle Spielzeugkiste und ein Regal voller Bücher.“
  • Beschreibe, was du fühlst: „Es ist ein Vergnügen, in dieses Zimmer zu kommen.“
  • Fasse das lobenswerte Verhalten mit einem Begriff zusammen: „Das nenne ich Organisation"   

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