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Schmerzen beim Pipi-Machen

Blasenentzündung bei Kindern

Blasenentzündung bei Kindern gehört zu den häufigsten bakteriellen Infektionen. Wir zeigen, wie man Harnwegsinfektionen erkennen, behandeln und vorbeugen kann.

"Blasenentzündungen entstehen durch die Besiedlung der Harnwege mit Bakterien wie u. a. Escherichia coli, die sich im Darm befinden. Auch die Intimhygiene kann deshalb einen wichtigen Beitrag zur Prophylaxe leisten“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Vor allem Mädchen sind aufgrund ihres im Vergleich zu Jungen sechsmal kürzeren Harnwegs gefährdet. Zudem können Darmkeime im warmen und feuchten Milieu des weiblichen Geschlechtsorgans besser überleben und sich vermehren. Bis zum Schulalter erleiden etwa sieben Prozent aller Mädchen und etwa zwei Prozent aller Jungen mindestens eine Harnwegsinfektion. Im Säuglingsalter sind Jungen häufiger betroffen. Ab dem Alter von etwa einem Jahr leiden fast nur noch Mädchen unter Blasenentzündungen (Zystitis).

Blasenentzündung beim Baby

"Bei Babys ist eine rasche Antibiotika-Therapie wichtig, um eine Schädigung des Nierengewebes zu verhindern, denn aus einer Blasenentzündung kann sich unbemerkt eine Nierenbeckenentzündung entwickeln. Kennzeichen von Harnwegsinfekten ist bei ihnen oft nur Fieber“, warnt Dr. Fegeler. Bei Säuglingen mit "unklarem Fieber" ist in vier bis sieben Prozent der Fälle eine Harnwegsinfektion die Ursache. Neben der Beseitigung von Beschwerden und Krankheitssymptomen ist das grundsätzliche Ziel jeder Therapie die Vermeidung von Schäden des Nierengewebes.

"Aufsteigende Keime einer Harnwegsinfektion können vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern aufgrund der Unreife der kindlichen Niere zu einer Entzündung des Nierenbeckens führen, Nierengewebe schädigen und längerfristig die Funktion der Nieren beeinträchtigen. Blasenentzündungen bei Kindern sollten deshalb so früh wie möglich vom Arzt behandelt werden. Um eine weitere Ausbreitung von Bakterien zu verhindern, muss das Kind in der Regel Antibiotika einnehmen. Ist eine angeborene Fehlbildung der Harnwege die Ursache (da sich z. B. der Harn staut bzw. zurückfließt), kann ein operativer Eingriff möglicherweise immer wiederkehrende Infektionen verhindern“, erklärt Dr. Thomas Fendel, Kinder- und Jugendarzt in München.

Was tun bei Blasenentzündung?

Eltern sollten ihrem Kind reichlich Flüssigkeit anbieten, damit die Harnwege gut 'ausgespült' werden (z. B. stilles Mineralwasser oder ungesüßter Tee). Beim gestillten Säugling reicht Muttermilch. Harntreibende Tees eignen sich nur für Kinder ab dem Schulalter, da sie die Blase zur sehr reizen können. Warme Bäder lindern die Schmerzen, wirken entkrampfend und erleichtern das Wasserlassen.

Wenn der Weg zum Arzt unumgänglich wird, ist es ratsam, schon zu Hause ein wenig Urin in einem sauberen Gefäß aufzufangen und mitzunehmen, damit es in der Praxis auf Bakterien untersucht werden kann. So kann man im besten Fall die Wartezeit beim Kinderarzt verkürzen. 

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Symptome einer Blasenentzündung

Kinder leiden bei einer Blasenentzündung unter starkem Harndrang, müssen häufiger Wasser lassen und können sich auch unbeabsichtigt, insbesondere in der Nacht, einnässen. Meist brennt es, wenn sie urinieren. "Bei Babys können Berührungsempfindlichkeit, eine 'graue Hautfarbe' und unklares Fieber Hinweise auf einen Harnwegsinfekt sein. Wenn das Kind fiebert, schreit und nichts mehr trinken will oder wenn es keinen Urin mehr ausscheidet, sollten Eltern sofort den Notarzt rufen", warnt Dr. Fendel.

Blasenentzündung vorbeugen

"Das A und O, um einer Harnwegsinfektion vorzubeugen, ist der möglichst entspannte Toilettengang alle zwei bis drei Stunden. Hauptursache für Blasenentzündungen bei Kindern ist nämlich, dass sie eben nicht regelmäßig und in Ruhe aufs WC gehen", erklärt Dr. Thomas Henne, Oberarzt der Abteilung für Nephrologie am Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg.

"Harnwegsinfekte lassen sich durch ausreichendes Trinken und Wärme (insbesondere Füße und Unterbauch) vorbeugen", ergänzt Dr. Fendel. "Kinder sollten nicht auf einer feuchten oder kalten Fläche sitzen, schon gar nicht in nasser Badebekleidung. Vor allem Mädchen sind aufgrund der kürzeren Harnwege gefährdet. Nach dem Toilettengang sollten Mädchen sich von vorne nach hinten – von der Harnröhre zum Darmausgang hin – säubern. Bei Jungen reicht das Reinigen des Penis mit klarem Wasser."

Hausmittel bei Blasenentzündung

Cranberrys werden häufig als pflanzliches Heilmittel bei Blasenentzündungen empfohlen. "Bei akuter Blasenentzündung helfen sie nicht", so Dr. Henne. "Ausreichend zu trinken, ist jedoch grundsätzlich wichtig, wenn es den Nachwuchs erwischt hat – und zwar einen bis 1,5 Liter am Tag. Zudem sollten Kinder regelmäßig die Blase entleeren, lieber einmal mehr als zu wenig. Der vorbeugende Effekt von Cranberrys bei Blasenentzündung ist wenn überhaupt gering. In Einzelfällen können die Beeren mal helfen, allerdings schaffen es die Kinder in der Regel sowieso nicht, die nötige Dosis zu sich zu nehmen."

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