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Sexuelle Gesundheit

Die Angst vorm ersten Mal – beim Frauenarzt

Schon der Gedanke an den ersten Frauenarztbesuch macht vielen Mädchen Angst. Bin ich da ganz nackt? Tut die Untersuchung weh? Und: Erfahren meine Eltern davon?

Mädchen gehen früh zum Frauenarzt

Wenn ihre Töchter zum ersten Mal verliebt sind, gibt es für viele Mütter eine logische Gedankenkette: Händchenhalten, Rumknutschen – "Jetzt aber flugs zum Frauenarzt!" Auch die Mutter von Lisa* wollte sie vor einem Jahr schon einmal zur Ärztin schicken. "Ich wollte damals aber auf gar keinen Fall. Ich habe mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt", erinnert sich die 16-Jährige. Vor ein paar Wochen hat die Gymnasiastin nun selbst entschieden, zu einer Ärztin zu gehen und sich die Pille verschreiben zu lassen. Sie hat jetzt einen festen Freund, und nur auf Kondome will sie sich nicht verlassen. 

"Etwa die Hälfte der Mädchen kommt von sich aus, die andere Hälfte wird von der Mutter geschickt", sagt die Gynäkologin Dr. Stephanie Eder aus Gräfelfing bei München. Einen festen Zeitpunkt, wann Mädchen das erste Mal zum Frauenarzt gehen sollten, gibt es nicht. Einige kommen, weil sie Beschwerden haben, etwa Probleme bei der Menstruation, Entzündungen oder Juckreiz. Bei anderen ist der Grund der Beginn der sexuellen Aktivität. Einer Umfrage zufolge waren 81 Prozent der Mädchen im Alter von 16 Jahren schon einmal beim Frauenarzt. Bei Mädchen mit Migrationshintergrund waren es im gleichen Alter 70 Prozent, heißt es in der Studie "Jugendsexualität", die im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durchgeführt wurde.

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Die Angst, sich zu entblößen

Viele Praxen bieten inzwischen spezielle Sprechstunden für junge Patientinnen an, so auch Stephanie Eder. Einmal im Monat können Mädchen mit oder ohne Termin zu ihr kommen und ihre Fragen rund um den Körper, die Menstruation, Sexualität und Verhütung stellen. "Die Teenagersprechstunde ist ein offenes, niederschwelliges Angebot zum Kennenlernen und Quatschen. Da kann man Fragen stellen, die man früher vielleicht an Dr. Sommer geschickt hätte", so die 48-jährige Mutter von drei Kindern.

Auch wenn Lisa von sich aus zum Frauenarzt gehen wollte, aufgeregt war sie trotzdem: "Ich war im Wartezimmer ganz hibbelig." Zur Unterstützung nahm sie zwei Freundinnen mit. "Ich habe mir vorher überlegt, was ich zur Pille so alles wissen möchte, und die Ärztin und ich haben einfach geredet." Untersuchen lassen musste sie sich nicht. Tatsächlich findet beim ersten Besuch meist nur ein Gespräch statt, erklärt auch die Kinder- und Jugendgynäkologin Dr. Patricia Oppelt von der Frauenklinik in Erlangen. "Es gibt ein ausführliches Gespräch über den Zyklus, über mögliche Beschwerden, bei hormoneller Verhütung auch über die Frage nach Familienerkrankungen wie Thrombose oder Herzerkrankungen."

Die Untersuchung auf dem gynäkologischen Stuhl erwartet Lisa erst beim nächsten Termin. "Die Vorstellung, sich vor jemandem zu entblößen, ist schon sehr komisch, aber wahrscheinlich gewöhnt man sich daran." Die stellvertretende Oberärztin Oppelt versucht den jungen Frauen die Angst zu nehmen: "Wenn es um Verhütungsmittel geht und es sonst keine Probleme gibt, muss man beim ersten Besuch nicht auf den gefürchteten Stuhl, obwohl der Ruf dieses Stuhles sicherlich schlechter ist als verdient."

Diese Maßnahmen werden durchgeführt

Für viele Mädchen ist es beruhigend zu wissen, dass sie bei der Untersuchung nie komplett nackt sind. Manche Ärzte beginnen erst einmal mit der Untersuchung der Brust und tasten sie nach Knoten ab. Dann kann man sich wieder ein T-Shirt anziehen. Für die Untersuchung im Intimbereich müssen Frauen dann ihren Slip ausziehen und sich auf den gynäkologischen Stuhl setzen. Stephanie Eder rät: "Einen Rock oder ein langes T-Shirt anziehen, dann fühlt man sich nicht so nackt."

Ist ein Mädchen noch Jungfrau, findet die weitere Untersuchung in der Regel nur äußerlich statt. Dabei tastet die Frauenärztin über die Bauchdecke die Eierstöcke und die Gebärmutter ab. Außerdem untersucht sie die Vulva von außen, zum Beispiel auf Entzündungen oder Hautveränderungen.

Hat ein Mädchen bereits Geschlechtsverkehr gehabt, wird zudem unter Umständen ein Krebsvorsorgeabstrich (auch PAP-Abstrich genannt) entnommen, um mögliche Krebsvorstufen zu entdecken. Dafür kommt ein sogenanntes Spekulum zum Einsatz: Dieses Untersuchungsinstrument ist aus Metall oder Plastik und sieht ein bisschen aus wie ein Entenschnabel. Es wird in die Vagina eingeführt, damit die Oberfläche des Muttermunds betrachtet und der Abstrich gemacht werden kann. Mit einem Wattestäbchen oder kleinen Bürstchen wird dabei vorsichtig am Muttermund und im Gebärmutterhals entlang gestrichen. Die so gewonnene Gewebeprobe wird im Labor untersucht. Damit das Einführen des Spekulums nicht so unangenehm ist, legen viele Gynäkologen das Gerät vorher in einen Wärmeschrank und bestreichen es mit einem Gleitgel. Bei der abschließenden Tastuntersuchung führt die Ärztin dann einen oder zwei Finger in die Scheide ein und tastet mit der anderen Hand durch die Bauchdecke die Eierstöcke und die Gebärmutter genauer ab.

Wohlfühlen ist sehr wichtig

"Eine gynäkologische Untersuchung kann schon mal kurz unangenehm sein, aber sie sollte nicht weh tun, vor allem, wenn man als Ärztin behutsam vorgeht und sich die Patientin wohlfühlt", sagt Eder. Schon bald wird der Besuch dann zur Routine. Frauen sollen einmal im Jahr zum Frauenarzt gehen, bei Beschwerden natürlich öfter. Bei Mädchen, die die Pille nehmen, empfiehlt der Berufsverband der Frauenärzte zweimal im Jahr eine Untersuchung. Die Frage, ob Ärztin oder Arzt kann jede Patientin für sich selbst entscheiden. Lisa: "Mir persönlich ist eine Frau zumindest jetzt am Anfang lieber, aber ich denke, die sind alle professionell, egal ob Mann oder Frau."

*Name von der Redaktion geändert

Kurzinterview

Erfahren meine Eltern davon?

"Nicht alle jungen Frauen möchten, dass ihre Eltern von dem Besuch beim Frauenarzt erfahren. Ob der Besuch geheim bleiben kann, hängt im Wesentlichen von der sogenannten Einwilligungsfähigkeit und nicht nur vom Alter der Patientinnen ab", erklärt die Gynäkologin Dr. Stephanie Eder.

Können Mädchen zu Ihnen kommen, ohne dass die Eltern davon erfahren?

Dr. Eder: "Wie für jeden anderen Arzt gilt auch für uns Frauenärzte prinzipiell die ärztliche Schweigepflicht – auch für Minderjährige. Ob der Besuch beim Frauenarzt aber geheim bleiben kann, hängt vor allem von der sogenannten Einwilligungsfähigkeit und nicht nur vom Alter der Patientin ab. Das bedeutet: Ich muss mit dem Mädchen sprechen, schauen, ob sie reif genug ist und ob sie meinen Erklärungen folgen kann. Wenn zum Beispiel eine 16-Jährige zu mir kommt und sagt, sie möchte die Pille, dann bekommt sie natürlich die Pille, wenn sie sich "reif" gezeigt hat. Da muss ich nicht mit den Eltern sprechen."

Und wenn das Mädchen jünger ist?

Dr. Eder: "Zwischen 14 und 16 Jahren muss ich besonders genau schauen, ob ein Mädchen schon einwilligungsfähig ist. Aber eigentlich ist es doch so: Wenn eine 14-Jährige kommt und die Pille möchte, dann sollte sie in den meisten Fällen auch einwilligungsfähig sein, denn sie hat sich Gedanken gemacht und ist so vernünftig, mit einem Frauenarzt zu reden."

Und wie ist die Rechtslage bei unter 14-Jährigen?

Dr. Eder: "Bei unter 14-Jährigen ist es schwierig, da man im Allgemeinen nicht von einer Einwilligungsfähigkeit ausgehen kann. Da versucht man in der Regel, die Eltern miteinzubeziehen. Aber ich muss immer auf den Einzelfall schauen. Es gibt 13-Jährige, die sind deutlich reifer als 15-Jährige. Normalerweise findet sich immer eine Lösung."

Nicht vergessen: Bei jedem Arztbesuch die Versichertenkarte mitbringen. Wer privat versichert ist, kann den Besuch übrigens nicht so leicht geheim halten – denn die Eltern bekommen eine Rechnung vom Arzt zugeschickt. 

Von Claudia Steiner

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Checkliste zum ersten Besuch beim Frauenarzt

  • Lasst euch von eurer Mutter oder von Freundinnen einen Arzt empfehlen. Wenn ihr euch nicht wohlfühlt oder euch die Ärztin/der Arzt nicht sympathisch ist, sucht euch eine andere Praxis.  
  • Viele Ärzte bieten spezielle Mädchen- oder Teenagersprechstunden an. Da kann man erst einmal nur seine Fragen loswerden.
  • Aufgeregt? Nehmt – wenn ihr euch dabei besser fühlt – die Mutter, den Freund oder eine Freundin mit.
  • Macht euch vorher eine Liste mit euren Fragen. Der Arzt wird euch Fragen zu eurer Periode stellen und zu Krankheiten (auch in der Familie).
  • Achtung bei der Terminwahl für gynäkologische Untersuchungen: Am besten ist es, wenn man einen Termin wählt, an dem man nicht gerade die Periode hat. Denn dadurch sind manche Untersuchungen nicht möglich.
  • Gut zu wissen: Für junge Frauen bis zum 22. Geburtstag erstatten gesetzliche Krankenkassen wie die Knappschaft die Kosten für alle verschreibungspflichtigen Verhütungsmittel (Pille, Minipille, Verhütungspflaster, Vaginalring, Dreimonatsspritze, Hormonimplantat, Spirale und Notfallverhütung). Ab dem 18. Geburtstag fällt allerdings eine Zuzahlung an.

Hier findet ihr Infos rund um das Thema "Verhütung" und "Frauenarztbesuch"

Präventionsprogramm ""wICHtig":
Im Rahmen des Präventionsprojekts der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung (ÄGGF) und der Krankenkasse Knappschaft geben Ärzte Schülern an ihren Schulen Hilfestellung beim Thema "Sichere Verhütungsmethoden/Umgang mit Verhütungspannen":
www.ich-bin-wichtig.de

Jugendportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: 
www.loveline.de/startseite.html

pro familia:
www.profamilia.de/fuer-jugendliche/pubertaet/frauenarztbesuch.html#c110162

Mädchensprechstunde:
www.mädchensprechstun.de

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei wireltern.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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