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Wirklich gefährlich?

Mineralöle in Kindercremes

Viele Pflegeprodukte enthalten Mineralöl mit gesundheitsgefährdenden Substanzen – die sind allerdings noch nicht ausreichend erforscht. Doch die Verunsicherung ist groß.

Die Aufregung ist groß. Die Tester der Stiftung Warentest hatten vor Monaten eher zufällig bei der Untersuchung von Körperöl eine Substanz nachgewiesen, die Forscher für krebserregend halten: spezielle aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz MOAH genannt. Daraufhin untersuchten die Chemiker 25 ausgewählte Kosmetika auf den Gehalt dieses Inhaltsstoffs – und veröffentlichten vor einigen Wochen die Ergebnisse (www.test.de/thema/koerperpflege). Besonders Vaseline, Melkfett und Haarstyling-Mittel – aber auch Babypflegemittel – sind danach stark verunreinigt mit der MOAH-Substanz; die könne, über Hautpartien wie Lippen oder die Brustwarzen bei stillenden Frauen, in tiefere Hautschichten dringen.

Mineralöle gelten als gefährlich – sind sie es auch? 

In vielen Medien wurden die besorgniserregenden Ergebnisse der Untersuchungen veröffentlicht. Tausende Verbraucher sind seitdem verunsichert, Produkte wie Vaseline oder Lippengloss landen reihenweise im Abfalleimer, bei Facebook wettern Mütter kleiner Kinder gegen die Kosmetikindustrie und deren Produkte. Aber was ist dran an den Gefahrenmeldungen? Sollten Familien nun endgültig umsteigen auf Naturprodukte – die keinerlei Zusätze von Mineralöl enthalten dürfen?

Das Problem ist: Diese aromatisierten Kohlenwasserstoffe sind bisher nicht genug erforscht, gerade toxikologisch nicht. Auch die Hersteller zeigen sich – gegenüber Stiftung Warentest – überrascht über die Ergebnisse der Laboruntersuchungen. Es würden nur qualitativ hochwertige Rohstoffe aus Mineralöl eingesetzt, die den Reinheitsanforderungen für Arzneimittel entsprechen, versicherten sie gegenüber der Test-Redaktion. Nach den Vorschriften ist Paraffin erlaubt, allerdings dürfen aromatisierte Kohlenwasserstoffe nur im Spurenbereich nachweisbar sein. Diese Grenze ist sicherlich bei einigen der getesteten Produkten überschritten. 

Abwägung zwischen allergischer Reaktion und "geringstem Risiko” 

Und die Hinweise auf gesundheitliche Risiken nehmen auch Fachleute wie Professor Dr. Hans Merk, emeritierter Direktor der Klinik für Dermatologie & Allergologie an der RWTH Aachen University ernst: "Es besteht aber ein so extrem geringes Risiko durch die Substanzen, daß eine karzinogene Gefahr praktisch ausgeschlossen ist, zudem der Verbraucher eine Abwägung vornehmen sollte: Paraffine sind extrem reine Produkte, sie verursachen zum Beispiel keine Allergien“. Pflanzliche Substanzen in kosmetischen Produkten dagegen würden oft und nachhaltig zu allergischen Reaktionen führen, sagt der Mediziner, der zum wissenschaftlichen Beirat von Penaten gehört. „Paraffinöle sind nach chemischer Einstufung ‘hoch rein‘ und damit besonders gut verträglich sind. Allergische Reaktionen auf Paraffinum liquidum sind bisher kaum bekannt”. 

Fazit: Es bleibt eine potentielle Gefahr, wie bedenklich Mineralöle in Kosmetika für Menschen sind, ist nicht geklärt. Lippenpflegemittel und Vaseline enthalten sicherlich zu hohe Prozentanteile – und der darin enthaltene MOAH-Gehalt hat in Kosmetika nichts zu suchen.   

Inhaltsstoff Paraffin 

Mineralöle gehören zur Rezeptur vieler Kosmetikprodukte. Unter verschiedensten Begriffen von der Inhaltsliste verbirgt sich Mineralöl:

Ceresin, Cera Microcristallina,
Mineral Oil, Ozokerite,
Paraffinum Liquidum, Petrolatum.

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