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Das hilft

Mittelohrentzündungen

Eine Mittelohr-Entzündung verläuft schmerzhaft für die kleinen Patienten, heilt jedoch meist komplikationslos ab. Wissenswertes über die Erkrankung, die besonders Kinder häufig trifft.

Mariela ist besorgt: Bereits zum dritten Mal leidet ihr fünfjähriger Sohn Liam unter einer Mittelohrentzündung. „Es tut weh, Liam so leiden zu sehen. Ich fühle mich so hilflos“, sagt die 33-Jährige. Ihre Sorge teilt Mariela mit etlichen anderen Müttern und Vätern. Denn die sogenannte „Otitis media“ ist bei Jungen und Mädchen gar nicht so selten. Das liegt zum einen an dem kindlichen Immunsystem, das viele Krankheitserreger noch nicht kennt. Das liegt aber auch an der Anatomie des Ohres.

Schuld sind meist Viren
Die „Otitis media“ ist eine akute Entzündung der Schleimhäute des Mittelohrs. Auslöser sind meist Viren, selten auch Bakterien. Zwei Drittel aller Kinder machen bis zum dritten Lebensjahr mindestens einmal eine Mittelohrentzündung durch. In vielen Fällen geht der Erkrankung eine Erkältung voraus. Dabei gelangen Bakterien aus dem Rachenraum über die Ohrtrompete – eine röhrenförmige Verbindung zwischen Nasenrachen und Mittelohr – in das Mittelohr und rufen die Entzündung hervor. Durch die Schwellung wird die Ohrtrompete verengt – es entsteht ein Unterdruck und gleichzeitig sammelt sich Flüssigkeit, die durch die Ohrtrompete nicht mehr richtig abfließen kann. Bei Kindern ist die Ohrtrompete zudem noch so eng, dass sie schon bei kleineren Entzündungen zuschwillt.

Das hilft
Eltern, deren Nachwuchs über stechende Ohrenschmerzen klagt, die mit Fieber und vielleicht auch Kopfschmerzen einhergehen, sollten mit ihrem Kind in jedem Fall einen Kinder- und Jugendarzt aufsuchen. Diagnostiziert er eine akuten Mittelohrentzündung, wird er zunächst versuchen, die Schmerzen und eventuell das Fieber zu kontrollieren. Als probate Mittel haben sich dabei Wadenwickel oder Paracetamol-Zäpfchen erwiesen – sie bekämpfen die Schmerzen und senken gleichzeitig das Fieber. Medikamente mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure sind dagegen für Kinder nicht geeignet. Daneben sorgen Nasentropfen dafür, dass die Schwellung der Schleimhäute zurückgeht und sich die Ohrtrompete wieder öffnet. Eltern sollten außerdem darauf achten, dass der kleine Patient ausreichend trinkt.

Antibiotika: ja oder nein?
In Sachen Antibiotika sind Eltern und Ärzte gerade bei Kindern vorsichtig. Hier gilt es immer sorgfältig zwischen Nutzen und möglichem Schaden der Therapie abzuwägen. Das Thema „Antibiotika bei Mittelohrentzündungen“ ist Schwerpunkt vieler Studien gewesen. Daraus lassen sich einige Empfehlungen ableiten, die die Arbeitsgemeinschaft der „Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften“ (AWMF) zusammengefasst hat. Danach heilen acht von zehn akute Mittelohrentzündungen auch ohne Antibiotika-Behandlung in wenigen Tagen komplikationslos ab. Außerdem haben große Studien gezeigt, dass bei einer normal verlaufenden Mittelohrentzündung die Wahrscheinlichkeit einer schnelleren Gesundung des Kindes genauso hoch liegt, wie das Auftreten einer typischen Nebenwirkung von Antibiotika (zum Beispiel Erbrechen oder Durchfall). Zusätzlich verhindert ein verantwortungsvoller Einsatz von Antibiotika die Bildung resistenter Bakterienstämme. Grundsätzlich gilt, eine gute Zusammenarbeit von Eltern und Arzt vorausgesetzt:  Bei Kindern über 24 Monaten ist keine Antibiotikagabe in den ersten 48 Stunden notwendig. Sie sollte jedoch in Betracht gezogen werden, wenn das Fieber nicht sinkt und die Schmerzen nicht nachgelassen haben. Für Kinder zwischen sechs und 24 Monaten gilt das bereits nach 24 Stunden. Immer ist jedoch die persönliche Einschätzung des Kinderarztes ausschlaggebend. Schließlich kennt er die Gesamtsituation und Krankheitsgeschichte des kleinen Patienten.

Schwere Verläufe ernst nehmen
Einig sind sich Experten, dass Antibiotika bei schweren Verläufen einer Mittelohrentzündung angebracht sind. Eine schwere Mittelohrentzündung offenbart sich durch sehr hohes Fieber, das vielleicht sogar trotz fiebersenkender Behandlung ansteigt. Weitere Indizien für einen schweren Krankheitsverlauf: Erbrechen, Nackensteife, ein gerötetes und/oder abstehendes Ohr und unregelmäßige Atmung. Diese Anzeichen sind immer Anlass, sofort den Kinderarzt aufzusuchen. Denn schwere Krankheitsverläufe bedürfen unter anderem wegen der Nähe zum Gehirn einer schnellen Behandlung. Eltern, deren Kinder Antibiotika verschrieben bekommen haben, müssen darauf achten, dass ihre Sprösslinge das Medikament über den gesamten empfohlenen Zeitraum einnehmen – auch wenn sich die Symptome bessern. Denn: Setzt man Antibiotika zu früh ab, können sich noch übrig gebliebene Bakterien wieder vermehren und sich resistent gegen den Wirkstoff zeigen. Liam hat Glück: Seine Mittelohrentzündung ist – zur Freude von Mama Mariela – ganz ohne Antibiotika von selbst ausgeheilt.

Was Sie sonst noch tun können

  • Weiche Nahrung ist empfehlenswert. Das vermeidet zusätzliche Schmerzen durch Kauen.
  • Wärme lindert bei vielen Kindern die Schmerzen: Ein Stirnband oder Rotlicht können helfen (bei letzterem die Augen schützen).
  • Den Gehörgang des Kindes nicht selbstständig reinigen. Apropos Reinigung: Wattestäbchen haben in Kinderohren grundsätzlich nichts verloren. Das Ohr ist ein selbstreinigendes Organ. Die Reinigung bis zur Öffnung des Gehörgangs mit einem feuchten Waschlappen genügt.
  • Schwimmen ist bei einer Mittelohrentzündung tabu. Das betroffene Ohr beim Haarewaschen gut abdecken.

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