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Spielverderber

Pollenallergie: das Jucken aus der Luft

Kaum zeigt sich das erste Grün, läuft die Nase und die Augen brennen. Heuschnupfenkinder haben es jetzt schwer. Was passiert da eigentlich und: Was hilft?

Draußen scheint die Sonne, aber Anna ist schlecht gelaunt. Die Sechsjährige muss ständig Niesen und fühlt sich schlapp. „Komisch, die Schnieferei hört dieses Frühjahr gar nicht auf“, denkt ihre Mutter und geht mit der Kleinen zum Kinderarzt. Und der hat einen Verdacht: Anna ist nicht dauererkältet, sondern leidet unter Heuschnupfen.

Erkältung oder Heuschnupfen?

Hat mein Kind Dauerschnupfen oder steckt eine Pollenallergie hinter der Triefnase? „Eltern sollten bei einem Heuschnupfenverdacht genau auf die Symptome achten“, sagt Dr. Annette Eiden, Fachärztin für Kinder und Jugendmedizin und Homöopathin. „Beim Heuschnupfen bleibt das Nasensekret wasserklar. Außerdem geht es den Kindern nach einer Dusche besser, weil die Pollen vom Körper gewaschen sind.“ Klarheit kann allerdings nur ein Allergietest bei einem Facharzt bringen.

Fehlalarm im Körper

Auch Anna hat keinen Infekt, sondern einen allergischen Schnupfen. Das Mädchen wird nun jedes Frühjahr mit dem Pollenflug zu kämpfen haben – so wie 15 Millionen andere Heuschnupfengeplagte in Deutschland. Die Allergie gegen Baum-, Gräser- und Kräuterpollen ist eine der häufigsten überhaupt. Was die Nase zum Laufen und die Augen zum Tränen bringt, sind winzig kleine Blütenstaubteilchen in der Luft. Sie geraten über die Schleimhäute in den Körper und werden vom Immunsystem fälschlicherweise als gefährlicher Feind eingestuft. Übereifrig richtet es seine Waffen dagegen und schüttet Abwehrstoffe aus: Vor allem Immunglobulin-E Antikörper, die die Produktion des Botenstoffs Histamin ankurbeln. Die Folge: Der Gaumen juckt, die Nase läuft oder macht dicht. Niesattacken und rote Augen quälen Allergiker.

Zu sauber ist nicht gut

Warum entwickeln immer mehr Kinder eine Allergie? „Die Gene spielen auf jeden Fall eine Rolle“, sagt Annette Eiden, „ein überempfindliches Immunsystem wird vererbt.“ Dazu müssen aber auch Auslöser von außen kommen. Viele Forscher sehen den Grund, warum allergische Erkrankungen seit Jahren zunehmen, in unserer sauberen, geradezu keimfreien Umgebung. So haben Untersuchungen gezeigt, dass Bauernhofkinder, die mit Tieren, Pflanzen und jeder Menge „Dreck“ ihr Immunsystem tagtäglich trainieren, viel weniger Allergien haben als Stadtkinder.

So hilft die Schulmedizin

Antihistaminika befreien den Nachwuchs schnell von den lästigen Symptomen. Aber nur die Hyposensibilisierung, bei der die kleinen Patienten Pollenallergene in zunehmend höheren Dosen gespritzt bekommen, hilft dauerhaft gegen Heuschnupfen. „Die Erfolgsrate liegt bei über 50 Prozent und die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen“, sagt Annette Eiden. Außerdem gibt es noch die Immunisierung per Tablette.

So hilft die Homöopathie

Sanfte Hilfe bei Heuschnupfen kommt von der Homöopathie. Sie greift den Körper nicht an, sondern mobilisiert seine Selbstheilungskräfte. „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“, lautet das Prinzip. Die homöopathischen Mittel sind Stoffe aus der Natur, die bei gesunden Menschen Beschwerden auslösen würden, Kranke aber heilen können. „Bestes Beispiel ist Allium cepa, die Küchenzwiebel“, sagt Annette Eiden. „Beim Zwiebelschneiden läuft uns die Nase und die Augen tränen, deshalb nutzen wir die Küchenzwiebel in Form von homöopathischen Globuli gegen den Fließschnupfen“. Typische Heuschnupfen-Mittel sind außerdem Natrium chloratum, Euphrasia (Augentrost) gegen Augenbrennen oder Luffa D4 (Meeresschwamm) bei verstopfter Nase. „Die Mittel wirken bei manchen meiner Patienten innerhalb von Sekunden, bei anderen dauert es länger“, sagt die Kinderärztin.

Egal ob mit Medikamenten, einer Hyposensibilisierung oder homöopathisch – Heuschnupfen muss behandelt werden. Denn ohne Therapie entwickelt sich leicht allergisches Asthma. Fachleute sprechen hier von einem sogenannten „Etagenwechsel": Die allergische Entzündung wandert von der Nase in die Bronchien und verursacht einen bellenden Husten und Atemnot. Hinzu kommt: Eine Pollenallergie kann sich auf Schimmelpilzsporen, Hausstaub und Tierhaare ausweiten. Oder in Form einer Kreuzallergie zu Lebensmittelunverträglichkeiten führen. Ein Kind, das gegen Birkenpollen allergisch ist, reagiert auch häufig auf Äpfel, Kiwis oder Haselnüsse.

Abwehrstrategien die helfen, wenn die Pollen fliegen:

  • Auszeit: ans Meer oder ins Hochgebirge fahren.
  • Regen reinigt: Ein Regenguss macht die Luft fast pollenfrei. Hinterher nichts wie raus! An sonnigen, windigen Tagen lieber zu Hause bleiben.
  • Sauber ins Bett: Vor dem Schlafengehen Haare waschen und duschen, um die Pollen abzuspülen. Kleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen. Fenster während der Nacht schließen.
  • Staubfänger raus: Teppiche, Gardinen und offene Regale entfernen. Täglich Staubsaugen (Gerät mit Hepa-Filter) und häufig wischen.
  • Augen auf: Pollenflugkalender (zum Beispiel vom Deutschen Wetterdienst www.dwd.de/pollenflug) im Auge behalten.

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