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Unterschätzte Gefahren

So schützt du dein Kind vor Vergiftungen!

Vergiftungsunfälle bei Kleinkindern bilden ein oft nicht hoch genug eingeschätztes Risiko. Wo lauern zu Hause die Gefahren? Wir geben mithilfe unserer Expertinnen Tipps zur Prävention und sagen dir im Folgenden auch, was im absoluten Notfall zu tun ist.

Neben Sturzunfällen und Verbrennungen zählen Vergiftungen und das Verschlucken von Gegenständen zu den Schwerpunkten bei häuslichen Unfällen von Kindern bis vier Jahre. Seit über 20 Jahren sind Arztpraxen und Krankenhäuser verpflichtet, bestimmte Vergiftungen an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu melden. Das vereinfacht die Statistik und fördert Hinweise auf geeignete Präventionsmaßnahmen. 

Was sind eigentlich Vergiftungen?

Alles, was durch chemische, tierische, pflanzliche, bakteriellen oder sonstige Stoffe dem Körper Schaden zufügt, fällt unter denm Begriff Vergiftung. Gemeint sind Reinigungsmittel und Pflegeprodukte, Giftpflanzen, schädliches Essen und Trinken sowie Paraffine, Gase und ätzende Substanzen, die durch Einnahme, Einatmen oder Hautkontakt in den Körper gelangen. 

Nicht zu unterschätzen: Kinder sind neugierig und erkunden ihre Umwelt im Detail. Sobald sie sich alleine fortbewegen und an Gegenständen hochziehen können, ist nichts mehr vor ihnen sicher. Dabei werden neue Dinge nicht nur gerne angefasst, sondern auch mit dem Mund genau erkundet.

Vergiftungsrisiken im Haushalt

Es kann so schnell gehen. Zu Hause gibt es jede Menge Dinge, die für Kinder spontan zum Sicherheitsrisiko werden können. Dem BfR zufolge passieren die häufigsten Vergiftungsunfälle durch Reinigungsmittel und Körperpflegeprodukte, gefolgt von Medikamenten und Pflanzen. 

Spülmaschinen-Tabs oder Waschmittel-Pods gehören genauso wie flüssige Putzmittel in abschließbare für Kinder nicht erreichbare Schränke. Aufgrund der Verwechslungsgefahr sollten sie auch nie umgefüllt werden. 

Medikamente dürfen niemals für Kinder zugänglich aufgehoben oder zum Spielen benutzt werden.

Zudem bergen Rauchwaren wie Zigaretten, E-Zigaretten und E-Liquids oder Shisha-Tabak für Kinder ein Vergiftungsrisiko. Bitte niemals offen liegen lassen!

Neben flüssigem Grillanzünder lauern auch in deinen Gartenpflanzen Gefahren. Wusstest du, dass Oleander, Kirschlorbeer oder Goldregen giftig sind? Informiere dich gründlich über deine Pflanzen. Im Zweifel solltest du sie entfernen oder dein Kleines stets bei seinen Streifzügen durchs Grüne aufmerksam begleiten. Auch Pflanzenerde, Düngemittel und Pflanzensubstrate mit Bedacht auswählen: die meisten davon enthalten für dein Kind giftige Substanzen.

Selbst Blumen und Zimmerpflanzen können giftig sein – wie etwa Tulpen oder Weihnachtssterne. Dein Kind darf nie heranreichen können! Lampen- und Duftöle können schwere Lungenschädigungen verursachen, wenn das Kind davon trinkt oder an Dochten lutscht. 

Deo- und Haarsprays können dein Kind ebenso verletzen wie ätzender Nagellackentferner oder schäumende Tenside aus Shampoos oder Bodylotion. Schwere Schäden der Atemwege können bei der Einnahme von Babypuder oder Babyöl auftreten.

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Auch hier ist Vorsicht geboten: Batterien und Knopfzellen können nicht nur verschluckt werden, sondern auch ätzende Stoffe im Körper freisetzen. Zu den giftigen Stoffen zählen zudem Farben, Lacke, Frostschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel. Denk stets daran, alle risikoreichen Produkte außer Reichweite von Kindern aufzubewahren. Und alles, was du in den Mund nimmst, macht dein Kleines gern nach. Achte daher genau darauf, ein gutes Vorbild zu sein!

Wie kann man sich zu Hause schützen?

Daniela Kambor ist zweifache Mutter, ausgebildete Baby-Plannerin und Schwangerschafts-Concierge, speziell fortgebildet zum Thema Unfallprävention bei Kindern. Als erfahrene Expertin ihrer Schwangerenberatung mybabyflow.de hat sie wichtige Antworten parat:

Welchen Stellenwert haben Vergiftungen bei Kindernotfällen?

Vergiftungen zählen definitiv zu den häufigsten Unfällen im Kleinkindalter. Die Statistiken sprechen von mehr als 100.000 Fällen pro Jahr, rund 60 Prozent der Unfälle passieren bei Kindern unter drei Jahren. Hier sollte in puncto Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung der Eltern noch viel getan werden. 

Was genau zählt zu den Vergiftungen und welche treten am häufigsten auf?

Vergiftungsunfälle und auch bloße Verdachtsmomente sind meldepflichtig. Unfälle aufgrund des Verschluckens von Fremdkörpern allerdings leider nicht, weshalb wir von einer noch höheren Zahl ausgehen. Allein etwa 50 Prozent der gemeldeten Vergiftungsunfälle gehen auf Medikamente zurück, rund 3.000 Unfälle auf Wasch- und Reinigungsmitteln. Natürlich zählen auch Giftpflanzen, Rauch, Farblacke, Haar- oder Deospray, Lampen- und Duftöle, Partikel aus Babypuder, Hausstaub, Pollen, Kosmetika und Schädlingsbekämpfungsmittel dazu.

Wo lauern zu Hause die meisten Gefahren für eine Vergiftung?

Herumliegende Kleinteile wie Batterien, Spielzeug, Kleingeld oder Flaschendeckel sind ebenfalls extrem gefährlich. Sie können leicht von Kleinkindern verschluckt werden und dabei große Schäden anrichten. Achtlos stehen gelassenes Leergut kann auch zu Vergiftungen führen, ebenso wie Medikamente oder der WC-Reiniger neben der Toilette.   

Wo fängt Kindersicherheit im Haushalt an?

Unfälle sind keine Zufälle. Kindersicherheit fängt bei uns selbst an, denn Kinder sollten stets altersangemessen beaufsichtigt und aufmerksam im Alltag begleitet werden. Besser als Gefahren tabuisieren und alles wegschließen: viel erklären und zeigen, Fragen beantworten, Risikokompetenz der Kinder fördern, Vorbild sein und die eigenen Gewohnheiten hinterfragen.  

Welche konkreten Tipps zur Prävention geben Sie Eltern?

Medikamente sollten nie als Bonbons oder Saft bezeichnet werden und immer unerreichbar für Kinder aufbewahrt werden. Auch nicht in offen herumstehenden Handtaschen. Das gilt auch für Wasch- und Reinigungsmittel, insbesondere Flüssigwaschmittel in sogenannten "Caps", die wie bunte Bausteine aussehen. Empfehlenswert sind Reinigungs-Produkte, die den Bitterstoff Bitrex enthalten, denn Kinder spucken den ungenießbaren Inhalt automatisch wieder aus. Giftpflanzen vermeiden oder außer Reichweite stellen. Wer kleine Kinder hat, sollte schädliche Substanzen und Produkte einfach weglassen oder ersetzen. Ich empfehle zudem die kostenfreien Apps "Vergiftungsunfälle bei Kindern" oder "KiGiApp".

Was tun im Fall der Fälle?

Manchmal ist es trotz aller Vorsicht doch zu spät. Im Vergiftungsfall ist es daher umso wichtiger, genau zu wissen, was zu tun ist. Mund auswischen? Milch oder Tee einflößen? Vorsicht: Dem BfR zufolge müssen Vergiftungsunfälle fachgerecht eingeschätzt werden. Die individuelle Behandlung ist abhängig von der Dosis.

Jordis Kreuz ist dreifache Mutter und Erste-Hilfe-Ausbilderin für Kinder- und Säuglingsnotfälle. Über ihre Website erste-hilfe-party.de bietet sie jungen Eltern die Möglichkeit, sich in einem Kurs umfassend über das Thema Kindersicherheit zu informieren und für den Ernstfall zu rüsten. Erfahrungswerte aus Rettungs- und Sanitätsdienst sowie Krisenintervention sind für die Expertin eine Herzensangelegenheit. Hier gibt sie erste Tipps für den Notfall:

Woran erkenne ich eine Vergiftung bei meinem Kind?

Es gibt verschiedene Symptome in unterschiedlichen Kombinationen. Dabei kommt es immer auf die Vergiftungsart (etwas Giftiges gegessen, eingeatmet, berührt oder von einem Tier gebissen) und die Verbreitung im Körper an. Die Beschwerden reichen von Schwindel, Blässe, Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall über Zittern, Krämpfe, Verwirrtheit, Halluzination, unregelmäßigen Puls und Speichelfluss über gerötete Haut, Hitzegefühl, Kopfschmerzen und Müdigkeit bis zu Schock, Bewusstlosigkeit, Atemnot und -stillstand.
 

Welche Sofortmaßnahmen helfen im Notfall?

1. Ruhe bewahren!

2. Überlegt handeln und Eigenschutz beachten!!

3. Kind aus dem Gefahrenbereich bringen und möglichst nicht bewegen, damit sich das Gift nicht noch schneller im Körper verteilt.

4. Giftreste aus dem Mund entfernen

5. Notruf oder Giftnotruf kontaktieren 

6. Erbricht das Kind von sich aus, Erbrochenes für den Rettungsdienst sichern (nicht zum Erbrechen zwingen!)

7. Mit Fragen herausfinden, was und wie viel das Kind zu sich genommen hat: "Was hast du probiert? Wie viel? Wo ist das? Gibt es da noch mehr?"

Wie rüste ich mich zu Hause für den Ernstfall?

Mit einer guten Hausapotheke mit Kohletabletten und Entschäumer (zum Beispiel Lefax). Wichtig ist dabei die Verabreichung erst nach Rücksprache mit der Giftnotrufzentrale oder einem Arzt. Die Telefonnummern der Giftnotrufzentralen wie 0228/192 40 in Bonn oder 030/192 40 in Berlin unbedingt abspeichern!

Was ist bei Erster Hilfe bei Säuglingen und Kleinkindern besonders zu beachten?

Ruhe bewahren und ausstrahlen! Kinder zeigen und benennen Symptome natürlich noch nicht so genau wie Erwachsene. Man sollte die Kinder befragen, nicht schimpfen und die Umgebung notfalls absuchen. Maßnahmen nach Rücksprache mit der Giftnotrufzentrale oder der "112" einleiten. Bei Kontaktgiften betroffene Stelle mit viel stillem Wasser abspülen, sodass es möglichst schnell vom Körper wegfließt!

In Deutschland gibt es acht Giftnotrufzentralen, die bei akuten Vergiftungsunfällen am Telefon schnell und kompetent helfen können. Eine Übersicht aller Nummern beommt ihr beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. 

Infos zu Prävention und Notfallbehandlung mit Giftinformationsdatenbank unter www.bfr.bund.de

Keine Caps in Kinderhände! Infokampagne mit Video unter www.keepcapsfromkids.eu

Kostenfreie App "Vergiftungsunfälle bei Kindern" vom BfR erklärt alphabetisch sortiert die Risiken bei Vergiftungen mit chemischen und Haushalts-Produkten, Medikamenten, Pflanzen und Pilzen: https://www.bfr.bund.de/de/apps.html

Kostenfreie KiGi App "Kinder und Gift" von der Berlin Chemie AG: Informationen zu Giften im Haushalt, giftigen Pflanzen, Tensidvergiftungen plus wertvolle Tipps, wie man Vergiftungen erkennt und schnell Erste Hilfe leistet: https://www.kigiapp.de

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Unsere Expertinnnen

Daniela Kambor ist zertifizierte Baby-Plannerin und Schwangerschafts-Concierge. Außerdem ist sie als Beraterin zur Kindersicherheit und Bloggerin aktiv.

 

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Jordis Kreuz ist Ausbilderin für Erste Hilfe bei Kinder- und Säuglingsnotfällen. Sie bietet in diesen wichtigen Bereichen mit Blick auf Fortbildungen für Eltern, aber auch kinderlose Personen, individuelle Kurse an.

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kinder! setzt sich intensiv mit den erzieherischen und unterhaltenden Themen auseinander, die Eltern und Kinder interessieren und beschäftigen.

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Unsere Autorin

Antonia Müller

Schon als Schülerin hat Antonia Müller Bücher verschlungen, Theater gespielt, Geschichten geschrieben und Hörspiele vertont. Auf Germanistikstudium und Textschmiede folgten Redaktionsjobs für Internet, TV und Verlage.

Zwölf Jahre Kreation von erfolgreichen Ideen und Texten in der Werbung runden ihr Profil als Story Teller ab. Für Junior Medien schreibt sie heute Wissenswertes über Familie, Kind und Kegel. Was noch fehlt, ist ihre erste Romanveröffentlichung.

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