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"Auf Bewegung setzen, wo es nur geht"

Warum aktiv sein unabdingbar ist - auch im Sitzen

Stillsitzen war gestern! Damit der Nachwuchs gut lernen kann, ist Zappeln unabdingbar. Wie Eltern ihrem Nachwuchs sonst noch den Rücken stärken, erklärt Detlef Detjen von der Aktion Gesunder Rücken e. V.

KiNDER: Mit der Einschulung verbringen Jungen und Mädchen ihre Zeit zunehmend im Sitzen. Welche Folgen kann das haben?

Detlef Detjen: Kinder haben einen großen Bewegungsdrang. Mit der Einschulung, ich nenne es auch gern „Einstuhlung“, werden sie darin erheblich eingeschränkt. Sie sollen sich ruhig verhalten, sich konzentrieren und still sitzen – oft auf Stühlen, die ungeeignet sind. Die Folge: 44 Prozent aller Viertklässler klagen gelegentlich, acht Prozent ständig über Rückenschmerzen.

Wie sollte denn ein rückengesunder Stuhl beschaffen sein?

Er verfügt unter anderem über ein ergonomisches Sitz-Lehnen-System, das sich den natürlichen Haltungswechseln des Körpers anpasst und das Kind animiert, seine Sitzhaltung zu verändern. Wichtig ist zudem die passende Länge der Sitzfläche und der Sitzhöhe, die Rückenlehne reicht bis unter die Schulterblätter, ist leicht gewölbt und passt sich der Kontur der Wirbelsäule an. Ein gutes Sitzmöbel besteht zudem aus Material, das nachgibt und auf dem man nicht schwitzt – und passt nicht zuletzt auch zum Tisch.

Und der Schreibtisch?

Wichtig für den Kinderschreibtisch zu Hause ist, dass die Höhe einfach auf die Größe des Kindes angepasst werden kann und die Tischfläche mindestens 16 Grad in ihrer Neigung verstellbar ist, sodass das Buch dem Kind beim Lesen entgegenkommt. Der erforderliche Leseabstand vom Auge zum Leseobjekt ist bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen nämlich geringer. Die Arbeitsfläche lässt sich idealerweise durch Zubehörteile erweitern.

Stuhl und Schreibtisch schön und gut – aber es kommt doch sicher auch auf die richtige Haltung an?

Natürlich! Die richtige Haltung ist immer die nächste. Das bedeutet: Das Kind sollte seine Körperhaltung so oft wie möglich ändern, sich auch mal rücklings auf den Stuhl setzen, kurzum: Immer in Bewegung bleiben.

Fakt ist: Kinder bewegen sich heute zu wenig.

Das ist leider richtig. Viel Bewegung –  das bedeutet etwa drei Stunden täglich – ist elementar für die Entwicklung von Körper, Geist und Psyche und: für den Rücken. Der Alltag hat sich stark gewandelt. Als ich klein war, ging es nach den Hausaufgaben nach draußen. Jeden Tag, bei Sonnenschein, Regen oder Schnee. Heute verbringen die Kids ihre Zeit häufig mit der Spielkonsole oder dem Tablet auf dem Sofa. Sie sitzen also nicht nur sechs, sieben Stunden in der Schule, sondern auch noch zu Hause. Und wenn Mütter und Väter ihre Sprösslinge dann noch mit dem Auto zur Schule chauffieren, obwohl sie den Weg problemlos zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigen können ...

Was tun?

Im wahrsten Sinne des Wortes mit gutem Beispiel voran gehen! Kürzere Wege zu Fuß zurücklegen, selbst sportlich aktiv sein und den Nachwuchs mitnehmen. Und: Den Tagesablauf und das Umfeld des Kindes dahingehend analysieren, wie man beides beweglicher und ergonomischer gestalten kann.

Ist die „Bewegte Schule“ in Deutschland Thema?

Es gibt inzwischen einige gute Konzepte zum Thema „Bewegte Schule“ die –  wenn sie denn umgesetzt werden – sehr sind positiv zu bewerten sind.

Informiert die AGR gezielt darüber?

Gemeinsam mit unserem Partner, der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG), haben wir die Aktion „Gesunder Kinderrücken“ ins Leben gerufen. Die BAG spricht mit Bildungsträgern, geht in die Schulen und macht die „Bewegte Schule“ publik. Das ist allerdings ein langwieriger Prozess.

Worauf sollten Eltern beim Kauf des Schulranzens achten?

Dass er zum Kind passt. Die Faustregel, dass der Tornister nicht schwerer sein darf als zehn bis zwölf Prozent des Körpergewichts, ist nicht mehr zeitgemäß. Zierliche Kinder zeigen bereits Anzeichen von Überlastung, wenn das Gewicht des Tornisters zehn Prozent des Körpergewichts ausmacht, während kräftigere Schüler 20 Prozent des Eigengewichts problemlos tragen können. Je leichter, desto besser ist übrigens nicht unbedingt die beste Devise: Ab einem bestimmten Punkt geht eine Gewichtsreduzierung nämlich zu Lasten der Polsterung und Stabilität.

Inzwischen sieht man auf Kinderrücken zunehmend Rucksäcke.

Rucksäcke, die viele ergonomische Kriterien erfüllen, sind ebenfalls empfehlenswert. Es gibt hier wirklich gute Modelle, die den Namen „Schulrucksack“ auch wirklich verdienen.

Haben Sie noch einen Tipp für Eltern?

Gestalten Sie den Alltag Ihres Kindes möglichst mobil, setzen Sie auf Bewegung, wo es nur geht, und achten Sie darauf, dass das Umfeld des Kindes rückenfreundlich ist. So steht einer gesunden Entwicklung nichts mehr im Wege.

Unser Experte

Detlef Detjen, Geschäftsführer der Aktion Gesunder Rücken e. V. (AGR), www.agr-ev.de

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