Dein wirEltern-Newsletter

Alles über die Themen Schwangerschaft, Erziehung & Gesundheit

Gefährliche Blutsauger

Zeckenbiss: So schützt du dich und dein Kind

Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen. Wir erklären, was du über die Blutsauger wissen musst und was nach einem Zeckenbiss zu tun ist.

Zecken fallen nicht von Bäumen

Zecken verstecken sich in feuchten Gegenden und im Unterholz. Sie befallen ihre Opfer, saugen sich mit Blut voll und werden häufig erst bemerkt, wenn sie sich mehrfach vergrößert haben. Meist lauern die kleinen Spinnentiere in Wiesen, hohen Gräsern und Büschen. Wenn wir also über eine Wiese oder an einem Busch vorbeigehen, nehmen wir die kleinen Spinnentiere durch Abstreifen quasi als "blinden Passagier" mit.  

Zecken beißen nicht

Zwar spricht man meistens von einem Zeckenbiss, eigentlich müsste es aber Zeckenstich heißen. Mit ihren Mundwerkzeugen stechen sie in die Haut und saugen bei ihrem Wirt Blut - bei Menschen und Tieren.

Zecken sind nicht nur im Sommer eine Gefahr

Zecken sind für gewöhnlich vom Frühjahr bis zum Herbst aktiv. Allerdings besteht sogar im Winter die Gefahr, sich einen Zeckenstich einzuhandeln. Sobald an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen Temperaturen ab sieben Grad herrschen, werden die kleinen Blutsauger aktiv - also auch in milden Wintern.

Die richtige Kleidung schützt

Um Zeckenbissen vorzubeugen, sollte man bei einem Spaziergang eine lange Hose und geschlossene Schuhe tragen. Auch ein langärmeliger Pullover ist zu empfehlen. Zudem sollte man helle Kleidung tragen, denn auf ihr sind Zecken besser zu erkennen. Zudem gibt es viele Anti-Zeckensprays (sogenannte Repellents), die Wirkung zeigen.

"Zeck-Check" durchführen

Nach einem Aufenthalt im Freien sollte man den Körper nach Zecken absuchen. Die kleinen Blutsauger bevorzugen feucht und warme Körperareale, wie Kniekehlen, Schamgegend, Achselhöhlen und Schulterhöhlen. Bei Kindern setzen sie sich auch gerne in den Haaren fest. 

Einen Zeckenstich erkennen

Die Zecke steckt kopfüber in der Haut. Erwachsene Zecken können bis zu fünf, tropische Riesen-Zecken (Hyalomma) bis zu 25, Millimeter groß werden und auf die Größe einer Kirsche anwachsen, wenn sie Blut gesaugt haben. Ein roter Ring um die Einstichstelle, die sogenannte Wanderröte, kann ein Anzeichen für Borreliose sein.

Die Zecke entfernen

Eine entdeckte Zecke sollte immer schnell entfernt werden – und zwar mit Hilfe einer Zeckenzange oder einer spitzen (!) Pinzette. Wichtig: Nah an der Haut ansetzen und gerade und vollständig herausziehen, damit keine Mundwerkzeuge in der Haut zurückbleiben. Die Zecke auf keinen Fall drehen oder quetschen. Die Erreger befinden sich im Hinterkörper und könnten dann über die Einstichstelle in den Körper des Menschen gelangen. Die Stelle anschließend desinfizieren. Auf keinen Fall sollte die Zecke vor dem Entfernen mit Klebstoff oder Öl „getötet“ werden. Lässt sich die Zecke nur schwer entfernen, haftet sie vermutlich schon länger am Körper – eine Übertragung von Erregern ist wahrscheinlich. In diesem Fall ist ein Arztbesuch ratsam. Ebenso, wenn beim Entfernen Teile der Zecke in der Haut verbleiben.

Tropische Riesen-Zecken auf dem Vormarsch

Durch den Anstieg der Temperaturen haben Zeckenforscher in den vergangenen Jahren immer wieder Zeckenarten entdeckt, die hierzulande eigentlich nicht heimisch und fünfmal so groß wie "normale" Zecken sind. Sie gehören zur Gattung der tropischen Hyalomma-Zecke. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Tiere über Vögel eingeschleppt wurden. Was ihnen Sorgen bereitet: Die Tiere sind in der Lage, auch tropische Krankeheiten wie z. B. das Fleckfieber, zu übertragen. Im Sommer 2019 ist in Deutschland erstmalig ein Mensch durch den Biss einer tropischen Hyalomma-Zecke an Fleckfieber erkrankt. Er konnte erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden. Die Zahl der in Deutschland gefundenen Riesenzecken steigt zunehmend an – jede zweite trägt laut Experten den Fleckfieber-Erreger in sich. 

Zecken können Borreliose übertragen

Die meisten Zeckenbisse heilen problemlos wieder ab, sie können aber auch ernstzunehmende Folgen haben. Zecken können Borrelien in sich tragen. Das sind Bakterien, die infolge einer Übertragung durch einen Zeckenstich beim Menschen Borreliose, auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit genannt, auslösen können. In der ersten Phase der Erkrankung kann es zu einer sich ausbreitenden Rötung, der sogenannten Wanderröte (Erythema migrans) kommen. Diese ringförmige, etwa fünf Zentimeter große Wanderröte tritt einige Tage oder Wochen nach dem Zeckenstich an der Einstichstelle oder anderen Körperstellen auf und breitet sich mit der Zeit aus. Auch Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen oder Gelenksentzündungen treten häufig auf. Die Hälfte der Infektionen verläuft jedoch symptomfrei. Die zweite Phase, die Wochen und Monate nach dem Stich beginnen kann, zeichnet sich durch Nervenentzündungen bis hin zu Nervenlähmungen, Herzmuskelentzündungen und Schwellungen der Lymphknoten aus. Die dritte Phase kann auch noch nach Jahren auftreten. Es kommt häufig zu Gelenksentzündungen, die von selbst wieder abschwellen. In seltenen Fällen kann es zu Hirnentzündungen mit geistigem Abbau und Störungen der Koordination kommen. Frühzeitig erkannt, lässt sich Borreliose mit Antibiotika erfolgreich behandeln. Einen Impfschutz gibt es jedoch nicht. Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist grundsätzlich das Infektionsrisiko. 

Borreliose in der Schwangerschaft

Eine Übertragung einer Borreliose auf das ungeborene Kind ist nur in seltenen Fällen bekannt. Es kann dann aber zu einer erhöhten Sterblichkeit des Fötus, durch die Borreliose, kommen. Auffällige Veränderungen des Kindes sind an Herz, Nervensystem und Bewegungsapparat sind bekannt. Besteht der Verdacht auf eine Infektion mit Borreliose kann eine Blutuntersuchung Klarheit bringen. Wenn die Diagnose Borreliose rechtzeitig gestellt wird, ist die Behandlung erfolgversprechend. Auch während der Schwangerschaft kann eine Borreliose mit Antibiotika behandelt werden. Eine Übertragung auf den Fötus kann mit Hilfe einer Fruchtwasseruntersuchung geklärt werden.

Zecken können FSME-Viren übertragen

In Bayern und Baden-Württemberg - den FSME-Risikogebieten -, vereinzelt auch in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Sachsen, übertragen Zecken auch Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Eine FSME-Infektion macht sich anfangs durch grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen bemerkbar. Im weiteren Verlauf kann es auch zu Atemwegsbeschwerden, Bauchschmerzen und zu Durchfall kommen. Allerdings verläuft rund ein Viertel der Infektionen ohne typische Symptome, so dass der Erkrankte nichts bemerkt. In der zweiten Krankheitsphase, nach rund einer Woche, kommt es zu einer zweiten Ausbruchswelle, die sich in einer Hirnhautentzündung, sowie in Entzündungen des Hirn- und Rückenmarksgewebes zeigt. Manchmal zeigen sich Symptome auch erst Monate oder Jahre nach dem Zeckenbiss. Bei rund 70 bis 95 Prozent der Betroffenen, die sich mit FSME-Viren infiziert haben, bleiben schwere Krankheitsverläufe jedoch aus. Im Gegensatz zu Borreliose gibt es gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis eine Impfung (FSME-Impfung).

FSME in der Schwangerschaft

Eine Impfung gegen die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis ist sowohl vor als auch in der Schwangerschaft möglich. Eine Übertragung von FSME auf das noch ungeborene Kind ist nicht bekannt. Allerdings ist es in der Vergangenheit durch die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis zu Fehlgeburten gekommen und in ganz wenigen Fällen wurden die Funktionen von Leber und Herz sowie Einschränkungen des Bewegungsapparates des Kindes beobachtet. 

FSME-Impfung

Gegen das FSME-Virus gibt es keine Medikamente. Ein Impfschutz ist daher in den Risikogebieten eine gute Vorsorgemaßnahme. Die Impfung kann auch im Rahmen einer Reise sinnvoll sein. Die FSME-Impfung wird umgangssprachlich häufig auch Zeckenimpfung oder Zeckenschutzimpfung genannt. Das ist falsch, denn sie schützt nicht vor einem Zeckenbiss, sondern vor einer Infektion mit FSME. Für den Impfschutz sind drei Impfungen nötig. Die ersten beiden erfolgen im Abstand von ein bis drei Monaten, die dritte (je nach Impfstoff), nach fünft oder neun bis zwölf Monaten. Nach drei Jahren muss der Impfschutz aufgefrischt werden. In der Regel ist die FSME-Impfung sehr gut verträglich.

Zeckenimpfung für Kinder

Eine Zeckenimpfung sollte wegen der hohen Impfbelastung im ersten Jahr erst ab dem zweiten Lebensjahr vorgenommen werden (Ausnahme nur bei hohem Infektionsrisiko). Es gibt spezielle FSME-Impfstoffe für Kinder. Mehr Infos dazu bekommt man beim Kinderarzt.

FSME-Infektionen nehmen zu

Laut des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden 2018 vergleichsweise viele FSME-Erkrankungen in Deutschland gemeldet, nämlich 583 Fälle. Und ein Großteil der Erkrankungen wäre vermeidbar gewesen: 98 Prozent der erfassten FSME-Patienten waren nicht oder nur unzureichend geimpft. Ebenfalls besorgniserregend: Die Risikogebiete für FSME weiten sich aus – ein Trend der seit einigen Jahren anhält. Auf der Webseite www.zecken-radar.de kann man sich die Landkreise anschauen, in denen  besondere Vorsicht vor Zecken geboten ist.

Teile diesen Artikel:

]