Feiern mit Kindern "Den lade ich nicht ein!" – Katastrophenthema Kindergeburtstag

Unsere Autorin gibt zu: Bei manchen Mami-Themen wäre sie gern ein bisschen lockerer. Zum Beispiel, wenn es um Kindergeburtstage geht. Denn seitdem ihr Sohn selbst entscheiden möchte, wer (und wer nicht) eine Einladungskarte bekommt, gestaltet sich die Planung der Party von Jahr zu Jahr dramatischer.

Wie entspannt so ein zweiter Geburtstag für das eigene Kind rückblickend doch wirkt. Damals standen die Gäste für die Party schnell fest, die Einladungskarten wurden im Nu versendet: Die Familie war gesetzt, hinzu kamen die befreundeten Mütter mit ihren Kindern und die lieben Nachbarn, die immer kleine Geschenke vor die Tür legen. Fertig. Das Haus war voll mit Erwachsenen und einer überschaubaren Kindergruppe, alle waren glücklich: die kleinen Gäste, die Eltern und vor allem das Geburtstagskind.

Einladung an unbekannte Eltern

Schon ein Jahr später sah das mit der Party ganz anders aus: Mein Sohn wollte zu seinem dritten Geburtstag Kinder aus der Kita einladen, deren Eltern ich gar nicht kannte. Natürlich bin ich über meinen Schatten gesprungen, habe Kontakt zu den Eltern aufgenommen, Karten versendet und die Runde für meinen Sohn um die unbekannten Gäste, Kinder und Eltern, erweitert. Ist schließlich sein Geburtstag.

Entscheidet am Kindergeburtstag das Geburtstagskind?

Dann kam der vierte Geburtstag: Unser Kind diktierte mir Wochen im Voraus die gewünschten Gäste. Die Liste war deutlich länger als im letzten Jahr – von meinen Mami-Freundinnen stand keine einzige drauf. Ist ja logisch: Freundschaften werden beim gemeinsamen Spiel in der Kita geschlossen, nicht beim Kaffeetrinken, wenn Mamas Freundin alle paar Wochen mit ihrem noch nicht einmal gleichaltrigen Kind vorbeikommt.

Also griff ich zum Telefon, erklärte meinen Freundinnen die Situation und lud sie und ihre Kinder von der Party aus. Wirklich böse war keine, nur eine Bemerkung in die Richtung "Du musst auch nicht alles tun, was das Geburtstagskind dir sagt!" kam durch. Sei's drum.

Wirklich kompliziert wurde es, als ich bemerkte, dass ein Gast auf der Liste fehlte: "Was ist mit Marvin? Der bekommt auch eine Karte, richtig?", fragte ich. "Nein, den lade ich nicht ein!", kam es da plötzlich aus meinem Sohn geschossen. "Das ist nicht mehr mein Freund."

Freundschaften ändern sich bei Kindern

Nun hätte ich an der Tatsache wirklich wenig auszusetzen gehabt, dass ich eine Geburtstagsparty für ein Kind weniger gestalten sollte. Wäre es nicht ausgerechnet das Kind gewesen, auf dessen groß angelegter Mottoparty unser Sohn noch vor wenigen Wochen selbst getobt hatte. "Aber du warst doch auch bei Marvins Party, da wart ihr doch noch Freunde", begann ich eine Diskussion mit meinem Noch-Dreijährigen.

Natürlich ein sinnloses Unterfangen. In den nächsten drei Wochen, die noch bis zur Party verblieben, probierte ich immer wieder ihn davon zu überzeugen, seinen guten Freund Marvin doch noch einzuladen. Parallel ging ich seinen Eltern beim Abholen aus der Kita konsequent aus dem Weg – so unangenehm war mir die Tatsache, dass 7 andere Kinder bereits eine Einladungskarte von unserem Sohn erhalten hatten, Marvin aber noch nicht. 

The Party must go on - auch ohne besten Freund

Wir feiern letztlich ohne Marvin. Zweimal versinke ich im Erdboden vor Scham, als ich in den Wochen danach seiner Mutter in der Kita begegne und einfach nicht die richtigen Worte finde, das Thema anzuschneiden. Natürlich hat sie mitbekommen, dass Tom Geburtstag hatte. Und natürlich auch, dass ihr Sohn nicht eingeladen war. Und wenn ich mich nicht den Rest meines Lebens in der Kita-Garderobe vor ihr verstecken möchte, muss ich das Thema "Einladung" endlich auf den Tisch bringen. 

Beim Sommerfest ergreife ich die Gelegenheit: "Maren, ich muss unbedingt was loswerden!", spreche ich sie an. Ich erkläre ihr, wie wenig ich Toms Entscheidung nachvollziehen kann, dass die beiden doch wahre Freunde seien und immer so schön gemeinsam gespielt haben, dass ICH Marvin SO gern eine Einladung gegeben hätte und dass ich mir Toms Sinneswandel selbst nicht erklären könne.

Meinen Ausführungen und überschwänglichen Entschuldigungen lauscht sie mit offenem Mund und interessiertem Blick. Dann bricht sie in schallendes Gelächter aus. "Nun mach dir doch keine Gedanken, das sind Kinder! Die haben halt ihren eigenen Kopf!"

Nach dem Kindergeburtstag ist vor dem Kindergeburtstag

Ich kann nicht anders als Maren zu bewundern. Ich erinnere mich genau an diese eine Kinderparty von Johann, zu der MEIN Sohn keine Einladung erhalten hatte.

Was habe ich da recherchiert und spekuliert, woran das liegen könnte. (Johann und Tom sind doch Freunde! Die spielen doch so gern zusammen! Also kann es ja nur an den Eltern liegen. Mögen die uns nicht? Wieso nicht? Bestimmt denken die, dass WIR es waren, die das A-Wort in die Kita gebracht haben, nur weil unser Kind es die ganze Zeit benutzt. Dabei hat der das natürlich nicht von uns, sondern von Emil!) 

Letztendlich stellte sich heraus, dass Johann nur zwei Kinder überhaupt eingeladen und in ein teures Musical mitgenommen hat. Ok. Dann will ich das nochmal verzeihen. Und beim nächsten Kindergeburtstag so locker reagieren wie Maren. Ganz sicher.

Die nächsten Einladungskarten sind schon in Planung

Natürlich hat mein Kind schon Pläne für seinen fünften Geburtstag. Eine Mottoparty für Ninjas soll es werden. Oder Star Wars. Auf jeden Fall aber mit Kuchen, vielen Spielen und mit Einladungskarten, die zum Motto passen.

Und zu meiner großen Erleichterung steht auch sein guter Freund Marvin auf der Gästeliste. Sollte sich das noch ändern, kann ich das mit dem lockeren Reagieren ja gleich ein bisschen üben.

Autorin: Silke Schröckert

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