So klappt's Eingewöhnung im Kindergarten

Die erste Zeit im Kindergarten eröffnet Jungen und Mädchen eine völlig neue Welt. Damit sich die Kleinen schnell wohlfühlen, ist bei Eltern und Erziehern Fingerspitzengefühl gefragt.

Was mache ich, wenn ich hier auf die Toilette muss? Warum dürfen alle Kinder mit den Kuscheltieren spielen? Und wo ist Mama?“ Plötzlich ist alles anders: Während der ersten Tage im Kindergarten prasseln auf kleine Besucher jede Menge Veränderungen ein.

„Das ist eine sensible Zeit“, sagt Fabienne Becker-Stoll, Psychologin und Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik. Daher sollten sich die Eltern Zeit nehmen und ihr Kind begleiten, wenn es das neue Terrain erobert. „Eine bewusste Eingewöhnung zusammen mit Mama oder Papa ist Pflicht – egal ob das Kind ein wilder Feger oder ein stilles Wasser ist“, betont die Münchner Psychologin.

Denn selbst wenn sich der Nachwuchs gleich beim ersten Besuch begeistert den neuen Spielsachen widmet, fällt ihm vielleicht plötzlich ein: „Ich will zur Mama!“ Und dann sollte die Mama auch da sein. Fabienne Becker-Stoll erklärt: „Jedes Kind in diesem Alter braucht eine Person, an die es sich wenden kann, sozusagen als ‚sicheren Hafen’“. Das gilt in einer neuen Umgebung, aber auch nach einem Sturz von der Schaukel oder einem Streit mit Spielkameraden.

Zeit lassen

Kein Wunder, dass es da manchem Kindergartenstarter besonders schwerfällt, erst mal ohne diese wichtige Bezugsperson auszukommen. „In einer guten Einrichtung fragen die Erzieherinnen bereits beim ersten Kennenlerngespräch nach dem Charakter des Kindes und besprechen mit den Eltern, wie sie die Eingewöhnung gemeinsam gestalten“, sagt die Expertin. Sie empfiehlt, dass Mama oder Papa am Anfang mit in der Gruppe sitzen, während das Kind das Terrain auskundschaftet. Gleichzeitig kümmert sich die Erzieherin besonders um ihren Neuzugang – und baut so eine Bindung zu ihm auf. Nach ein paar Tagen reicht es oftmals, wenn der Sprössling Mutter oder Vater in der Nähe weiß. „Die Mama kann sich in den Flur setzen, oder beim Bäcker gegenüber einen Kaffee trinken. Das Kind muss wissen, dass sie im Notfall gerufen werden kann“, erklärt die Psychologin. So gewöhnt sich das Kind langsam daran, die Erzieherin als Vertrauensperson zu akzeptieren – und auch mal ohne Mama und Papa zu sein.

Den Start im Blick

Neben der neuen Bezugsperson bedeutet auch die unbekannte Umgebung Stress: Plötzlich gibt es einen riesigen Garten mit dunklen Ecken, die Toiletten sehen ganz anders aus als zu Hause und überall spielen fremde Kinder. Um den „Kulturschock“ möglichst zu mildern, erkunden Eltern und Nachwuchs den neuen Lebensraum am besten schon vor der Eingewöhnung. „Gehen Sie beim Spaziergang an der Einrichtung vorbei und schauen Sie den Kindern beim Toben im Garten zu“, rät Becker-Stoll. Auch ein Sommerfest oder ein Tag der offenen Tür sind gute Gelegenheiten, den Kindergarten in einer lockeren Atmosphäre für sich zu erobern – und dem kleinen Starter Lust auf die großartige Puppenecke oder das abenteuerliche Baumhaus zu machen. 

Konsequent bleiben

Doch auch die Vorbereitung hat mal ein Ende und die erste große Verabschiedung steht an. Dabei sollten die Eltern keinesfalls wehmütig auftreten, sondern sich liebevoll, aber bestimmt verabschieden. Wegschleichen sei dagegen keine gute Alternative: „Verlassen Sie die Einrichtung niemals, wenn das Kind vertieft spielt“, warnt die Psychologin. „Es kann traumatisch sein, wenn das Kind darauf vertraut, dass der Papa da ist, der aber plötzlich weg ist.“ Stattdessen braucht das Kind verlässliche Aussagen, wie: „Nach dem Essen hole ich dich ab!“ Dieses Versprechen sollten die Eltern auch unbedingt einhalten.

Aufmerksam sein

Kommunikation ist gefragt, wenn das Kind während der Eingewöhnung gleichzeitig an einer anderen emotionalen Baustelle laboriert. Etwa wenn ein Elternteil im Krankenhaus liegt oder Mama und Papa sich gerade trennen. Dann muss das die künftige Erzieherin wissen – und sollte im Notfall die Eingewöhnungsphase um ein paar Wochen verschieben.

Auch wenn ein neues Geschwisterchen kommt, bringt das die Welt des bisherigen Nesthäkchens oftmals durcheinander. „Fällt die Geburt auf den geplanten Starttermin im Kindergarten, würde ich die Eingewöhnung vorverlegen“, empfiehlt Fabienne Becker-Stoll. So bleibt genügend Aufmerksamkeit für den kleinen Debütanten, bevor das Baby kommt.

Egal ob der Kindergartenneuling aufgeschlossen oder schüchtern ist, die Expertin rät: „Eltern lassen sich am besten nicht von Vermutungen leiten und fragen stattdessen das Kind nach seiner Gefühlslage.“ Vielleicht belehrt der Sprössling die besorgte Mutter nach einer gelungenen Eingewöhnung ja eines Besseren und sagt: „Aber Mama, ich kann doch schon alleine bleiben, du darfst gehen!“

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