Kinderbetreuung „Auf die pädagogische Qualität kommt es an“

Private Anbieter von Kinderbetreuung müssen häufig teuer sein – ob sie wollen oder nicht. Erst eine gleiche finanzielle Förderung würde sie in die Lage versetzen, die Elternbeiträge auf das ortsübliche Niveau öffentlicher Einrichtungen abzusenken. Waltraud Weegmann, Geschäftsführerin der Konzept-e für Bildung und Soziales, plädiert dafür, vom Kind und seinem Recht auf Bildung auszugehen: „Jeder Träger, der hierzu einen qualitativ hochwertigen Beitrag leistet, sollte Anspruch auf die gleiche finanzielle Förderung haben.“

In der Diskussion: Staatliche Förderung privater Träger

Das Vorhaben der Bundesfamilienministerin, auch Krippen privater und nicht nur gemeinnütziger Träger staatlich zu fördern, ist in der Diskussion. Am Beispiel einzelner Einrichtungen, die mit Luxusangeboten und Elternbeiträgen bis zu 1.000 Euro pro Monat Angebote für Kinder von Besser- oder Spitzenverdienern schüfen, kritisieren Gegner die geplante Bezuschussungspraxis. Von mehr gesundem Wettbewerb sprechen die Befürworter. „Die Diskussion geht zum großen Teil an der Sache vorbei. Elternbeiträge sind nicht wegen eines besonderen Angebotes so hoch, sondern wegen der geringeren Bezuschussung für die nicht gemeinnützigen Träger“, sagt Waltraud Weegmann. Sie ist Geschäftsführerin der Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH in Gerlingen bei Stuttgart und führt im Auftrag von Unternehmen bzw. von deren Trägervereinen insgesamt 15 betriebsnahe und betriebliche Kinderhäuser.

Soziale Mischung wichtig

„Unser Ziel ist es, qualitativ hochwertige und am Bedarf der Eltern orientierte Ganztagsbetreuung für Kinder von sechs Monaten bis zu sechs oder zehn Jahren zu ortsüblichen Beiträgen anzubieten und dabei ist für uns häufig genug der Kampf um gleiche Bezuschussung das große Problem“, erklärt sie. Denn auch aus päda­gogischen Gründen strebt Konzept-e eine gute soziale Durchmischung in den Kinderhäusern an. Diese soziale Mischung, für die konkurrenzfähige Elternbeiträge die Voraussetzung seien, müsse auch ein Interesse der Kommunen und der Gesellschaft insgesamt sein. Schließlich strebten wir nicht angelsächsische Verhältnisse an. Dort gebe es für die Oberschicht elitäre private Kindertagesstätten. Der Rest der Kinder besuche die öffentlichen Einrichtungen. Dabei sei die Leistung in den privaten Einrichtungen nicht per se besser – eine oder zwei Stunden Massage oder Englisch in der Woche machen noch keine besonders gute Kita aus – Unterscheidungskriterien seien häufig allein die Finanzkraft der Eltern und damit die soziale Schichtung, so Weegmann.

Vergleichbare Gebühren bei gleicher Förderung

„Wenn wir die privaten Einrichtungen für alle Kinder zugänglich machen möchten, geht das nur, wenn alle Träger von den Kommunen gleich hohe Fördermittel erhalten, wie staatliche Einrichtungen. Das ist jedoch häufig nicht der Fall,“ berichtet Weegmann. Viele freie und private Träger müssen daher – ob sie wollen oder nicht – mehr Geld von den Eltern nehmen. Ein Krippenplatz kostet etwa 1.300 Euro im Monat. Dieser Betrag ist bei allen Anbietern ungefähr identisch. Die kritisierten „Luxusangebote“, wie etwa Massagen in einer privaten Münchner Krippe, verursachten nur vergleichsweise geringe Mehrkosten und seien keinesfalls der Grund für die hohen Beiträge der Eltern. „Wir führen einige Häuser, in denen die Kinder zweisprachig erzogen werden“, berichtet Weegmann. „Das verändert die Kostensituation aber nicht. Ausschlaggebend für die Elternbeiträge ist die Höhe der öffentlichen Förderung.“

Was brauchen die Kinder?

Außerdem, ärgert sich Weegmann, zäume die Diskussion das Pferd von hinten auf: „Die Fragen müssen doch lautet: 'Was brauchen unsere Kinder?' und 'Was bedeutet Bildung für die Kleinsten?'“ Es gehe um Qualität im Krippen- und Kitaalltag. Stärkerer Wettbewerb durch eine größere Träger- und Angebotsvielfalt helfe, sowohl das Angebot auszuweiten als auch das pädagogische Niveau flächendeckend zu heben. „Die Förderung sollte daher für gleiche Betreuungsplätze gleich sein und einheitliche Qualitätsstandards als Mindestvoraussetzung für die pädagogische Arbeit definieren. Der Status des Trägers kann aus meiner Sicht kein Kriterium für die Bezuschussung sein,“ sagt Weegmann.

Die anhaltende Betreuungs- und Bildungsdebatte zeigt, wie viel Diskussionsbedarf das Thema noch immer bereit hält. „Es gilt, die unterschiedlichen Interessen von Kindern, Eltern, Trägern, Unternehmen sowie Ländern und Kommunen zusammen zu bringen“, sagt Weegmann, die dazu den jährlichen Betreuungs- und Bildungskongress „Invest in Future“ initiierte. 2008 findet er am 13. und 14. Oktober in Stuttgart statt und beschäftigt sich unter anderem mit dem Management von Veränderungsprozessen im Bildungs- und Betreuungswesen.

Quelle: eoscript Public Relations, Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH

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