Familientheater im Schauspielhaus Hamburg Bühne frei für Robin Hood

Mogli, Peter Pan und das klassische Weihnachtsmärchen - mit drei Kindern haben wir alles schon gesehen, was die Theater-Bühnen in Hamburg an Kindertheater zu bieten haben.

Ein bisschen Kultur muss sein, finde ich. Dabei ist der Spagat zwischen der Kleinsten, mit ihren vier Jahren und dem Neunjährigen, relativ groß. Zum ersten Mal haben wir ihm das Weihnachtsmärchen frei nach den Brüdern Grimm erspart. Das sei Mädchenkram und er sei nun wirklich zu alt dafür. Meinte er. Ich liebe diese klassischen Märchen.

Zum Glück habe ich noch meine beiden Mädchen mit denen ich dort viele Jahre hingehen kann. Aber dennoch stellte sich nun die Frage: Was sehen wir uns stattdessen an? Welches Stück könnte dem Großen Spaß machen, aber auch zumindest der gerade acht Jahre alten Schwester. Und uns Eltern dabei auch noch. Nicht schon wieder Kindertheater, das steht fest. - Die Kleinste würden wir mit ihrer Lieblings-Babysitterin zu Hause lassen.

Kein Mädchenkram! Foto: Kerstin Schomburg

"Robin Hood! Da gehen wir hin!"

Die Rettung bringt uns das Deutsche Schauspielhaus Hamburg: Robin Hood. Da gehen wir hin! Eine Aufführung ab acht Jahren. Auf der Großen Bühne. Die beiden freuen sich riesig. Die Achtjährige kennt die Geschichte nur aus dem Disney-Zeichentrickfilm, der Neunjährige ist mit der Thematik schon etwas vetrauter.

Sie sind aufgeregt. Sie waren zwar schon in der Hamburger Oper und im Musical, aber noch in keinem großen "Erwachsenen-Theater", wie dem Deutschen Schauspielhaus oder dem Thalia Theater in Hamburg.

Im Foyer des Schauspielhauses drängen sich die Menschen. Die Kinder sehen sich neugierig um und bestaunen das prunkvolle Theater. Neugierig blättern sie durch das

Programmheft um schon mal etwas mehr über das Theaterstück zu erfahren. "Oh nein!", ruft die Achtjährige. "Robin Hood ist ja ein Mädchen!" Der Neunjährige brummelt. Das gefällt ihm auch nicht. Nicht schon wieder Mädchentheater. „Wartet mal ab“, sage ich. "Das ist nunmal so, wenn man in ein 'Erwachsenen-Theater" geht. Da ist manches anders, als man es erwartet. Manchmal findet man das dann tatsächlich blöd. Und manchmal ist es gerade deswegen total super."

Robin Hood ist ein Mädchen! Foto: Kerstin Schomburg

Robin verkleidet sich als Junge

Die beiden haben nun entdeckt, dass alle Personen aus dem Stück in Form von "Top Trumpf"-Karten in dem Heft abgebildet sind. Zum Herauslösen. Großartig. Noch mal schnell auf Toilette gehuscht und dann geht es auf die Plätze.

Robin Hood ist wirklich ein Mädchen. Aber Robin verkleidet sich als Junge und mit den langen Haaren unter der Mütze vergisst man manchmal wirklich sogar als Zuschauer, dass er eine Frau ist. Der Sheriff von Nottingham erkennt sie in dieser Verkleidung zunächst auch nicht. Der Sheriff ist übrigens auch eine Frau. Mit großen, schiefen Zähnen. Die Kinder lieben die "Sheriffin". Sie sorgt für so einige Lacher und lockert das Stück auf. Der Neunjährige lacht laut auf, als die Sheriffin "Expelliarmus!" ruft um einen von Robins Getreuen zu entwaffnen. Was natürlich auch nicht klappt.

"Mami, das ist die Schlange!", flüstert mir die Achtjährige aufgeregt ins Ohr. Ich weiß, dass sie nach Parallelen sucht zu dem Zeichentrick-Film über den Rächer der Armen. Sie deutet auf den gemeinen Bösewicht Guy von Gisborne. Der ist sehr böse. Und spielt das wirklich wunderbar.

Und dann ist da noch eine vertauschte Rolle: Bruder Tuck ist eine "Schwester Tuck". Und die verliebt sich auch noch in Robin. Wobei sie denkt, dass er ein "er" ist. Am Ende liebt sie ihn aber immer noch, obwohl sie nun weiß, dass er eine "sie" ist. Ein Verwirrspiel, mit dem die Kinder aber gut klarkommen. Überhaupt ist das Stück sehr gut verständlich.

Die Kinder stellen kaum geflüsterte Fragen. Die Dialoge auf der Bühne sind selbsterklärend. Die Drehbühne liefert verschiedene Schauplätze, auch das kennen die Kinder noch nicht. Spannend, lustig, schön - es ist alles dabei, was zu einem guten Familienstück gehört.

Das ist spannend! Foto: Kerstin Schomburg

Theater zum Anfassen

Aufregend wird es, als das Publikum mitmachen darf: Alle mal die Ärmel festhalten und dann die Arme in die Höhe und hin- und herschwenken. Was soll das sein? Ganz klar, der Ärmelkanal. Und jetzt wird es spannend: Robin und Prinz John wollen durch den Ärmelkanal schwimmen, um das Lösegeld für König Richard nach Frankreich zu bringen.

Sie turnen und klettern mit den Goldsäcken über die Sitze und Köpfe des Publikums hinweg - und das auch noch direkt an uns vorbei! Prinz John sieht mich und die Achtjährige, um die ich meinen Arm gelegt habe, kurz an und ruft: "Oh, ein Doppelfisch!" Der Fisch in meinem Arm flüstert: "Ich hab den Goldsack angefasst! Der ist ganz leicht, da ist gar kein Gold drin. Die tun nur so!" 

Nach einer Stunde und 40 Minuten ohne Pause ist die Aufführung zu Ende. Wir sind alle vier total begeistert: Definitiv ein großartiges Stück für die ganze Familie mit Kindern ab acht Jahren!

Jetzt haben wir Hunger. Es ist noch schön früh - die Vorstellung begann schon um 18 Uhr. Also schlendern wir die "Lange Reihe" hinunter. Hamburg und seine Straßen sind weihnachtlich beleuchtet. Es ist kühl und trocken.

Ein herrlicher Winterabend. Beim "Peter Pane" machen wir Halt. Während wir auf unsere Burger warten, lösen die Kinder die Trumpf-Karten aus dem Programmheft. Wir spielen und sprechen über das Stück. Eine tolle Inszenierung, finden wir Eltern. Für Erwachsene wie für Kinder. Bühne, Kostüme, Handlung - es war fantastisch. Die Kinder sind vor allem Fan von Robin, natürlich. Trotz langer Haare. Und trotz "Mädchen". Aber auch von der Sheriffin von Nottingham.

"Die war soooo lustig!", kichert die Achtjährige. Lustig fanden sie aber auch den Bruder des Königs. Aber wie haben sie das bloß gemacht, dass die Pfeile beim Bogenschießen-Wettbewerb genau die Mitte der Zielscheibe trafen? Können die wirklich so gut schießen? Wir sprechen über Tricks auf der Bühne und lösen das Rätsel. - Für die Kinder ist es total faszinierend, wie das Auge ausgetrickst werden kann. Und wie man das auf der Bühne ausnutzen kann.  

Die Achtjährige zupft mir am Ärmel: "Mami, können wir da nochmal hin?" - "Dann komme ich aber auch mit!", ruft der Große. 

Ein Vorstellung für die ganze Familie. Foto Kerstin Schomburg

Autorin: Sonja Wickmann

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