Kinderzimmer für Erstklässler Farbgestaltung: Wenn aus den Kindern Schüler werden

Gestern haben sie noch Strichmännchen gemalt, jetzt schreiben sie erste Aufsätze. Aus Kindern werden Schüler – und so muss auch ihr Zimmer altersgemäß mitwachsen. Dabei ist besonders die Farbgestaltung wichtig.

"Blau für Jungs" und "Rosa für Mädchen", das war gestern – inzwischen gibt es viele moderne Farbkombinationen, die das traditionelle Farbschema aufbrechen und erweitern – und die die Farbwirkung hinsichtlich des Raumcharakters berücksichtigen. Was sich vornehmlich geändert hat: In vielen Kinderzimmern bietet es sich viel mehr an, eine größere Flächenfarbe einzusetzen, die eine bestimmte Grundstimmung im Zimmer erzeugt, als dies früher bedacht, wurde. Besondere Bereiche, etwa zum Lernen oder Spielen, lassen sich gezielt mit harmonischen Akzentfarben abgrenzen.

Warme Farben und kühle Köpfe im Jungen- und Mädchenzimmer

Bei der Wahl der Kinderzimmerfarben sollten die Wünsche und Bedürfnisse des Kindes zwar im Vordergrund stehen – aber dabei müssen ebenso die psychologischen Erkenntnisse über Farbwirkung beachtet werden. "Aktive Kinder fühlen sich häufig mit dynamischen und vitalisierenden Farben wie Orangetönen wohl – profitieren aber gerade beim Lernen von beruhigenden Tönen wie kühlen Blaugrün-Nuancen, die dabei helfen, klar und strukturiert zu denken", rät Farbexpertin Isabelle Wolf. Eltern sollten sich deshalb vor der Auswahl der Zimmerfarben fragen, welche farblichen Vorlieben das Kind hat und welche Aufgaben es oft bewältigen muss. Die so gewählten Farben schaffen die optimalen Rahmenbedingungen für die neuen Bedürfnisse im Grundschulalter und passen vermutlich auch perfekt zum Charakter des Kindes.

Kräftige Grüntöne wie das oben gezeigte Froschgrün mit einem verstärkten Gelbanteil eignen sich besonders für den Arbeitsbereich in der ersten Schulzeit, da sie Kreativität und Inspiration fördern und gleichzeitig Harmonie herstellen: ein geeignetes Umfeld, um beispielsweise mit Buntstiften zu malen oder ausgedehnt nach Herzenslust zu basteln. Auch die Accessoires wie Schreibtisch oder Tischlampen können in ein solches Farbkonzept eingebaut werden. Abgerundet wird bei unserem Beispiel das auffällige Froschgrün vor dem Schreibtisch mit einem weichen Rosa, das dem Raum ansonsten eine besänftigende optische Leichtigkeit verleiht.

Farbenspaß fürs Kinderzimmer

Der Hersteller Alpina hat mit "Alpina Farbenfreunde" eine ganze Palette speziell für Kinderzimmer entwickelter Farbtöne auf den Markt gebracht. Die 24 Farbnuancen sind sorgfältig aufeinander abgestimmt und unterstützen die Entwicklung eurer Kinder. Erhältlich im Baumarkt, UVP 29,95 Euro/2,5 l. Mehr Infos: alpina-farben.de/kinderzimmer-farben

Das passende Holz wählen

Eine weitere geeignete Farbkombination: Beige und Hellblau mit einem kräftigen Rot, geeignet für Jungen und Mädchen gleichermaßen. "Warmes Hamsterbeige sorgt als Flächenfarbe gemeinsam mit Delphinblau für eine ausgleichende, ruhige Grundstimmung. Ein kräftiges Rot dagegen setzt vereinzelt farbliche Ausrufezeichen und regt zur Aktivität an", so Expertin Wolf. Noch ein Tipp: Zu dieser Art Farbgestaltung passt helles Echtholz, wie Kiefer mit sichtbaren Astspuren. Ein Materialmix aus griffigen, dicken Stoffen, wärmenden Fellen und schlichtem, kühlem Metall – etwa als Bettgestell oder Tischbeine – rundet das Gesamtbild ab. Der rote Akzentton muss dabei nicht unbedingt als Wandfarbe eingesetzt werden, sondern kann ebenso gut ein auffälliges Möbelstück oder Deko-Element sein.

Dynamische Komplementärfarben für Jungen- und Mädchenzimmer

Der Komplementärkontrast aus Rot und Grün wirkt generell sehr anregend und dynamisch – kann bei den reinen Grundfarben aber auch etwas überreizen. Daher empfiehlt die Farbexpertin, eine von beiden Komplementärfarben abzumildern. Ein sattes Blaugrün wie das verwendete Drachengrün kann durch helles Papageiengrün ersetzt werden, knalliges Rot balanciert aus und bildet durch seinen hohen Gelbanteil eine optische "Brücke" zu warmen Tönen.

Drachengrün fördert im Wechselspiel mit kräftigen roten Elementen im Zimmer Kreativität

Kräftiges Rot als Signalfarbe für Aktivität einsetzen

Bei der Planung des Farbmixes im Schulkindzimmer müssen auch die Akzente in Tisch und Stühlen, Kissen und Teppichen oder Gardinen gestalterisch eingesetzt werden. So mit Rottönen. Das Beispiel oben zeigt, wie der Teppich quasi lebhaft wirkt. Grüntöne sind sowohl im Lern- als auch im Schlafbereich passend. In Kombination mit Beige und knalligen roten Wohnaccessoires wie Kissen oder einem Bücherregal ist die Farbgebung komplett. Besonders gut eignet sich diese Kinderzimmergestaltung für sonnige Südräume, deren warmes Tageslicht allen Farbtönen einen goldgelben Schimmer verleiht und sie dadurch noch besser zur Geltung bringt. Aber auch kühle Nordzimmer werden durch diese Farbkombinationen optisch etwas "aufgewärmt".

Dazu passen ideal helle Hölzer wie Birke, Kiefer oder Esche – sie unterstreichen die wohlig warme Atmosphäre der Farbwirkungen. Damit ein Kinderzimmer jedoch nicht unterkühlt wirkt, ist es sinnvoll, die frischen Farbtöne mit warmen Farben auszubalancieren. Diese können sich sowohl in der Wandfarbe, als auch in Wohnaccessoires oder dem Holzfußboden wiederfinden. Ideal dazu passt helles Holz, mit warmem Unterton wie Esche oder Erle. Die warmtonigen Hölzer harmonieren bestens mit Hamsterbeige und bilden gemeinsam einen ausgleichenden Gegenpol zum kühlen Seebärblau. Naturmaterialien wie weiche Wolle, Sisal oder Rattan runden das Gesamtbild ab. Das Ergebnis ist ein Kinderzimmer, in dem sich gerade Abc-Schützen wohlfühlen und gut lernen, spielen und entspannen können.

Einhornrosa auf der Wand, im Kontrast mit Papageiengrün in der Dekoration

Zarte Töne für das leicht verspielte Mädchenzimmer

Für Bereiche, in denen sowohl gespielt als auch entspannt wird, eignet sich peppiges Flamingorosa. "Der verspielte Rosaton fördert die Inspiration und regt die Fantasie an. Er wirkt belebend und schafft eine positive Grundstimmung. Es entsteht eine verträumte Stimmung im Kinderzimmer." Ein frisches, sattes Grün balanciert die Rosétöne aus, gibt dem Kinderzimmer mehr Struktur und wirkt anregend durch die Komplementärwirkung. Gleichzeitig strahlt es eine kraftvolle Ruhe aus und fördert die Konzentrationsfähigkeit bei Schulkindern. Zu dieser Farbkombination passen dunkle Hölzer wie Walnuss – das schafft einen tollen Kontrast im Mädchenzimmer und lässt es gleich etwas erwachsener wirken. Flauschige Teppiche, weiche Felle und ein Mix aus romantischen Accessoires macht das Prinzessinnenzimmer perfekt. Soll es hingegen etwas weniger märchenhaft aussehen, können die grünen Farben stärker eingesetzt werden und sich auch in den Kindermöbeln wiederfinden. Mit mehr Fokus auf Blaugrün, etwa in Kissen, Bettwäsche oder Gardinen, wirkt das Mädchenzimmer frisch und fröhlich.

Wann sollen Kinder mitbestimmen?

Im Vorschulalter entwickeln Kinder immer mehr ihren eigenen Geschmack und Willen, auch bei der Einrichtung des Kinderzimmers. Das hat allerdings Grenzen: So muss es bei der Farbgestaltung der Wände durchaus nicht die Lieblingsfarbe des Sprösslings sein, wenn sie z. B. zu grell oder dunkel ist. Also: die Lieblingsfarbe abtönen, nur eine Wand damit streichen und die gewünschte Farbstimmung über Accessoires wie Kissen, Kuscheltiere oder eine Decke im Raum erzeugen. In der ersten Schulzeit wollen die Kids ein eigenes Reich, wo sie sich auch zurückziehen können. Ab etwa zehn Jahren sind sie in der Lage, die Einrichtung ihres Zimmers mitzubestimmen – von der Auswahl der Möbel über die Farbe der Wände bis hin zu Deko-Elementen wie Leuchte oder Teppich. Eltern können diese Entscheidungskompetenz fördern, indem sie die Wunschliste der Sprösslinge gemeinsam diskutieren – und überzogene Ideen mit vernünftigen Argumenten verhindern.

Unsere Expertin

Isabelle Wolf, Publizistin und Buchautorin; Einrichtungsberaterin u. a. für Alpina

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