Speiseplan im Kindergarten Im Leckerland: Gesundes Essen in der Kita

Kinder mögen kein gesundes Essen? In einigen Kindertagesstätten schon! Beispiele aus Würzburg und Hamburg belegen, dass ausgewogene Kost weg geht wie warme Semmeln.

"Das will ich alles nicht mehr." Dieser Satz war die Initialzündung. Als Christine Labisch, Leiterin der Montessori-Kita der Erlöserkirche in Würzburg, ihn ausrief, ahnte ihre Freundin Sylvia Popp ("Gesund und nachhaltig kochen in der Kita“, 16,90 Euro) noch nicht, wie er ihr Leben verändern sollte: Denn seitdem kocht die 54-Jährige täglich für 100 Kinder. Bis dahin war Essen in der Tageseinrichtung Grund für Streit: Besonders das Pausenbrot, das die Kinder von Zuhause mitbrachten, wurde oft zum Zankapfel. Diejenigen, die keine Croissants oder Schokoriegel als Zwischenmahlzeit dabei hatten, waren neidisch, wollten ihre gesunde Brote nicht mehr essen. Also wurde ein Catering-Unternehmen beauftragt, Mittagessen zu liefern – die Mahlzeit landete jedoch oft im Müll, weil es die Kleinen nicht mochten. Das war die Stunde von Silvia Popp.

Andi (re.) und Ronny von der Küchencrew erklären Anton die Getreidemühle

Die Vollzeit-Oma mit zwei Enkeln in der Kita stellte die Lebensmittelausgabe von reiner Verpflegungskost auf eine vollwertige, biologische und vegetarische Ernährung um. Auch in der Hamburger "Kita Lernhafen" wird selbst gekocht: Der Betreiber der privaten Kindertagesstätte, Christian Rowe, bereitet mehrmals in der Woche das Essen zu. Zwei bis drei Mal wird Bio-Essen von einem Caterer geliefert – und ab und an brutzelt und rührt Christian auch zusammen mit den Kita-Kindern, "damit sie kennenlernen, wie Lebensmittel zum einen aussehen und zum anderen, wie man sie lecker zubereiten kann."

 

 

Nicht auf Süßes ganz verzichten

Sein Prinzip: Viel Gemüse und Obst kommt auf den Tisch, "ausgewogen und vielfältig soll es sein." Süßigkeiten sind nicht tabu – die Eltern haben zugestimmt, dass "nicht generell auf Nachtisch wie Götterspeise verzichtet werden soll." Allerdings geben viele Mamas und Papas Süßigkeiten zur Geburtstagsfeier mit: "Und davon haben wir ja manchmal zwei, drei die Woche – das müssen wir schon steuern", sagt der Kita-Betreiber. Der Caterer liefert das morgens gekochte Mittagessen allerdings schon gegen 11 Uhr an, es ist also um 13 Uhr nicht mehr sehr frisch. "Wenn ich koche, ist es frischer, auf den Punkt zubereitet und wir wissen garantiert, was drin ist", sagt Kita-Chef Christian.

Nachschlag gibt‘s nur, wenn aufgegessen wurde

Frisches kommt jeden Tag auf den Kita-Tisch

Das Frühstück ist für viele Kita-Kinder die erste Mahlzeit des Tages. Bringen die Kinder ihr Frühstück für den Kindergarten beispielsweise selbst in einer Brotdose mit, sollte es eher Vollkornbrot enthalten und kleingeschnittenes Gemüse. Auch Obst als süße Alternative. Was letztendlich in die Brotbüchse hineinkommt, obliegt den Eltern. Viel Aufklärungsarbeit kann bewirken, dass die Frühstücksdose viel Gesundes enthält und auch die mitgegebene Zwischenmahlzeit einen ausgewogenen Fett- und Zuckergehalt hat. Ein Schokoriegel ist daher nicht die beste Snack-Wahl.

Kleine Zwischenmahlzeiten sind auf jeden Fall erlaubt

Der richtige Ernährungsplan für Kinder kann vegetarische, vegane sowie Fleisch- und Fischgerichte beinhalten. Eine Fleischmahlzeit pro Woche ist ausreichend, da die Kinder in der Regel am Wochenende noch ein Fleischgericht zu Hause essen. Eine kalorienbewusste Ernährung, mit gesunden Pausensnacks, ist vorzuziehen. Auch vegane Gerichte eignen sich hervorragend, wenn sich eure Einrichtung entschieden hat, kalorienbewusst zu ernähren. Hierbei sollte lediglich auf die reichliche Auswahl proteinhaltiger Lebensmittel (z. B. Hülsenfrüchte) geachtet werden, um den Eiweißbedarf der Kinder decken zu können. Snacken erlaubt! Eine kleine Zwischenmahlzeit am Vormittag und eine am Nachmittag gehören auch zu einer abwechslungsreichen Kost. So kommen die Kinder fitter durch den Tag. Aber es ist natürlich wichtig, was gesnackt wird. Statt Schokoriegel & Co. empfehlen Experten eine Kombination aus Obst oder Gemüse, Milch- und Vollkornprodukten.

Das gebe ich meinen Kindern mit in die Kita

"Als Kind war bei mir die Freude immer riesig, wenn ich etwas 'Besonderes' in der Brotdose hatte. Das probiere ich heute auch bei meinen eigenen Kindern umzusetzen: Die Brotdosen sollen Spaß machen, durch viel Fingerfood zum Beispiel. Dann schmeckt alles gleich viel besser. Meine Kinder gehen in Einrichtungen mit unterschiedlichen Regeln: Die eine ist etwas lockerer, wenn es um Süßes geht, die andere deutlich strenger. Ich probiere, fair zu bleiben und achte auf ausgewogene Snacks. So entsteht keine Eifersucht unter den Geschwistern, weil einer etwas mitbekommt, was der andere in der Kita nicht essen darf. Kleingeschnittenes Obst (z. B. Apfel oder Banane), dann Milchprodukte wie zum Beispiel "Fruchtzwerge" und dann noch Brot oder Zwieback." Silke Schröckert, Chef-Mama-REPORTERIN

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