Kids für Bücher begeistern Kleine Leseratten

Wie Eltern bei ihren Kindern das Interesse an Büchern wecken? Zum Beispiel mit der klassischen Gute-Nacht-Geschichte.

 

Lesen ist nicht nur pures Vergnügen, sondern die Grundlage allen Lernens. Studien zeigen: Kinder und Jugendliche, denen in der Kindheit vorgelesen wurde, lesen später häufiger, länger und mit mehr Spaß, sind durchschnittlich eine drittel Schulnote besser und musisch, kreativ und körperlich aktiver als Kinder, denen nicht vorgelesen wurde. Je früher ein Kind also in Kontakt mit Literatur kommt, desto besser. „Idealerweise beginnen Mütter und Väter schon im frühen Kleinkindalter mit dem Vorlesen“, sagt Sabine Bonewitz von der Stiftung Lesen. „Es schafft Nähe und Vertrauen und bedeutet Zuwendung. Beim Betrachten eines Bilderbuchs lernt bereits das kleine Kind die Welt um sich herum kennen und seinen Alltag zu verstehen. Gleichzeitig fördert das Vorlesen spielerisch die Sprachentwicklung.“ 

 

Knapp die Hälfte der Eltern greift regelmäßig zum Buch

Bereits im zarten Alter von einem halben Jahr können sich Babys mit Bilderbüchern beschäftigen. Am Anfang sind die Elementarbilderbücher natürlich mehr ein Spielzeug für das Baby, das es mit allen Sinnen „be-greift“. Nach und nach stellt sich dann das Interesse an den Abbildungen, am Text und den Geschichten ein, die dort erzählt werden. Letztendlich startet nahezu jede Lesekarriere mit dem Vorlesen, also mit dem Engagement der Eltern. In den letzten Jahren – das belegt die Vorlesestudie 2013 der Stiftung Lesen, der Deutschen Bahn und der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ – ist der Anteil der Eltern, die ihren drei- bis fünfjährigen Kindern mindestens einmal pro Woche vorlesen, gestiegen. Väter, die eine wichtige Vorbildfunktion haben, um zu zeigen, dass Lesen nicht nur „Frauensache“ ist, lesen inzwischen zwar öfters vor, aber in den meisten Familien machen das nach wie vor die Mütter. Sabine Bonewitz: „Die Ergebnisse zeigen, dass die vielfältigen Leseförderungsprojekte wie der bundesweite Vorlesetag und das „Lesestart“-Programm Früchte tragen. Sie bestärken uns, in unserem Engagement für die Leseförderung nicht nachzulassen, denn nach wie vor besteht in 30 Prozent der Familien, in denen Eltern ihren Kindern nicht oder nur selten vorlesen, weiterhin dringender und flächendeckender Handlungsbedarf.“ 

 

Auf die Vorlieben der Kinder eingehen

Für die spätere Lesefreude ist das Elternhaus ungemein wichtig. Kinder sollten zuhause eine lesefreundliche Atmosphäre kennen lernen, in der Gute-Nacht-Geschichten und Gespräche über Gelesenes zum Alltag gehören. Es gibt eigentlich kein Kind, das sich nicht für die Fantasiewelten der Bücher begeistern lässt. Eltern sollten dabei auf die Vorlieben und Interessen ihrer Kinder eingehen, anstatt in erster Linie Leseempfehlungen zu berücksichtigen. Denn: Was hilft das pädagogisch wertvollste Buch, wenn es das Kind einfach nicht fesselt? Auch Comics haben durchaus ihre Berechtigung. Bildergeschichten auf DVD und Hörbücher sind eine gute Ergänzung zu Büchern. Besonders dann, wenn Mama und Papa einmal keine Zeit zum Vorlesen haben. Allerdings: Langfristig sind sie kein Ersatz für Bücher. Denn das Bestechende am Vorlesen ist das Interaktive, der Dialog, der zwischen großem Vorleser und kleinem Zuhörer entsteht – über Alltagsdinge, eventuelle Probleme und Fragen, die beim Lesen aufgetaucht sind.

 

Lesen soll Spaß machen

Manche Eltern beobachten, dass sich der Nachwuchs beim Vorlesen nur schlecht konzentrieren kann. In diesem Fall einfach kürzere Passagen vorlesen, und das Kind durch Fragen einbinden: „Wie könnte die Geschichte weitergehen? Wie endet sie wohl? Was meinst du dazu?“ Auch Wimmelbücher ohne Text eignen sich für kleine Zappelphilippe – sie schulen die Aufmerksamkeit der Nachwuchsleser. Wichtig: Vorlesen soll in erster Linie Spaß machen und auf keinen Fall eine Pflichtveranstaltung werden. Egal, wie der Einstieg in die Welt der Geschichten und Märchen aussieht, ob mit frei erfundenem Geschichtenerzählen, abendlichem Vorlesen oder mittels Hörbüchern – Eltern sind für ihre Kinder die Wegbereiter in die Abenteuerwelten von Ritter Rost, Harry Potter und anderen Helden. „Väter und Mütter haben eine große Vorbildfunktion, um ihren Kindern Lust und Spaß am Lesen zu vermitteln“, betont Sabine Bonewitz. Die Expertin rät, das Vorleseritual beizubehalten, auch wenn das Kind in die Grundschule kommt. „Leseanfänger genießen es nämlich sehr, wenn zu Hause weiter vorgelesen wird. Und wenn sich Eltern und Kinder später gegenseitig vorlesen, erfüllt das beide mit Stolz.“ 

 

Vorlesen per Smartphone und Tablet

Smartphone, Tablet & Co. sind aus dem Familienalltag nicht mehr wegzudenken: Laut der Vorlesestudie 2012, bei der Eltern mit Kindern im Alter von zwei bis acht Jahren befragt wurden, verfügen 81 Prozent der Familien über mindestens ein Smartphone im Haushalt, ein Viertel über ein Tablet. Und: Jede siebte Familie nutzt Bilder- beziehungsweise Kinderbuchapps. Dabei lesen Mütter und Väter vor dem Einschlafen bewusst aus Büchern vor, Apps sind hingegen für unterwegs und zwischendurch. „Viele digitale Angebote besitzen ein großes zusätzliches Potenzial, um Kinder zum Lesen zu motivieren. Sie ersetzen jedoch nicht das Vorlesen und gemeinsame Erzählen mit dem realen Buch, einem spannenden Comic oder einer Zeitschrift“, sagt Sabine Bonewitz.

Infos zum  Vorlesen und Erzählen für Eltern mit kleinen Kindern unter www.lesestart.de

Unsere Expertin

Sabine Bonewitz, Leiterin des Programmbereichs Familie der Stiftung Lesen, www.stiftunglesen.de

 

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