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Interview mit Löwentrainer

"Mia und der weiße Löwe regt Helikopter-Eltern zur Selbstreflexion an!"

Am 31. Januar startet "Mia und der weiße Löwe" in den Kinos: ein Film, in dem ein junges Mädchen an der Seite eines echten Löwen spielt.

Unsere Autorin Silke hat sich mit Löwentrainer Kevin Richardson zum Interview verabredet.

wirEltern.de: Herr Richardson, in einem anderen Interview sagten sie, das Problem sei nicht, die passende Darstellerin für die Rolle der Mia zu finden – das wahre Problem sei, Eltern zu finden, die verrückt genug sind, ihnen ihre Tochter für die drei Jahre andauernden Dreharbeiten mit einem echten Löwen zu überlassen. Also: Wie verrückt sind die Eltern von Hauptdarstellerin Daniah de Villiers wirklich?

Kevin Richardson: (Lacht) Das ist eine großartige Frage. Ich sehe das so: Jeder, der so etwas tut, wie die beiden es für ihre Tochter getan haben, ist verrückt – auf eine gute Art. Wissen sie: Die haben ihre Jobs gekündigt, sind für die Dreharbeiten mit der ganzen Familie nach Johannisburg gezogen und haben Daniah und ihre Schwester zu Hause selbst unterrichtet, damit sie nicht den Anschluss verlieren – all das, um den Traum ihrer Tochter zu erfüllen. Also: Ja, natürlich sind sie verrückt. Aber im allerbesten Sinne.

Der eigene Sohn war noch zu jung

wirEltern.de: Sie hatten darüber nachgedacht, Ihren eigenen Sohn für die Rolle zu casten – er war jedoch zu jung dafür. Hätten sie diesen Gedanken auch gehabt, wenn nicht sie selbst es gewesen wären, der die Löwen trainiert hätte?

Kevin Richardson: Ich bin ehrlich: Nein, ich denke nicht, dass ich das getan hätte. Wäre er alt genug gewesen, ja, dann hätte ich die Verantwortung übernommen, dieses Projekt mit meinem eigenen Sohn anzugehen. Aber ich kann mir gerade nicht vorstellen, wie es wäre, ihn in die Hände und die Verantwortung einer anderen Person zu übergeben, so wie Daniahs Eltern es getan haben.

Daniah war von Anfang an entspannt

wirEltern.de: Und wenn es sein großer Traum gewesen wäre, so wie im Fall von Daniah?

Kevin Richardson: Ja, vermutlich hätte ich es dann doch getan.

wirEltern.de: Warum wurde ausgerechnet Daniah für die Rolle gecastet?

Kevin Richardson: Das ist einfach: Sie war ruhig. Und relaxed. Sie hat nicht probiert mich zu beeindrucken. Sie saß einfach da, hat zugehört, und nicht probiert mich zu beeindrucken. Das war genau das, was ich brauchte.

wirEltern.de: War sich das junge Mädchen der Verantwortung bewusst, die die Arbeit mit einem wilden Tier mit sich bringt?

Kevin Richardson: Ja. Genau wie ihre Eltern und alle anderen Beteiligten. Es war allen klar: Das hier ist kein Spielplatz, das sind keine Haustiere. Daniah war elf Jahre alt, als wir mit den Dreharbeiten begannen – und sie hat es absolut verstanden.

"Überfürsorge ist nicht gut für Kinder"

wirEltern.de: Ab welchem Alter ist ein Kind alt genug, die Bedürfnisse eines Tieres zu verstehen – sei es nun ein Haustier oder ein wildes Tier?

Kevin Richardson: Eine gute Frage – auf die es keine richtige Antwort gibt. Es gibt kein spezifisches Alter. Manche Kinder verstehen es einfach, andere nicht. Ich habe schon mit vier Jahren meinem Vater dabei geholfen, Baby-Vögel groß zu ziehen. Das bedeutete: Wecker stellen, nachts aufstehen und die Vögel füttern. Es gehörte einfach dazu, und ich habe es getan. Manche Kinder sehen Tiere als Spielzeug. Andere sehen mehr in ihnen, sie wollen auf sie aufpassen, sich um sie kümmern. Das hat mit dem Alter nichts zu tun.

wirEltern.de: Mia sieht in dem weißen Löwen sehr viel mehr als ein Spielzeug. In dem Film möchte sie ihn retten, flieht dafür mit ihm. Ein junges Mädchen und ein wilder Löwe: Das muss der Alptraum aller Eltern sein. Welche Reaktion erwarten sie von der Generation "Helikopter-Eltern", wenn sie diese Szenen im Kino sehen?

Kevin Richardson: Ich hoffe, sie werden einsehen, dass Überfürsorge wirklich keine gute Sache für die Entwicklung eines jungen Menschen ist. Hoffentlich regen diese Szenen alle Helikopter-Eltern zur Selbstreflexion an – dann würde "Mia und der weiße Löwe" einen wirklich guten Anstoß geben

Über den Film

"Mia und der weiße Löwe" handelt von einem Mädchen und seiner innigen Freundschaft zu einem weißen Löwen. In dem Film entschließt sich die Familie der elfjährigen Mia dazu, eine Löwenzuchtfarm in Südafrika zu übernehmen. Mia kann sich nicht eingewöhnen. Zu groß ist die Sehnsucht nach der Heimat London. Eines Tages überrascht der Vater die Familie mit einem weißen Löwenbaby: Charlie. Nachdem Mia sich anfänglich sträubt, erobert Charlie schließlich ihr Herz.

Das Besondere: Der Film wurde über einen Zeitraum von drei Jahren gedreht. Die Zuschauer können Mia und den Löwen Charlie dadurch tatsächlich beim Aufwachsen begleiten. Der "Löwenflüsterer" Kevin Richardson hat die Dreharbeiten begleitet und Hauptdarstellerin Daniah de Villiers über den kompletten Zeitraum hinweg betreut. Alle Szenen wurden ohne Tricktechnik gedreht. Der Löwen-Experte beaufsichtigte sämtliche Interaktionen zwischen den Charlie, den anderen Löwen und den schauspielenden Kindern. Der Film kommt am 31. Januar 2019 in die Kinos, der Verleih ist StudioCanal Deutschland.

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Unsere Expertin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages. Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei wireltern.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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