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Wir engagieren uns für Kinder

Basteln, Malen und Hilfe bei den Hausaufgaben

Sie bekommen zwar kein Geld, aber ein Kinderlachen zurück. Drei ehrenamtliche Heferinnen kümmern sich in der „Arche“ Berlin-Reinickendorf um sozial benachteiligte Kinder.

Mit einer Kündigung fing alles an. Als Anita Drews (53) aus Berlin erfuhr, dass sie ihre Stelle als Diätassistentin verlieren würde, war das ein Schlag. „Ich habe in einer Klinik die Lehrküche geleitet, dann war Schluss“, erzählt die Berlinerin. „Wie schwer es ist, mit 53 Jahren wieder einen Job zu finden, das habe ich nach vielen Bewerbungen gemerkt. Und ständig zu Hause sitzen wollte ich auch nicht.“ So griff Anita zum Telefonhörer und erkundigte sich, welche soziale Einrichtung in Berlin Verstärkung braucht. Und Hilfe wurde tatsächlich gesucht: nur wenige Minuten von der eigenen Haustür entfernt., bei der „Arche“ in Reinickendorf.

„Die Arche“ kämpft gegen die Kinderarmut

Das christliche Kinder- und Jugendhilfswerk will die Kids „von der Straße holen”. Die Kinder bekommen kostenlos eine warme Mahlzeit und Hausaufgabenhilfe. Außerdem gibt es ein Freizeitprogramm. „Die Arche“, 1995 in Berlin gegründet, finanziert sich zu 100 Prozent aus Spenden. Mittlerweile gibt es die Jugendeinrichtung an zehn Standorten in Deutschland.

Spaß mit Farben und Pinseln

Inzwischen gehört Anita zum festen Stamm der freiwilligen Mitarbeiter. Montag ist ihr Arche-Tag. Auch wenn ihre Fähigkeiten als Diätassistentin bisher nur selten zum Tragen kamen, lässt ihr die Jugendeinrichtung die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen. „Einmal haben wir einen alternativen Schokocreme-Aufstrich gemacht. Etwas Leckeres aus Nüssen und Honig.“ So etwas, da ist sich Anita sicher, könne man im Grunde häufiger in Angriff nehmen. „Aber der Platz in der Küche ist begrenzt – es passen nur drei bis vier Kinder rein – und der Backofen fehlt.“ Einfacher gestalten lassen sich kreative Stunden mit Farben und Pinseln. Die Aquarellmalerei ist eins von Anitas Hobbys: „Ich habe schon vorher gern mit meinen drei Enkeln gemalt. Und nun auch hier. Am Ende strahlen die Kinder immer, umarmen mich und sagen: ‚Ich freu mich auf nächste Woche.’“

Familie und Ehrenamt haben Vorrang

Seit rund zwei Jahren stellt Sigrid Kallmeter ihre Berufserfahrung als Erzieherin und Musikpädagogin der „Arche“ ehrenamtlich zur Verfügung. „Am Anfang wollte ich einen kleinen Chor gründen“, sagt die 50-Jährige. „Aber das hat nicht geklappt, Singen ist wohl nicht ‚cool‘ genug. So haben wir uns aufs Basteln verlegt.“
Seitdem entstehen an den Werktischen der Jugendeinrichtung Herzen für Mütter, kleine Tischlaternen, Rasseln und Lesezeichen mit bunten Mustern. Was Sigrid Kallmeter den Kindern vermitteln will, ist Ruhe und Konzentration. „Die Basteleien müssen kurzweilig sein und schnell ein Ergebnis bringen. Am besten schon nach zehn Minuten“, so die Erzieherin. Und weil sich die kleinen Bastler doch von ihrer Arbeit ablenken lassen und nicht alle Pläne zum Abschluss kommen, braucht es Geduld und Gelassenheit. Um sich noch mehr für ihre Familie und ihre Aufgaben in der örtlichen Kirchengemeinde zu engagieren, entschied sich Sigrid Kallmeter, im Erwerbsleben kürzer zu treten. „Ich habe meine Tätigkeit als Honorarkraft vor kurzem beendet, weil mein Mann genug verdient.“ Die Erzieherin plädiert dafür, auch solchen Lebensvorstellungen Achtung entgegenzubringen, die nicht ausschließlich auf berufliche Erfolge abzielen. „Es kann auch glücklich machen, einfach nur Mutter zu sein.“

Nachhilfe für bessere Noten

Es ist Nachmittag, die Hausaufgaben nerven, die Kids wollen spielen. Aber Brigitte Malies bleibt hart. Levin und Najat wissen: Sie werden diesen Raum nicht eher verlassen, bis die Arbeit erledigt ist. Die Lerntherapeutin übt mit ihnen eine Zielstrebigkeit und Konsequenz, wie sie sie zu Hause viel zu selten erfahren. Brigitte Malies sitzt in der Arche mehrmals die Woche, bis zu acht Stunden. So lange wie es eben nötig ist, dass alle Kinder ihre schulischen Pflichten erfüllen. „Im Team der Arche gab es vor einiger Zeit eine Lücke. Und ich bin eingesprungen“, erzählt die 50-Jährige von ihrem Einstieg ins Ehrenamt. Nachdem sie ihre eigene lerntherapeutische Praxis geschlossen hat, sorgt sie dafür, dass die Arche nicht nur Freizeitprogramm bieten kann, sondern auch die Möglichkeit, sich in der Schule zu verbessern. „Erst servieren wir ein Mittagessen. Dann steht die Arbeit vor dem Vergnügen“, sagt Brigitte Malies in der ihr eigenen verbindlichen, pflichtbewussten Art. „Die Hausaufgabenhilfe ist der wichtigste Bestandteil im Nachmittagsprogramm. Wir bestehen darauf, dass alle Kinder daran teilnehmen. Und es hilft.“
Besonders stark gefordert ist die Lerntherapeutin dann, wenn die schulischen Schwierigkeiten auf Verständigungsproblemen beruhen. In vielen Fällen können Eltern nicht helfen, weil sie der deutschen Sprache nicht mächtig sind. „Da müssen wir besonders gezielt helfen und gehen auch in die Schulen, um mit Lehrern zu besprechen, woran wir am dringendsten arbeiten müssen. Nur weil die Kleinen keine guten Noten nach Hause bringen, heißt das nicht, sie wären dumm“, sagt Malies. Draußen dämmert es langsam, da entlässt sie die letzten Kinder in ihre wohlverdiente Freizeit. Auch diejenigen, die wieder einmal versucht haben, sich vor den lästigen Schularbeiten zu drücken. „Manche behaupten, sie hätten nichts auf. Aber da schauen wir besonders genau ins Schulheft.“
Brigitte Malies rückt ihre Brille zurecht und schmunzelt ein wenig. „Wir kennen ja unsere Pappenheimer.“

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