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Kleine Einsteins

Daran erkennst du, dass dein Kind hochbegabt ist

Rund drei Prozent aller Kinder verfügen über eine überdurchschnittliche Intelligenz - und gelten damit als hochbegabt. Hochbegabung zu erkennen und den Nachwuchs dann entsprechend zu fördern, ist allerdings eine große Herausforderung für die Eltern und Erzieher. Aber auch eine große Chance. Zehn Anzeichen, an denen du erkennst, dass dein Kind hochbegabt ist.

Nach der Unendlichkeit gefragt, hat Albert Einstein einst geantwortet, dass wohl das Universum und die Dummheit unendlich seien. Nur bezüglich des Universums sei er sich nicht ganz sicher. Einstein war ein Genie. Ähnlich wie er leiden viele Hochbegabte unter der Dummheit und den Vorurteilen ihrer Umgebung. Solche Menschen gelten gerne als Produkt überehrgeiziger Eltern, die sie zu Sonderlingen mit reichlich sozialen Problemen erzogen hätten. Natürlich ist das Unsinn. Denn: Typisch hochbegabt gibt es gar nicht. Leider fällt eine Hochbegabung oft erst dann auf, wenn es zu Auffälligkeiten im Alltag kommt.

Wie man eine Hochbegabung erkennen kann

Da ist etwa der sechsjährige Jannik, der sich unterfordert fühlt und die Klasse stört. Oder die achtjährige Jasmin, die lieber mit älteren Kindern spielt und keine Freunde an der Schule hat. Max ist an der Grundschule ein hervorragender Schüler. Für ihn ist aber alles zu leicht und er überspringt eine Klasse. An der weiterführenden Schule kommen dann die Probleme. Max erhält zunehmend schlechte Zensuren – er mag nicht lernen und fühlt sich dumm. Max hat nie gelernt sich zu konzentrieren und zu lernen. 

Das sind Fälle, in denen ein frühzeitiges Erkennen der Hochbegabung die Kinder vor Schwierigkeiten schützt. Wie lässt sich nun eine Hochbegabung erkennen? In ihrem Buch „Hochbegabt – und trotzdem glücklich“ erklären die Psychologen Herbert Horsch, Götz Müller und Hermann Josef Spicher: „Hochbegabte Kinder haben eine sehr gute Auffassungsgabe, besitzen ein ,Elefanten-Gedächtnis’ und können gut Querverbindungen zwischen verschiedenen Sachverhalten herstellen ... Wenn sich ein Kind dadurch auszeichnet, dass es viele Sachen im Kopf behält, sich an Details von Urlaubsreisen und Gesprächen erinnert und in seinen Aussagen verschiedene Aussagen miteinander verknüpft, dann ist das ein Anzeichen für eine hohe intellektuelle Begabung.“ Das heißt zwar zunächst wenig, sollte dennoch genügend Anlass bieten, einen spezialisierten Psychologen aufzusuchen, der standardisierte IQ-Tests durchführt. Ab einem IQ von 130 gilt der Mensch als hochbegabt. Das trifft etwa auf zwei Prozent unserer Bevölkerung zu. Die Tests sind wichtig:

Warum bestimmte Tests für die Einschätzung so wichtig sind

1. Es gehört zur Identitätsfindung eines Kindes, zu wissen, was mit ihm los ist.
2. Ein falscher Erziehungs- und Bildungsweg führt zu nachhaltigen Problemen.
3. Jedes Kind hat das Recht auf individuelle Förderung. Zwar entwickelt sich Hochbegabung aus den Genen. Was daraus entsteht, hängt aber ganz stark von der Umgebung ab. Für diese, vor allem für die Eltern, stellen hochbegabte Kinder eine ordentliche Herausforderung dar. Die siebenjährige Milena will immer alles wissen. Als sie beim Einkaufen einen Einbeinigen sieht, fragt sie ihre Mutter: „Wieso hat der nur ein Bein?“ Die Mutter erklärt, dass dem Mann vermutlich aus gesundheitlichen Gründen das Bein abgenommen wurde. Jetzt will Milena selbstverständlich wissen, was das für eine Krankheit sein kann.

In jungen Jahren ist das Kind anstrengend, später wird es innovativ

Als die Mutter dann von einer knochenzerstörenden Krankheit berichtet, ist Milena zunächst zufrieden, möchte dann aber genau wissen, was der Arzt mit dem Bein macht. Milena überlegt, kombiniert und sobald sie etwas unlogisch findet, hakt sie nach. Was so anstrengend sein kann, ist der Forschergeist, der in späteren Jahren zu hervorragenden Innovationen für die ganze Gesellschaft führen kann. Leider gibt es für Hochbegabte aber nur unzureichende Fördermöglichkeiten. Für den Hochbegabtenforscher Professor Albert Ziegler ist es geradezu bedrückend, wie wenig hierzulande für die Förderung Hochbegabter geschieht. „Wir hängen international weit hinterher“, erklärt der Professor, der auch als Generalsekretär die internationale Begabungsforschervereinigung (International Research Association for Talent Development and Excellence, IRATDE) leitet.

Jedes Kind muss entsprechend seiner Fähigkeiten gefördert werden

Dabei müsse jedes Kind Förderung entsprechend seiner individuellen Fähigkeiten erhalten. Das gelte für weniger begabte Kinder wie für hochbegabte. „Wir verlieren jeden Tag Möglichkeiten. Wir müssten schon im Kindergarten stärker fördern.“ Tatsächlich entwickeln derzeit viele Einrichtungen Konzepte zur Förderung Hochbegabter. Die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) stellt auf www.dghk.de entsprechende Links zur Verfügung.

Ein Kind kann im sportlichen, musischen oder künstlerischen Bereich besonders begabt sein

„Hochbegabte werden bei uns nicht nur in der kognitiven Entwicklung gefördert, sondern es findet immer Bildung der gesamten Persönlichkeit statt. Wir geben Kindern Raum, in selbstinitiierten Projekten zu lernen, Gleichgesinnte kennenzulernen, ihre Kreativität zu entfalten, ihren Wissensdurst zu stillen und sich als Mitglied einer Gruppe zu erleben“, heißt es hier. Perfekt also für eine ganzheitliche Entwicklung. Denn Begabung ist keineswegs nur auf geistiges Potenzial bezogen, sondern auch auf sportliche, musische oder künstlerische Leistungen.

Anregungen für Erziehungsteams, die gerade in frühen Jahren helfen

Dennoch stehen bei Hochbegabung in erster Linie die intellektuellen Fähigkeiten im Mittelpunkt. „Ein hochbegabtes Kind bringt optimale Voraussetzungen mit, Informationen aufzunehmen, zu ordnen und zu verstehen, sinnvolle Schlüsse daraus zu ziehen und angemessen zu handeln. Zudem ist das hochbegabte Kind in der Lage, schneller und mehr zu lernen und dieses Wissen sinnvoll umzusetzen“, schreiben die Experten Horsch, Müller und Spicher.

Sie halten in Ihrem Buch eine ganze Reihe Anregungen und Empfehlungen für ganze Erziehungs- und Bildungsteams bereit. Denn auch hier gilt: Erziehung und Bildung sind nicht individuelle, sondern gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Gerade bei hochbegabten Kindern sollten Eltern, Erzieherinnen, Lehrer und Therapeuten zusammenwirken. In dieser „Entwicklungs-Partnerschaft“ kommt den Eltern besondere Bedeutung zu. Sie sind Anlaufstelle, Koordinatoren und Träger von Informationen für das ganze Team.

Fördern durch Fordern

Aus ihrer langjährigen Erfahrung in der Hochbegabtenförderung ermuntern die drei Psychologen betroffene Eltern herauszufinden, ob dein Kind mehr Anforderung braucht. Falls es so ist, sollten die Eltern jedoch kein tägliches Fortbildungsprogramm buchen. Sie sollten sich mehr der Förderung durch Fordern und das Bereitstellen von Möglichkeiten widmen. Sachbücher, Literatur, Knobelspiele, Theater-, Zoo-, und Kinobesuche sind meist deutlich effektiver als private Unterrichtsstunden. Die Stärken des Kindes und nicht die Defizite stehen dabei im Vordergrund. Für Kinder ist es wichtig, sich gerade in den Bereichen zu entfalten, in denen sie sehr gute Veranlagungen haben. Hier können sie ihre Leistungsfähigkeit erforschen. Das Erleben der eigenen Stärken unterstützt das Kind auch darin, im Fall von Problemen, eigene Lösungen zu finden.

Diese Anregungen können helfen, das Kind mitzunehmen

  • Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen durch die Eltern: Mit dem Kind über freudige und traurige Ereignisse und wie Menschen aussehen, die unglücklich oder glücklich sind, sprechen. Die Empathie des Kindes fördern, damit es lernt, sich in andere hineinzuversetzen. Das ist die Grundlage, sich angemessen verhalten zu können.
  • Auf die Fähigkeiten des Kindes vertrauen: Es fordern und ihm zutrauen, dass es selbst Probleme löst und sich entwickelt. Ist eine Hürde zu groß, wird es die Eltern rufen.
  • Entwicklungsrisiken müssen beachtet werden, deshalb müssen Eltern Entwicklungsanreize geben: Zu geringe Anforderungen in der Grundschule können zur Demotivation führen und in der weiterführenden Schule dann zu Lernproblemen. Auch hochbegabte Kinder brauchen Orientierung. Das Kind deshalb fordern und fördern, damit es sich entsprechend seiner Fähigkeiten anstrengen kann und sein Potenzial ausschöpft.

"Inklusion" bedeutet Toleranz gegenüber Hochbegabten

In der Arbeit mit hochbegabten Jugendlichen mit Problemen haben die Experten Horsch, Müller und Spicher festgestellt, dass die Betroffenen oftmals das Lernen nicht gelernt haben. Hochbegabte sind nicht in der Lage, einfache Techniken zur Erfassung von Sachverhalten anzuwenden. Schlicht, weil sie ihnen niemand beigebracht hat. Es fehlt einfach die Basis. In einer Bildungsszene, die zwar schleppend, aber doch konstant unter dem Stichwort „Inklusion” die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Menschen auch als Chance anerkennt, sollten Hochbegabte deshalb weniger auf Vorurteile stoßen. Denn, so das Fazit von Forscher Ziegler: „Hochbegabung ist die schönste Eigenschaft, die man haben kann”.

10 Hinweise für eine Hochbegabung

1. Dein Kind kann sich schnell und leicht Fakten merken, hat ein ,Elefanten-Gedächtnis’.
2. Es kann gut Sachverhalte und Probleme verallgemeinern. Es erkennt gut Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
3. Dein Kind versteht und spricht viele Wörter, spricht flüssig und drückt sich klar aus.
4. Es wendet sich früh Buchstaben und Zahlen zu. Liest, schreibt und rechnet früh.
5. Es malt und zeichnet auf hohem Niveau, gestaltet aufwändige Details.
6. Dein Kind ist kreativ, fantasievoll und hat ungewöhnliche Ideen und Lösungswege.
7. Es ist hochaktiv, ermüdet nicht leicht, hat viel Energie und Ausdauer.
8. Es ist immer an Neuem interessiert, fragt viel und will alles wissen.
9. Dein Kind will eigene Erfahrungen machen, ausprobieren und seinen eigenen Weg gehen.
10. Es entwickelt sich früh sprachlich und motorisch und überspringt schnell Entwicklungsphasen.

Was sagt der Intelligenzquotient (IQ) aus?

Der Intelligenzquotient (IQ) ist in erster Linie ein Vergleichsmaß. Er gibt in seiner ursprünglichen Form Aufschluss über das Verhältnis zwischen dem Intelligenzalter und dem Lebensalter. Unter dem Intelligenzalter ist der kognitive Entwicklungsstand zu verstehen, in dem sich ein Kind befindet: Für welches Alter ist die gezeigte intellektuelle Leistung durchschnittlich? Der IQ vergleicht den Testwert eines Kindes mit dessen Bezugsgruppe, die meist aus gleichaltrigen Kindern besteht. Die Abweichung des Einzelwerts zu Vergleichswerten (somit der Norm) steht dabei im Zentrum der Betrachtung. Ein IQ von 100 liegt genau im Durchschnitt, während ein IQ von 130 weit über den Durchschnitt hinausgeht.

Hoher IQ – kein Garant für Höchstleistungen

Hohe Intelligenz heißt nicht automatisch, gute Leistungen zu erbringen. Die Anforderungen der Realität sind nicht einfach und besonders im sozialen Bereich können sie unübersichtlich und kompliziert sein. Denn wenn es um Personen und Emotionen geht, vermengen sich Sach- und Personenfragen. Auch berufliche Leistungssituationen sind oftmals von irrationalen Faktoren begleitet – besonders dann, wenn Motivation, Interesse oder Konzentration fehlen. Oder einfach Angst oder eine schlechte Beziehung etwa zum Lehrer im Wege steht.

Buchtipp

Hermann-Josef Spicher, Götz Müller, Herbert Horsch: "Hochbegabt - und trotzdem glücklich. Was Eltern, Kindergarten und Schule tun können, damit die klügsten Kinder nicht die Dummen sind." Oberstebrink, 3. Auflage 2013, 24,90 Euro. 

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