Dein wirEltern-Newsletter

Alles über die Themen Schwangerschaft, Erziehung & Gesundheit

Ist der Druck zu hoch?

Stress in der Schule – hausgemacht?

Leistungsdruck in der Schule, steter Wettbewerb mit anderen Gleichaltrigen, der durchgängige Anspruch der Eltern und dabei noch Kind bleiben. Sind Schüler heutzutage überhaupt noch in der Lage, alles unter einen Hut zu bringen oder sind die Erwartungen in den zahlreichen Lebensbereichen schlichtweg zu hoch?

"Tut mir leid, Karl kann heute nicht spielen, der hat Kopfschmerzen." Karl hat oft Kopfschmerzen. Er geht in die dritte Klasse. In der dritten Klasse sind wir damals durch die Straßen gezogen, haben bei den Nachbarn Klingelstreiche gemacht, Eis beim Eismann gekauft. Haben Räuber und Gendarm gespielt. Das Leben war leicht. Karl ist überfordert. Er kommt mit dem Leistungsdruck in der Schule nicht zurecht. Er möchte den Ansprüchen seiner Eltern und der Lehrer gerecht werden, lernt nachmittags viel und sagt auch mal am Wochenende Verabredungen mit Freunden ab. Seine Freunde sagen: "Wenn ich so viel lernen würde, hätte ich auch Kopfschmerzen." Karls Lernen zahlt sich in seinen Leistungen in der Schule aus. Seine Mitschüler hingegen, die nicht so viel tun, haben in der Regel Schwierigkeiten, mitzuhalten und schreiben schlechtere Noten.  

Die Kinder scheinen auch untereinander im starken Wettstreit zu liegen. Noten und Leistungen werden verglichen. Da will man natürlich zu den besten gehören. Das führt teilweise dazu, dass die Lehrer ihre Schülern im Unterricht dazu auffordern, ihre Noten den Mitschülern nicht weiterzusagen. Doch ist das der richtige Weg? Schüler mit guten Noten dürfen nicht stolz darauf sein. Und Schüler mit schlechten Noten verstecken sich. 

Inwieweit die Kinder ihren Schulstress schon von der ersten Klasse an nach Hause tragen, ist sehr unterschiedlich. So ist der Umgang mit Hausaufgaben an den Schulen sehr verschieden. Lehrer, die vom ersten Tag an den Schülern Hausaufgaben mitgeben, versuchen die Kinder daran zu gewöhnen, sich auch nachmittags mit der Schule zu beschäftigen. Andere geben erst in den höheren Klassen Hausaufgaben auf. Wie es auch gehandhabt wird – oft führen die Hausaufgaben zu Stress. Eltern, die ihre Kinder in der Nachmittagsbetreuung der Schulen lassen müssen, klagen häufig über eine schlechte Hausaufgaben-Betreuung. Ein klarer Vorteil für Kinder, die zu Hause betreut werden. Doch auch dort ist Stress vorprogrammiert, wenn das Kind keine Lust zu den Aufgaben hat und sich von den Eltern nichts sagen lassen will. Gerade in der Grundschule stellt der Lehrer für die Kinder die allerhöchste Instanz dar, wenn es um Schulangelegenheiten geht. Was die Eltern sagen, hat dagegen nicht so viel Gewicht.

Magazin SCHULE im Abo

Das Magazin SCHULE ist kompetenter Ratgeber und verständnisvoller Begleiter für Eltern von Schulkindern.

Mehr Infos

Linus stottert, seit er in der zweiten Klasse ist. Besonders schlimm ist es, wenn viele Klassenarbeiten anstehen. Luisa ist in der dritten Klasse und hat Angst vor der Schule. Morgens verlässt sie oft weinend das Haus. Ob sie nicht ausnahmsweise "krank" zu Hause bleiben könne? Später wird es nicht besser. Jugendliche an den weiterführenden Schulen leiden vermehrt unter Stress-Erkrankungen wie Burn-Out oder Essstörungen. Freizeitaktivitäten? Dafür haben sie keine Zeit. Die Schule geht bis weit in den Nachmittag hinein und danach wird gelernt.

Was ist heute so anders als bei uns damals? Müssen die Schüler heute mehr Lernstoff bewältigen? Gab es damals diesen Leistungsdruck nicht oder konnten wir einfach besser damit umgehen?

Damals standen die Kinder nicht so im Fokus der Eltern. Die Eltern hatten ihr Leben, die Kinder waren mit dabei. Sie hörten zu, wenn die Eltern sich unterhielten. Auch eine Form des Lernens. Heute hören die Eltern zu, was die Kinder erzählen. 

Ein Großteil der Eltern ist außerdem überzeugt davon, dass ihr Kind hochbegabt ist. Ein böses Erwachen, wenn in der Schule dann die ersten Noten vergeben werden und nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder erkennen müssen, dass höchstens eine Normalbegabung vorliegt. Die Kinder stehen unter ungeheurem Druck. Sie wollen die Eltern, die sie gutmeinend immer gelobt haben, auch weiterhin glücklich machen.

Zu dem Leistungsdruck in der Schule kommen die Kurse und Freizeitaktivitäten der Kinder. Ballett, Chor, Karate, Tennis, Klavier, Schwimmen – man möchte seinen Sprösslingen ja alles bieten. Alltagsstress ist die Folge. Wo bleibt Zeit für die Langeweile? Denn erst in der Langeweile kommen die Kinder zur Ruhe und werden kreativ. Eine Kreativität, die aus ihnen selbst herauskommt. Doch dahin scheint heute kaum noch ein Kind zu kommen. Auch an den Wochenenden ist kaum Qualitäts-Zeit für die Familie. Hockey- oder Reitturniere, Tennis-Camp, Fußball. Die gestressten Eltern fahren die nicht weniger gestressten Kinder von A nach B. Freizeit ist ein Fremdwort. Alles ist durchgetaktet. Keine Zeit zum Träumen.

Zeit. Keiner hat heutzutage Zeit. Zeit für sich. Zeit für die Familie. Zeit fürs Nichtstun. Ein Alltag, der nicht durchgeplant ist – der beste Urlaub für ein Kind! Dazu sollten Eltern versuchen, ihre eigenen Ansprüche herunterzuschrauben und nicht auf das Kind zu projizieren. So nehmen sie den Druck. Ein Kind ist immer noch ein tolles, wunderbares und liebenswertes Kind. Ganz unabhängig davon, welche Noten es in der Schule hat.

Autorin: Sonja Wickmann

Leben & Erziehen im Abo

Leben & Erziehen widmet sich dem jungen Familienleben und hilft Eltern bei den täglichen Herausforderungen.

Mehr Infos

Teile diesen Artikel:

]