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Anni Friesinger-Postma

"Unser Familienleben ist anders"

Die ehemalige Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma über Kinderkriegen in Deutschland und den Niederlanden, ihr Familienleben auf Distanz und die Vorzüge von Videotelefonie.

In Holland ticken die Uhren für werdende Mütter anders. Die Entbindung zum Beispiel funktioniert in der Heimat meines Mannes Ids nach dem Take-away-Prinzip, das man aus diesen angesagten Szene-Cafés kennt: „Einmal Baby to go, bitte.“ Mami in spe entbindet mit Hausarzt und Hebamme zu Hause, oder bringt ambulant ihr Kind zur Welt und dann geht’s ab zurück nach Hause. So läuft das.

Aber nicht für mich. Ich wollte fahren – und zwar nach Deutschland, genauer: nach Meppen, um dort zu entbinden. Ich wollte Josephine in einer mir empfohlenen und für alle Eventualitäten gerüsteten Klinik bekommen und uns in den guten Händen von Ärzten und Hebammen wissen. Nach ein paar Tagen zu dritt im Familienzimmer der Klinik ging es in die Niederlande. Und dann nach Salzburg, wo ich zu Hause bin. Und wieder nach Holland. Und zurück nach Österreich.

Manche von Ihnen schütteln jetzt bestimmt verständnislos den Kopf: „Wie kann die diese Odyssee der Kleinen bloß antun?“ Die Antwort lautet: weil unser Familienleben anders ist. Mein Mann und ich sind es als ehemalige Leistungssportler gewohnt, aus dem Koffer zu leben. Und: Fixpunkte zu haben, an die man immer wieder zurückkehrt.

Ids hat seinen Fixpunkt in den Niederlanden. Ich habe meinen in Österreich (und wir haben auch nicht vor, das zu ändern). Also pendeln wir hin und her – mal kommt er in den Süden, mal mache ich mich auf in den Norden. Ob Sie es glauben oder nicht: Das funktioniert. Und das hat schon in der Vergangenheit funktioniert. Als ich klein war, ist meine Mutter – sie ist Polin – mit mir zwischen Polen und Bayern hin und her gependelt.

Ids ist übrigens gerade in Holland. Die Zeit bis zum nächsten Wiedersehen  überbrücken wir mit „Skype“. Eine tolle Erfindung, diese digitale Videotelefonie. Josephine ist auch ganz begeistert. Sie sitzt immer auf meinem Schoß und starrt gebannt auf den Bildschirm, wie Papa grinst und Faxen macht. Dann grinst sie zurück und quäkt fröhlich vor sich hin. Ich male mir aus, wie schön es sein wird, wenn Ids wieder da ist und ich das Papa-Tochter-Duo „live“ erleben kann. Das pusht meine Vorfreude ins Unermessliche. Und Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.

Zur Person

Anni Friesinger-Postma (34) ist dreifache Olympiasiegerin im Eisschnellaufen und Mutter einer Tochter (5 Monate).

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