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„Auf dem richtigen Weg!“

Barbara Becker über ihr Engagement im Kampf gegen Tetanus bei Neugeborenen

Model und Moderatorin Barbara Becker spricht über laotische Traditionen, den „kleinen Piks“ und warum es wichtig ist, die Aufmerksamkeit für eine Krankheit zu schärfen, die es bei uns nicht mehr gibt.

wireltern.de: Sie waren 2012 mit Ihrem Sohn Noah als Botschafterin für die Aktion „1 Packung = 1 lebensrettende Impfdosis“ von „Pampers“ und „Unicef“ in Laos. Was genau haben Sie dort gemacht?

Barbara Becker: Ich habe mich von den Fortschritten des Impfprogramms überzeugt. Ich habe verschiedene Gesundheitszentren in der Provinz Champasak besucht, war bei den Impfungen von Müttern und ihren Babys dabei, und habe die Helfer bei ihrer Arbeit unterstützt.

Wie war die Situation vor Ort?

Alles war gut organisiert. Die Mütter hatten ihre Impfpässe griffbereit und wussten über das Prozedere Bescheid. Nichtsdestoweniger war ich betroffen, unter welchen hygienischen Verhältnissen die Menschen hier leben und wie Frauen ihre Kinder oft ohne medizinische Hilfe zur Welt bringen müssen. Es führte mir vor Augen, wie dankbar jeder von uns sein sollte, in einem Land zu leben, in dem es eine gute Gesundheitsversorgung gibt.

Der nachhaltigste Eindruck, den die Reise bei Ihnen hinterlassen hat?

Dass wir auf dem richtigen Weg sind. Bereits in acht Ländern haben wir
Tetanus bei Neugeborenen besiegt. Aber: Wir müssen weitermachen! Wir müssen die Aufmerksamkeit für eine Krankheit schärfen, die es bei uns nicht mehr gibt, um den Menschen zu helfen, die nach wie vor von ihr bedroht und betroffen sind.

Welche Eindrücke hat Noah mitgenommen?

Auf fremde Menschen zuzugehen, war für Noah etwas völlig Neues. Es war schön zu sehen, wie er sich den Menschen nach und nach geöffnet hat. Er ist auf sie zugegangen und sie auf ihn. Anfangs war Noah doch sehr zurückhaltend.

Verständlich.

Natürlich musste er sich wie wir alle erst mal an die neue Situation gewöhnen. Wenn man irgendwo hinkommt, wo man noch nie war und wo man die Umstände nicht kennt, muss man sich zurücknehmen, um den Menschen der fremden Kultur nicht zu nahezutreten.

Haben Sie Noah und Elias impfen lassen, als sie klein waren?

Gegen Tetanus immer. Nicht aber gegen andere Krankheiten, bei denen eine Impfung empfohlen wird. Nachdem wir jedoch in die USA gezogen sind, habe ich Noah und Elias entsprechend der Vorschriften impfen lassen, weil es dort eine Impfpflicht gibt. Wenn Kinder in den USA nicht geimpft sind, dürfen sie nicht in die Schule gehen.

Wie ist Ihre Meinung generell zum Thema „Impfen“?

Für Tetanus-Impfungen bei Neugeborenen in Entwicklungsländern spreche ich mich aus. Die Menschen werden an Tetanus sterben, wenn wir ihnen nicht helfen. Frauen in Laos bekommen ihre Babys im Busch, nabeln sie mit einer Rasierklinge ab und reiben nach alter Tradition Spinnweben auf die frische Nabelschnurwunde. Die Gefahr, sich dabei mit Tetanus anzustecken, ist viel höher als in Deutschland, wo eine Hebamme die Nabelschnur unter sterilen Bedingungen durchtrennt. Diese Umstände kann man überhaupt nicht vergleichen. Ob man seine Kinder in Deutschland und anderen entwickelten Ländern impfen lässt, muss jede Familie selbst entscheiden.

Gibt es eine Botschaft, die Sie für (werdende) Mütter haben?

Hört auf eure Mutter! Das fällt vielleicht nicht leicht, ist aber oft richtig.

Zur Person

Barbara Becker (46) arbeitet als Model, Moderatorin, Designerin und Schauspielerin. Sie veröffentlichte zahlreiche Bücher und DVDs über Fitness, Pilates und Yoga. Bereits 2009 hat sie sich als Botschafterin für die Aktion „1 Packung = 1 lebensrettende Impfdosis“ in Angola gegen Tetanus bei Neugeborenen eingesetzt. Aus der Ehe mit Boris Becker hat Barbara zwei Söhne, Noah Gabriel (18) und Elias Balthasar (12).

Tetanus bei Neugeborenen

Während Tetanus in westlichen Ländern kaum noch vorkommt, sind Frauen und Neugeborene in Entwicklungsländern, wo es keine ausreichende Geburtshygiene und Schutzimpfungen gibt, von der Krankheit häufig betroffen.

Nicht sterile Hilfsmittel bei der Geburt bergen ein hohes Infektionsrisiko für Mutter und Kind. Tetanus-Bakterien gelangen beim Durchtrennen der Nabelschnur in den Körper und setzen Giftstoffe frei, die unkontrollierbare Muskelkrämpfe verursachen und zum Erstickungstod führen. 2011 haben sich laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 4.213 Babys mit dem sogenannten neonatalen Tetanus infiziert. Glücklicherweise sind die Erkrankungsfälle jedoch weltweit rückläufig.

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