Barbara Eligmann Sind Medien für Kinder wichtig, Frau Eligmann?

TV-Moderatorin Barbara Eligmann (47) über den Sinn des Fernsehens und Kants kategorischen Imperativ.

KiNDER: Wie schaffen Sie es, trotz Ihrer Karriere viel Zeit mit Ihren drei Kindern zu verbringen? Barbara Eligmann: Ich habe das Glück, sehr dosiert zu arbeiten: Zwei oder drei Wochen bin ich am Stück in der Produktion, anschließend habe ich eine Weile frei. Durch dieses blockweise Arbeiten besitze ich den Vorteil, viel Zeit mit meinen Kindern verbringen zu können, denn ich habe sie ja nicht bekommen, um vorwiegend weg zu sein.

Ihre Lieblingsfernsehsendung für Kinder?
Ich mag gut gemachte Dokumentationen, die ich gezielt für meine Kinder auswähle, obwohl sie nicht im Kinderprogramm laufen. So gab es vor einiger Zeit eine sehr interessante Doku zur Frage, wie die Elefanten in den Kölner Zoo kamen. Fernsehen sollte nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern einen geistigen Mehrwert bieten. Mein Sohn guckt gerne Angelsendungen, da er selbst angelt, meine Tochter besteht darauf, „Logo“ zu sehen – da haben sie meine Ansprüche schon ganz gut durchschaut.

Lernen Kinder durchs Fernsehen?
Definitiv. Im besten Fall sehen sie spannende Geschichten, mit denen sie die Welt entdecken können – zum Beispiel über Kinder in anderen Ländern. Die vornehmste Aufgabe des Fernsehens ist es, Dinge zu zeigen und nicht einfach nur die Zeit zu vertreiben. Ich habe noch als Erwachsene gerne „Die Sendung mit der Maus“ geschaut und mir erklären lassen, wie ein Computer oder ein Telefon funktionieren.

Ist ein übermäßiger Medienkonsum für Kinder schädlich?
Die Dosierung muss stimmen. Kinder dürfen ja auch Süßigkeiten essen, aber nicht unbegrenzt. Genauso sollten sie nicht morgens gleich zum Fernseher laufen. Anders als in meiner Kindheit gibt es heute zu jeder Zeit Programm. Da muss man wirklich lernen, wie man gut damit umgeht. Gerade für Kinder ist das schwierig. Auch gegen den Computer habe ich nichts, wenn man ihn als Wissensquelle nutzt.

Wie finden Ihre Kinder eigentlich Ihren Beruf?
Mein Kleiner meinte letztens ziemlich verschmitzt: „Mama, manchmal bist du im Fernsehen.“ Für meine Kinder ist das eigentlich ganz normal. Was sie dabei aber noch nicht sehen, ist, dass es Arbeit bedeutet. Um diese Leichtigkeit zu behalten, nehme ich sie nicht so oft mit ins Studio. Für sie stehe ich mal in der Küche, koche und erzähle etwas, und ein anderes Mal stehe ich im Fernsehstudio und erzähle dort etwas.

Wie reagieren Ihre Kinder, wenn sie jemand auf ihre prominente Mutter anspricht? 
Das finden sie lustig. Sie nehmen dann wahr, dass andere Kinder mich kennen. Ich denke, es ist mir ganz gut gelungen, dass sie sich damit aber nicht brüsten. Für sie sind andere Menschen prominent: In einer Nachbarstraße wohnt der Trainer von „Fortuna Köln“, das finden sie toll und erzählen ihren Freunden gerne davon.

Schützen Sie die Privatsphäre Ihrer Kinder?
Ja, das finde ich ganz wichtig. In erster Linie gibt es keine Fotos von meinen Kindern. Sie haben ihre Anonymität verdient, da sie ja nur zufällig in diese Familie hineingeboren wurden. Wenn sie später selber einen Medienberuf ergreifen wollen, können sie selbst entscheiden, diese Anonymität freiwillig aufzugeben.

Ihre Definition einer guten Kindheit?
Kinder brauchen Ruhe, Harmonie und Spaß in der Familie und Eltern, die sich Zeit nehmen. Es kommt nicht auf Designerklamotten oder tolles Spielzeug an, sondern darauf, zusammen Ausflüge zu unternehmen, abends gemeinsam im Bett zu liegen und ein Buch zu lesen. Das sind die Dinge, an die man sich später erinnert, nicht an ein besonders teures Spielzeug.

Wenn die Kinder mehr Freiheit wollen – wo gibt es bei Ihnen Grenzen?
Mit mir kann man gut dealen, weil ich selbst auch so groß geworden bin. Meine Mutter hat mir viel erlaubt. Ich durfte länger wegbleiben als die anderen Mädchen, aber immer um den Preis des Vertrauens. Sie wusste stets, wo ich war. So war es ein Geben und Nehmen. Mein Ziel ist, dass das mit meinen Kindern auch so funktioniert. Ich erlaube vieles – meine Kinder können ihre Freunde besuchen oder sie einladen – erwarte aber im Gegenzug, dass gewisse Regeln eingehalten werden.

Was wünschen Sie Ihren Kindern?
Ich finde Kants kategorischen Imperativ gut und wünsche mir, dass meine Kinder sich so verhalten, wie sie auch von anderen behandelt werden möchten. Ich wünsche mir, dass sie auf andere Menschen offen zugehen und ihren Platz in der Gesellschaft finden. Und dass sie so frei und fröhlich bleiben, wie sie jetzt sind.

Zur Person

Barbara Eligmann war von 1992 bis 2000 das „Gesicht“ der RTL-Sendung „Explosiv – Das Magazin“. Aktuell moderiert sie gemeinsam mit Wigald Boning „Clever! Die Show, die Wissen schafft“ auf Sat.1. Seit 1996 ist Barbara Eligmann mit dem RTL-Redakteur Thomas Justus verheiratet. Das Paar hat drei Kinder – zwei Söhne, drei und zwölf Jahre, und eine Tochter, neun Jahre.

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