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Cacau

Wie schaffen Sie den Spagat zwischen zwei Kulturen, Cacau?

Fußballnationalspieler Cacau (30) über deutsch-brasilianisches Familienleben und Integration in einem fremdem Land.

KiNDER: Sie haben Ihre gesamte Kindheit in Brasilien verbracht. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dieser Zeit?
Cacau: Ich erinnere mich besonders gerne an das Toben mit den anderen Kindern auf der Straße. Wir haben Fangen, Verstecken oder Fußball gespielt, manchmal mit bis zu 15 Kindern. Es war einfach eine tolle Zeit. Bis heute ist es mir wichtig, dass auch mein Sohn und meine Tochter viel an der frischen Luft sind, sich schmutzig machen dürfen und viel Zeit zum Spielen haben. 

Mit 18 Jahren kehrten Sie Ihrer Heimat den Rücken, um in Deutschland Fußballprofi zu  werden. Fiel es Ihnen schwer, sich hier einzuleben?
Am Anfang schon. Mich erwartete hier eine andere Kultur, eine neue Sprache und eine neue Wettersituation. Vor allem der erste Winter war sehr schwer für mich. Es wurde jedoch viel einfacher, als ich die Sprache immer besser beherrschte. Und besonders hilfreich war es für mich, dass dann auch meine Frau nach Deutschland kam.  

Ihre beiden Kinder (3 und 5 Jahre) sind in Deutschland geboren und wachsen hier auf. Wie bringen Sie zu Hause beide Kulturen unter einen Hut?
Unsere Kinder gehen in einen deutschsprachigen Kindergarten. Es ist uns wichtig, dass sie die Sprache perfekt erlernen und dass sie auch deutsche Freunde und Freundinnen kennenlernen. Bei uns zu Hause sprechen wir Portugiesisch und kochen gerne brasilianische Gerichte, damit Lidia und Levi unsere Muttersprache beherrschen und auch noch etwas Heimatkultur erleben. Außerdem reisen wir zweimal im Jahr nach Brasilien. Unsere Eltern kommen uns zudem in regelmäßigen Abständen hier besuchen, wie auch unsere engsten Freunde.

Gibt es etwas, das Ihre Frau oder Ihre Kinder besonders gerne an Deutschland mögen?
Oh ja, die Kinder lieben vor allem das Schlittenfahren im Winter! Meine Frau Tamara schätzt die Organisation hier in Deutschland, die medizinische Versorgung und das Versicherungswesen. Gerade für Kinder ist das eine gute Sache.

Und was fehlt Ihrer Familie hier?
Das brasilianische Essen! Und in unserer Heimat gibt es auch herrliche Fruchtsäfte wie zum Beispiel Wassermelonensaft, Mangosaft, Maracujasaft oder Papayasaft. Wir vermissen auch unsere besten Freunde und meine Frau besonders ihre Schwester. 

Sie sind als Bundesligaprofi und Nationalspieler viel unterwegs. Was unternehmen Sie zusammen mit Ihren Kindern, wenn Sie Zeit haben?
Ja, es stimmt, dass ich viel reise. Mir ist es wichtig, wenn ich zu Hause bin, qualitative Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Meine Frau und meine Kinder stehen dann für mich an erster Stelle. Ich gehe sehr gerne mit ihnen in den Park, auf den Spielplatz, in ein Schwimmbad und manchmal auch in den Zoo. 

Gibt es ein besonders schönes Erlebnis, das Sie mit Ihrer Familie in Deutschland erlebt haben? Gerne erinnere ich mich an den ersten Geburtstag unserer Tochter Lidia. In Brasilien wird dieser erste Geburtstag immer sehr groß gefeiert. Wir haben dies auch hier in Stuttgart so geplant. Es kamen über 100 Gäste, auch einige Mannschaftskollegen vom VfB Stuttgart waren dabei. 

Stichwort Fußball: Im Verein müssen Spieler aus ganz unterschiedlichen Kulturen zu einem Team werden. Wie gelingt ein funktionierendes Zusammenleben mit Menschen aus verschiedenen Ländern?
Das mit Abstand Wichtigste ist die Sprache. Du musst die Sprache des Landes beherrschen, in dem du lebst. Ohne Wenn und Aber!

Zur Person

Cacau kam 1981 in Brasilien zur Welt. Mit seiner Mutter und zwei Brüdern wuchs er in armen Verhältnissen auf. Im Alter von 18 Jahren wanderte er nach Deutschland aus, um Fußballprofi zu werden. Seit 2003 spielt er in der ersten Fußballbundesliga für den VfB Stuttgart. Im Jahr 2009 erhielt Cacau die deutsche Staatsbürgerschaft und wurde kurze Zeit später ins Team der  Fußballnational-mannschaft berufen, mit der er 2010 an der Weltmeisterschaft in Südafrika teilnahm.

Cacau ist Integrations-botschafter des Deutschen Fußballbundes und engagiert sich  in den Hilfsorganisationen „World Vision“ und „Stiftung Deutsche KinderSuchthilfe“. Er lebt mit seiner brasilianischen Frau und seinen beiden Kindern in Stuttgart.

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