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Martin Rütter

Sollten Kinder mit einem Hund aufwachsen, Herr Rütter?

Hundecoach Martin Rütter (42) über vierbeinige Familienmitglieder, den Hundeführerschein und den Trend zur Frühförderung.

KiNDER: Hatten Sie als Kind einen Hund?
Martin Rütter: Ich hatte schon immer einen engen Draht zu Hunden, obwohl ich als Kind keinen Hund haben durfte: Meine Eltern sehen auch heute noch jedes Tier als überflüssig an, das man nicht auf den Grill legen und essen kann.   

Wie sind Sie dann auf den Hund gekommen?
Ich habe dafür die Nachbarshunde ausgeführt und die Hunde meiner Tante Thea ohnmächtig gekrault. Tante Thea hatte eine Art Pflegestelle für gestrauchelte Hunde. Zudem besaß sie die außergewöhnliche Gabe, Hunde, die anfangs ganz wunderbar waren, binnen weniger Wochen völlig verrückt zu machen.    

In welcher Hinsicht profitieren Kinder von einem Hund als Haustier?
Es gibt nichts Schöneres für ein Kind, als mit einem Hund aufzuwachsen. Ein Kind  lernt dadurch, ein empathisches Bewusstsein für andere Lebewesen zu entwickeln. Gleichzeitig sollten Spielregeln eingehalten werden. Zum Beispiel müssen für das Kind und den Hund Rückzugsmöglichkeiten existieren.   

Stärkt ein Hund den Familienzusammenhalt?
Ein Hund kann niemals allein für ein Kind angeschafft werden. Die Eltern haben immer die volle Verantwortung und sind für die Hundeerziehung zuständig. Aber: Die Kinder können in die Erziehung eingebunden werden und kleinere Aufgaben gemeinsam mit den Eltern übernehmen.

Was sollten Eltern bedenken, bevor ein Hund in die Familie kommt?
Den Menschen ist häufig leider nicht bewusst, wie groß das Maß an Zeit und Verantwortung ist, wenn sie sich einen Hund anschaffen. Deshalb plädiere ich schon seit Jahren dafür, einen Hundeführerschein einzuführen, den die Halter in spe ablegen müssen.

Das Zusammenspiel zwischen vier- und zweibeinigen Familienmitgliedern klappt nicht immer reibungslos ...
Das Problem ist wie gesagt die mangelnde Information. Das fängt schon beim Hundekauf an. Jemand, der sich umfassend informiert hat, würde niemals bei einem unseriösen Züchter kaufen. Die Menschen wüssten auch, welcher Hund überhaupt zu ihnen passt. Ein Welpe oder vielleicht lieber doch ein Hund aus dem Tierheim? Viele Leute glauben irrtümlich, mit dem Kauf eines Rassehundes vor Problemen geschützt zu sein. Dabei sind auch die Tierheime voll mit tollen Hunden.

Welpen gehen zur Hundeschule, Kleinkinder üben Englisch. Was halten Sie als Hundecoach und Vater von dem Trend zur Frühförderung?
Ein Welpe muss von Anfang an die Regeln im Zusammenleben mit dem Menschen lernen. Außerdem muss er viele Reize kennenlernen, damit er auf sein späteres Leben gut vorbereitet ist. Auch bei Kindern halte ich es für sinnvoll, sie möglichst viele Erfahrungen sammeln zu lassen, aber sie nicht zu überfordern.

Kinder- und Hundeerziehung – gibt es da Gemeinsamkeiten?
Konsequenz spielt in beiden Bereichen eine sehr wichtige Rolle. Ein gravierender Unterschied ist, dass man seine Kinder zur Selbstständigkeit erziehen sollte, den Hund aber nicht.

Sie sind oft unterwegs, bleibt da genug Zeit für die Familie?
Ferien und Wochenenden gehören der Familie – ohne Kompromisse.

Zur Person

Martin Rütter (42) studierte Tierpsychologie und entwickelte die gewaltfreie Erziehungsmethode D.O.G.S. (Dog Orientated Guiding System). Mittlerweile gibt es deutschlandweit 50 Hundeschulen, in denen Trainer Hund und Herrchen nach Rütters System unterrichten. Die Vox-Sendungen „Der Hundeprofi“ und „Der V.I.P. Hundeprofi“ haben Martin Rütter bekannt gemacht. Mit seiner Live-Show „Der tut nix!“ tourt er gerade durch Deutschland.
Rütter lebt mit seiner Frau Bianca und seinen vier Kindern (13, 9, 7 und 4 Jahre) im Rheinland.

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