Haarausfall nach der Geburt Hilfe, ich habe Haarausfall!

In der Schwangerschaft dreht der Hormonhaushalt durch. Das kann auch positive Folgen haben: Viele Frauen freuen sich durch das vermehrte Östrogen über vollere, glänzendere, weniger schnell fettende Haare.

Die große Ernüchterung kommt nach der Geburt: Haarausfall und ein sogenannter "Still-Pony" sind in der Stillzeit keine Seltenheit.

Zuallererst die gute Nachricht: In den meisten Fällen reguliert sich der Haarausfall von ganz alleine. Meistens ist es vor allem der große Unterschied zum ungewohnt pflegeleichten Haar in der Schwangerschaft, der das Haar in der Stillzeit von vorneherein dünner wirken lässt.

Dabei erhält es nur seine normale Fülle zurück, die man hatte, bevor man schwanger wurde. Tatsächlich aber kommt in vielen Fällen ein leichter Haarausfall in der Stillzeit hinzu.

Das hat einen einfachen Grund: "Wenn eine Mutter stillt, setzt der Körper ganz klare Prioritäten", erklärt Franziska Luck, Hebamme und selbst zweifache Mutter: "Das Kind kommt zuerst!" Das bedeutet: Alle wichtigen Nährstoffe landen erst einmal in der Muttermilch. "Nimmt die Mutter zum Beispiel nicht ausreichend Eisen zu sich, um sich selbst und das Baby zu versorgen, kann das schon eine Ursache für den Haarausfall sein", erklärt Franziska weiter.

Typisch nach der Geburt: der "Still-Pony"

Viele Frauen, die ihr Kind stillen, leiden einige Monate nach der Geburt unter einem weiteren Phänomen: der sogenannte "Still-Pony". Das sind winzig kleine, fliegende Härchen rund um die Stirn, die scheinbar plötzlich sprießen. Dabei ist das Gegenteil der Fall: "Die kleinen 'Babyhaare' wachsen nicht in der Stillzeit: Sie sind die Überreste von abgebrochenen oder ausgefallenen längeren Haaren, die hier vorher waren", erklärt Hebamme Franziska.

Das Phänomen hat zwei Gründe: zum einen den hormonell und Nährstoffmangel-bedingten Haarausfall. Zum anderen aber das Baby selbst: "Sobald Kinder greifen können, krallen sie sich gerne mal in Mamas Haaren fest", erklärt Franziska. "So verlieren Mamas zusätzlich immer mal wieder in paar Haare."

Keine Panik: Das ist alles normal!

Der Satz, den wohl jede junge Mutter gern von ihrer Hebamme hört, trifft auch hier zu: Haarausfall in der Stillzeit ist absolut normal. "Dem Eisenmangel und den oft fehlenden Vitaminen kann man problemlos mit einem Nährstoffpräparat entgegenwirken", erklärt Hebamme Franziska. "Wenn allerdings große kahle Stellen auftreten und das Haar büschelweise ausfällt, sollten Mütter auf jeden Fall sofort einen Arzt um Rat bitten – allein schon um herauszufinden, was dem Körper gerade an wichtigen Nährstoffen fehlt", empfiehlt sie.

Und wenn der Haarausfall doch bleibt?

Wenn der Arzt einen Nährstoffmangel ausschließt und der Haarausfall auch nach der Stillzeit noch bleibt, können betroffene Frauen auf sanfte Weise das Haarwachstum ankurbeln: "Die schonenden PRP-Methode ist eine optimale Therapie zur Stimulation der Kopfhaut", erklärt Dr. Murat Dağdelen, ärztlicher Direktor von DiaMonD Aesthetics.

Dabei handelt es sich um eine Eigenblut-Therapie: "PRP steht für ‚platelet-rich plasma‘, englisch für plättchenreiches Blutplasma. Dieses Konzentrat gewinnen wir aus dem Eigenblut des Patienten und injizieren es zum Aufbau sowie zur Stärkung der Haarwurzel mit einer feinen Nadel direkt in die Kopfhaut." PRP funktioniert sowohl als eigenständige Behandlung als auch in Kombination mit anderen wachstums- und regenerationsfördernden Maßnahmen, zum Beispiel das Microneedling: "Dabei wird die Kopfhaut durch Nährstoffe, die durch Mikronadelstichen in die Haarwurzeln eingebracht werden, zusätzlich stimuliert", erklärt Dr. Murat Dağdelen.

Erst einmal: abwarten und nachwachsen lassen

In den meisten Fällen reguliert sich das Thema Haarausfall aber nach der Stillzeit von ganz alleine. Deshalb sollten Mütter nicht panisch werden und ihrem Körper einfach ein wenig Zeit geben: "Ich habe in den 9 Jahren, in denen ich als Hebamme arbeite, kaum eine Mutter betreut, die nicht unter Haarausfall in der Stillzeit gelitten hat," berichtet Hebamme Franziska. "Und ich rate wirklich jeder Mutter dringend davon ab, aufgrund des Haarausfalls ihr Baby abzustillen. Hab Vertrauen in deinen Körper und gib ihm einfach die Zeit und die Nährstoffe, die er braucht – dann regelt sich das Problem von ganz alleine."

Unsere Experten

Franziska Luck ist zweifache Mutter und Hebamme. Sie steht den wireltern.de-Autoren bei allen Fragen rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit beratend zur Seite.

Dr. Murat Dağdelen ist ärztlicher Direktor von DiaMonD Aesthetics in Düsseldorf. Die Fachpraxis bietet Schönheitsbehandlungen für den gesamten Körper an.

Unsere Tipps: Das hilft bei Haarausfall in der Stillzeit

Was kann ich tun, um dem Haarausfall mit sanften Mitteln entgegenzuwirken? Da gibt es viele Möglichkeiten – die zusammengenommen eine große Wirkung haben können oder den Haarverlust zumindest reduzieren:

  1. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung, um Eisenmangel oder andere Mangelerscheinungen zu vermeiden
  2. Eventuell ein passendes Nahrungsergänzungsmittel, das dies unterstützt
  3. Ausreichender Schlaf und Erholungsphasen, damit der Körper seine Energiereserven aufladen kann
  4. Auch Schüssler Salze können helfen (das sind homöopathische Präparate aus Mineralstoffen)
  5. Verzicht auf Stylingprodukte wie Haarspray, Haarlack oder Haargel, um das Haar zu schonen

Autorin: Silke Schröckert

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