Entspann doch mal! Kleine Auszeit – große Wirkung

Zeit für sich selbst? Das scheint im anstrengenden Alltag mit Baby unmöglich. Unsere Autorin Sonja Baulig stellt acht kleine Übungen vor, die dabei helfen, schnell neue Energie zu tanken.

"Entspann doch mal. Du musst auch an dich denken.“ Sicher ganz lieb gemeint, die Worte der kinderlosen Freundin. Aber wie, bitteschön, soll man als Mutter eines Babys Zeit für sich finden? Entweder es hat Hunger, braucht neue Windeln, Kuscheleinheiten oder es ist Zeit für die Ausfahrt durch den Park.

Und wenn es schläft: Dann ist die Wäsche dran und der Haushalt und überhaupt. Mal eine Stunde am Stück ganz für sich allein? Fehlanzeige.

Dennoch kann man es im Alltagsstress schaffen, kleine Inseln der Entspannung aufzutun, in denen man Körper und Seele Gutes tun kann. Bereits wenige Minuten Ausklinken aus dem Alltag können Kraftreserven mobilisieren und Energie geben.

Übung 1: Reiki

Zum Beispiel beim Erwärmen des Milchfläschchens oder des Gemüsebreies: Das dauert drei bis vier Minuten. Zeit genug für eine simple Reiki-Entspannung in der Küche: Stellen Sie sich hin, atmen Sie dreimal durch die Nase ein und durch den leicht geöffneten Mund wieder aus. Nun beugen Sie sich nach vorne und klopfen mit der flachen Hand dreimal vom Fuß über das Knie bis zum Oberschenkel das rechte Bein nach oben.

Anschließend die Rückseite des Beins bis über den Po abklopfen. Dasselbe mit dem linken Bein wiederholen. Nun beide Hände zur Faust schließen und vorsichtig eine Minute im King-Kong-Stil auf die Brustmuskeln trommeln, so intensiv, wie es Ihnen guttut. Zum Schluss Arme und Beine ausschütteln. Das Gläschen ist warm, und Sie sind entspannt!

Übung 2: Schulterpartie lockern

Auch wenn Ihr Baby zufrieden unter dem Spielzeugtrapez liegt, können Sie eine kleine Wellness-Einheit einschieben: Setzen Sie sich im Schneidersitz hin, nehmen Sie eine aufrechte Haltung ein und drehen den Kopf langsam zur Seite – als ob Sie über die Schulter schauen wollen. Verharren Sie einige Atemzüge, dann drehen Sie den Kopf langsam zur anderen Seite.

Dann lassen Sie aus der geraden Kopfposition heraus das Kinn zur Brust sinken. Von dort aus rollen Sie mit dem Kopf zur Seite, sodass Ihr linkes Ohr die linke Schulter berührt. Lassen Sie den Kopf langsam von Schulter zu Schulter pendeln, so oft, wie es angenehm ist (oder das Baby es zulässt). Das macht den Kopf frei und lockert die Schulterpartie, die durch das Tragen des Babys oft verspannt ist.

Übung 3: Rücken entspannen

Wohltuende Lockerung für den strapazierten Rücken junger Mütter bringt auch diese kurze Übung: Setzen Sie sich so hin, dass Ihre Beine leicht gegrätscht auf dem Boden stehen. Lassen Sie Ihren Kopf nach vorne hängen. Rollen Sie nun Wirbel für Wirbel nach vorne ab, bis der Oberkörper auf den Oberschenkeln liegt. Bleiben Sie ein paar Atemzüge lang in dieser Haltung, nun wieder langsam Wirbel für Wirbel nach oben aufrollen. Dehnen, räkeln und strecken Sie sich zum Abschluss.

Übung 4: Lächeln

Selbst, wenn  Sie die Wäsche aufhängen, während das Baby schläft, können Sie etwas für Ihre Glückshormone tun! Wie? Indem Sie lächeln – und zwar ganz ohne Anlass. Durch das Anheben der Wangen signalisiert der entsprechende Muskel einem Rezeptor im Gehirn: Es wird gelächelt. Daraufhin werden Glückshormone freigesetzt, die uns mit Gefühlen des Wohlbefindens überfluten. Da kommt sogar beim Wäscheaufhängen Freude auf! Probieren Sie’s aus, es klappt wirklich!

Übung 5: Ausschütteln

Die Babysachen müssen in den Schrank geräumt werden: Eine gute Gelegenheit, kurz innezuhalten. Stehen Sie aufrecht mit leicht gespreizten Beinen. Schütteln Sie Arme und Beine aus. Und befreien Sie sich symbolisch von allen Belastungen, negativen Gedanken und Stress. Besonders wirkungsvoll ist das, wenn Sie dabei kräftig und hörbar ausatmen. 90 Sekunden reichen für diese kleine Übung aus, schon gehen Sie schwungvoller ans Werk!

Übung 6: Die "Talsenke"

Das kennt jede Mutter – manchmal läuft alles schief und man steht kurz vor der Explosion: Das Baby lässt sich partout nicht beruhigen, das Geschirr türmt sich, und das Telefon klingelt immer gerade dann, wenn Ruhe eingekehrt ist. Bevor Sie an die Decke gehen, ziehen Sie sich für zwei Minuten zurück, zum Beispiel ins Badezimmer.

Dann legen die den Daumen der rechten Hand auf die weiche Stelle zwischen dem Daumen und dem Zeigefinder der linken Hand. Drücken Sie diese sogenannte „Talsenke“ zehn Sekunden lang und lassen dann für etwa zwei Sekunden locker. Diesen Rhythmus wiederholen Sie eine Minute lang, dann wechseln Sie die Seite. Wenn Sie jetzt wieder die Tür aufmachen, gehen Sie gestärkt in den Alltag.

Übung 7: Meditieren

Eine gute Möglichkeit zu entspannen bietet sich auch, wenn Sie den Kinderwagen durch den Park schieben: Bleiben Sie immer mal wieder kurz stehen und genießen Sie mit geschlossenen Augen für ein paar Sekunden die Sonne. Wenn Sie weiterschieben, versuchen Sie quasi gehend zu meditieren: Bringen Sie dazu Ihre Schritte in Einklang mit dem Atemrhythmus – drei Schritte ein-, vier Schritte ausatmen. So kommt Ihr Kind an die frische Luft, und Sie kommen zur Ruhe.

Übung 8: „Göttlicher Gleichmut“

Das Baby liegt in der Wiege und will in den Schlaf geschaukelt werden? Wunderbar, da haben Sie mindestens zehn Minuten Zeit, sich selbst zu erholen. Setzen Sie sich neben die Wiege, legen die linke Hand locker auf das Knie. Dort, wo der Ringfinger liegt, befindet sich der Akupressurpunkt, der „Göttlicher Gleichmut“ heißt. Massieren Sie ihn fünf Minuten, indem Sie mit den Fingern sanft nach unten streichen. Dann ist die rechte Hand dran. So gehen Sie gelassen in den Feierabend und haben sogar die Muße, mit Ihrer kinderlosen Freundin zu telefonieren und sie zu bitten, mal als Babysitter einzuspringen...

Zum Weiterlesen:

Robert Sonntag:

„Blitzschnell entspannt – 100 verblüffend leichte Wege, stressige Alltagssituationen zu bewältigen“, Buch mit Audio-CD, Trias, 14,95 Euro.

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