Schönheit in der Schwangerschaft Wie schaffe ich es, Schwangerschaftsstreifen zu verhindern?

Der Schwangerschaftstest ist positiv, die Vorfreude auf die Schwangerschaft ist groß, aber ein Thema begleitet viele werdende Mütter von Anfang an: die Angst vor Schwangerschaftsstreifen.

Hebamme Franziska Luck kennt Tipps und weiß Dinge, die man beachten kann, um vielleicht den einen oder anderen Streifen zu vermeiden.

Die meisten werdenden Mütter besorgen sich gleich nach der Feststellung der Schwangerschaft ein Öl oder eine Pflege für den Bauch, um Schwangerschaftsstreifen zu vermeiden. Denn diese Risse im Bindegewebe wünscht sich sicherlich keine Frau. Hier nun aber die Realität: Etwa 90 Prozent der Frauen bekommen während der Schwangerschaft Dehnungsstreifen. Die Ursache liegt auf der Hand: das rasante Wachstum des Bauches und die schnelle Gewichtszunahme in kurzer Zeit.

Am häufigsten sind Schwangerschaftsstreifen am Bauch, aber auch an den Oberschenkeln, der Hüfte und an der Brust zu finden. Leider gibt es kein Wundermittel, um die Risse zu vermeiden, denn die Voraussetzungen deines Bindegewebes kannst du nicht ändern. Du kannst aber gute Bedingungen in deinem Körper schaffen.

Wie entstehen Schwangerschaftsstreifen?

Wenn sich die Haut während der Schwangerschaft über den wachsenden Bauch ausdehnt, entstehen bei vielen Frauen Schwangerschaftsstreifen. Hierbei handelt es sich um Risse im Bindegewebe, das dem schnellen Wachstum nicht standhält. Schwangerschaftsstreifen sind irreparable Risse in der Unterhaut, die nach außen hin durch lila-rote Streifen sichtbar sind.

Auftreten können Schwangerschaftsstreifen allerdings auch, ohne dass eine Schwangerschaft vorliegt. Denn auch während der Pubertät, bei großen Wachstumsschüben oder bei starker Gewichtszunahme können diese Risse entstehen. Die Haut als unser größtes Organ kann sehr viel Dehnung und Belastung standhalten, aber jede Haut bzw. jedes Bindegewebe stößt irgendwann an Grenzen. Viele Frauen leiden unter schwachem Bindegewebe, was Schwangerschaftsstreifen leider sehr begünstigt.

Wann entstehen die Schwangerschaftsstreifen?

Da gibt es keine allgemein gültige Antwort. Bei einigen Frauen hält die Haut bis kurz vor Ende der Schwangerschaft stand, bei anderen sieht man die Risse schon im zweiten Drittel der Schwangerschaft. Bei den meisten Schwangeren entstehen die Streifen im letzten Drittel der Schwangerschaft, da zu dieser Zeit der Bauch und die Belastung der Haut am größten ist.

Es gibt jedoch auch Frauen, die berichten, dass die Risse während der Geburt entstanden sind. Nach der Geburt können Dehnungstreifen auch beim Milcheinschuss an der Brust entstehen. Natürlich gibt es einige Mütter, die Glück haben, ohne Schwangerschaftsstreifen durch die neun Monate zu kommen.

Sport

Durch Sport und Bewegung stärkst du dein Bindegewebe. Außerdem führt regelmäßige Bewegung zu einer geringeren Gewichtszunahme, wodurch eine geringere Belastung des Gewebes entsteht. Sport heißt natürlich nicht, dass du dich im Fittnesstudio abrackern musst. Es gibt auch tolle Kurse während der Schwangerschaft wie beispielsweise Yoga oder Pilates. Regelmäßig ausgiebig Spazierengehen ist auch schon eine gute Art der Bewegung.

Was kann ich präventiv gegen Schwangerschaftsstreifen machen?

Es ist tatsächlich recht einfach: Du kannst nichts tun! Es ist schlichtweg Veranlagung, und gegen schwaches Bindegewebe haben wir leider keine Chance. Dennoch kann man einige Dinge beachten, um gute Bedingungen in deinem Körper zu schaffen. Selbst wenn du die Dehnungsstreifen nicht komplett vermeiden kannst, kannst du dazu beigetragen, dass diese nicht so ausgeprägt auftreten. 

Gewichtszunahme

Es lässt sich nicht vermeiden, in der Schwangerschaft zuzunehmen. Im Gegenteil, das ist richtig und wichtig – sofern es sich im normalen Bereich bewegt. Dieser liegt bei zehn bis 18 Kilo Zunahme bis zum Ende der Schwangerschaft. Für zwei essen solltest du aber auf keinen Fall. Eine erhöhte Kalorienzufuhr von etwa 300 Kilokalorien am Tag reicht aus, um dein Baby mitzuversorgen.

Die Zunahme durch die Schwangerschaft und die damit natürlich einhergehenden Veränderungen wie beispielsweise das Baby im Bauch, erhöhtes Blutvolumen und das Fruchtwasser betragen am Ende etwa elf Kilo. Wenn du dich in diesem gesunden Normalbereich bewegst, ist das Risiko, Dehnungsstreifen zu bekommen, deutlich gesenkt.

Essen und Trinken

Viel trinken ist gesund und macht schöne Haut. Noch besser: Es kann sich sogar positiv auf das Entstehen von Schwangerschaftsstreifen auswirken. Die empfohlene Menge von zwei bis drei Litern Wasser am Tag helfen, lästigen Dehnungsstreifen vorzubeugen.

Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag sowie Vollkornprodukte und gesundes Eiweiß sind Bausteine für eine gute Ernährung. Diese wirkt sich auf den gesamten Körper positiv aus, auch auf deine Haut. Vitamine und Mineralstoffe sorgen für einen gesunden und fitten Körper und sind wichtig für die Entwicklung deines Babys. Zusätzlich kann sich die vitaminreiche und ausgewogene Ernährung als Prävention gegen Dehnungsstreifen auszahlen.

Ölen und eincremen

Keine Creme oder Öl kommt so tief in die Haut, dass man ihr eine wirklich effektive Vermeidung von Dehnungsstreifen nachsagen könnte. Also falle bitte nicht auf überteuerte Produkte herein, denn sie können ihr Versprechen nicht halten. Besorge dir lieber ein Öl oder eine Lotion, die gut riecht und dir einfach gefällt. Wichtig zu beachten ist, sich nicht nur auf den Bauch zu beschränken.

Auch die anderen potenziell betroffenen Hautstellen wie Hüften, Brust und Beine sollten mit geölt oder gecremt werden. Denn gegen das Cremen an sich ist nichts einzuwenden: Es hält die Haut geschmeidig und fühlt sich gut an. Zusätzlich kann es das Risiko der ungewollten Streifen senken, aber nicht vermeiden. Dies funktioniert bei jeder Creme und nicht nur bei speziellen oder teuren Produkten.

Weitere Möglichkeiten

Wechselduschen und Massagen können sich ebenfalls positiv auswirken. Natürlich helfen auch diese Maßnahmen nicht gegen die Dehnung an sich, aber sie sorgen dafür, dass die Haut gut durchblutet ist. Dies wirkt sich positiv auf das Bindegewebe aus. Wichtig zu beachten ist, den Bauch nicht zu stark mit kreisenden Bewegungen zu massieren, da diese Art der Massage zu Wehen führen kann. Kreisende Bewegungen bieten sich eher für die anderen Körperstellen an. WICHTIG: Bei vorzeitiger Wehentätigkeit bitte nicht den Bauch massieren.

Es gibt auch die Möglichkeit, den Bauch mit Kinesiotape zu tapen und zu stabilisieren, um Schwangerschaftsstreifen zu vermeiden. Diese Tape-Anlangen kosten zwischen 15 und 20 Euro und können von Hebammen, Ärzten und oder auch Physiotherapeuten geklebt werden, sofern diese eine Fortbildung dazu absolviert haben. Genau so sieht es mit Schüssler Salzen aus. Diese können innerlich helfen, das Bindegewebe zu stärken und Dehnungsstreifen zu vermeiden bzw. zu minimieren. 

Was tun, wenn es doch reißt?

Nichts. Einfach abwarten und sich auf das Baby freuen. Die betroffenen Stellen gut eincremen oder ölen, da die Haut meist juckt, wenn das Bindegewebe reißt. Wenn die Schwangerschaftsstreifen an einer Stelle auftreten, heißt das nicht, dass sie sich extrem ausbreiten. Manchmal reißt es nur ganz wenig an einigen Stellen. Bei anderen Müttern sind die Streifen leider stark ausgeprägt. Die Dehnungsstreifen werden nach einigen Monaten heilen, und es bleiben nur zarte weißliche Narben zurück.

Nach gut einem Jahr sieht man kaum noch etwas und je mehr Zeit ins Land geht, desto weniger sind die Streifen noch sichtbar. Ganz verschwinden werden sie allerdings nicht. Denn es handelt sich um Narben und diese bleiben, auch wenn man sie gut pflegt. Wenn du während der ersten Schwangerschaft Dehnungsstreifen bekommen hast, heißt es nicht automatisch, dass diese sich bei einer weiteren Schwangerschaft verschlimmern. Das ganze Ausmaß der Dehnungsstreifen kann man jeweils erst nach der Schwangerschaft sehen. Die Streifen können nach der Schwangerschaft auch mit einem Laser behandelt werden. Durch diese Behandlung sollen die Streifen komplett verschwinden. Diese Leistung übernimmt allerdings nicht Krankenkasse.

#tigerstreifen

In den sozialen Medien hat sich ein Hashtag etabliert, unter dem Mütter ihre Dehnungsstreifen zeigen. Das heißt natürlich nicht, dass diese Frauen froh über ihre gerissene Haut sind, aber sie machen einfach das Beste daraus. Denn du kannst es ja nicht ändern, dass du diese Streifen hast. Warum solltest du dich also dafür schämen und nicht stolz sein? Stolz darauf, dass ein Mensch in dir gewachsen ist. Einige Mütter bezeichnen die Dehnungsstreifen auch als Bilder, die das Baby "gemalt hat", als es noch im Bauch war. Beide Gedankengänge haben eins miteinander gemeinsam: Sie sollen Anstoß des Positivdenken in dieses sonst sehr negativ behaftete Thema bringen.

Vielleicht hilft es auch einigen Müttern, sich auf das Wesentliche zu Konzentrieren: dein Baby. Eine Sache ist sicher: Ob mit oder ohne Schwangerschaftsstreifen – sobald du dein Baby in deinen Armen hältst, ist zunächst alles egal. Denn letztendlich zeigen diese Streifen auf deiner Haut die unglaubliche Leistung, die dein Körper erbracht hat und dich damit zu einer Mama gemacht hat. 

SOS-Hilfe bei Schwangerschaftsstreifen

(nach der Geburt)

  • regelmäßig eincremen oder ölen
  • mit Narbenroller behandeln
  • Umschläge mit Frauenmanteltee 
  • Schüssler Salze einnehmen 
  • Die betroffenen Stellen massieren

Unsere Expertin

Franziska Luck. Foto: privat

Franziska Luck lebt und arbeitet in Hamburg. Die ausgebildete Hebamme ist selbst Mutter von zwei Kindern. Sie arbeitet nebenbei als Texterin und bloggt in ihrer Freizeit.

Auf wireltern.de schreibt sie vor allem viel zum Thema Geburtsvorbereitung, Baby und Ernährung.

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