Im Schongang Entspannt durchs Wochenbett

Etwa sechs bis acht Wochen braucht der Körper, um sich von den Strapazen der Schwangerschaft und Geburt zu erholen. Wissenswertes rund ums Wochenbett.

 

Die Geburt ist geschafft! Und während sich Mutter und Kind in Ruhe kennen lernen, legt Mamas Körper den Rückwärtsgang ein. Schon unmittelbar nach der Entbindung schaltet er nämlich auf „nicht schwanger“ um. „Die Konzentration von Östrogen und des Gelbkörperhormons, das in der Plazenta gebildet wird, sinkt stark ab“, erklärt Gynäkologe Dr. Bernd Morgenstern.

„Wasseransammlungen im Körper werden vermehrt über die Nieren ausgeschieden, was wiederum dazu führt, dass die frisch gebackene Mutter rund sechs Kilogramm Körpergewicht in den ersten Wochen verliert.“ Mütter plagt im Frühwochenbett – so heißt der Zeitraum vom ersten bis zum zehnten Tag nach der Geburt – jedoch nicht nur erhöhter Harndrang.

 

Nützliche Nachwehen

Es sind vor allem die Nachwehen, die Frauen zu schaffen machen. Nachwehen helfen der Gebärmutter, sich zurückzubilden, nachdem sie sich in der Schwangerschaft auf das 20-Fache ausgedehnt hat. Und: Sie sind insbesondere beim Stillen zu spüren. „Durch den Saugreiz des Neugeborenen schüttet der weibliche Körper vermehrt Oxytocin aus. Dieses Wehenhormon’ sorgt dafür, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und sich schneller zurückbildet als bei Frauen, die nicht stillen“, erklärt Dr. Morgenstern.

Eine Wärmflasche oder ein warmes Kirschkernkissen lindert die Beschwerden. „Reicht das nicht aus, kann der Arzt auch leichte Medikamente verordnen“, fügt der Experte hinzu.

 

Belastbarer Beckenboden

Weil der Beckenboden durch die Schwangerschaft stark beansprucht wurde, sollten Frauen die Rückbildung mit entsprechender Gymnastik unterstützen. Gezielte Übungen kräftigen den Beckenboden und sorgen dafür, dass er seine Funktion als Stütze von Rumpfmuskulatur und inneren Organen wie vor der Schwangerschaft ausüben kann.

„Mit der üblichen Rückbildungsgymnastik beginnt man in der Regel am Ende des Wochenbetts. Es gibt aber spezielle Übungen, mit denen Frauen – abhängig von der Art der Geburt – bereits einige Tage nach der Entbindung die Rückbildung fördern können“, weiß Dr. Morgenstern. Sport ist während des Wochenbetts nicht empfehlenswert. „Erst nach Ablauf des Wochenbetts sollten Mütter leichten Sport treiben und das Training nach Körpergefühl langsam steigern.“

 

Wunde Punkte

In der Gebärmutter bleibt an der Stelle, wo sich die Plazenta gelöst hat, eine Wunde zurück. Im Zuge des Heilungsprozesses bildet sich Wundsekret, das zusammen mit Schleimhautresten als sogenannter Wochenfluss ausgeschieden wird. Er ist anfangs rot bis braun und verfärbt sich weiß, bis er nach vier bis sechs Wochen versiegt. Dr. Morgenstern empfiehlt Frauen, in dieser Zeit unbedingt zu Binden greifen. „Das Risiko von Wundinfektionen ist größer, wenn der Wochenfluss durch Tampons im Inneren des Körpers zurückgehalten wird, weil sich dadurch Bakterien rasant vermehren.“

Der Gynäkologe betont, dass Geburtsverletzungen – dazu gehören auch  Kaiserschnittwunde, Dammriss und -schnitt – normalerweise problemlos heilen und keiner besonderer Pflege bedürfen. „Nach einem Dammschnitt oder Dammriss genügt das Abspülen mit klarem Wasser nach dem Toilettengang. Von Sitzbädern und Salben rate ich ab. Auch gibt es keine überzeugenden wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass Salben den Heilungsprozess einer Kaiserschnittwunde beschleunigen.“ Die Hebamme kontrolliert im Rahmen der Wochenbettbetreuung, ob Dammnaht & Co. gut verheilen. Wenn die Geburtswunden stark schmerzen oder eitern, sollten Frauen einen Arzt aufsuchen.

 

Schlechte Stimmung

Das gilt auch für den Fall, dass der sogenannte „Babyblues“ – das Stimmungstief, das mehr als die Hälfte aller frisch gebackenen Mütter in den ersten zehn Tagen nach der Geburt durchlebt, zum Dauerzustand wird. Dr. Morgenstern: „Halten die typischen Symptome wie Stimmungsschwankungen, Erschöpfung, Appetitlosigkeit länger als zwei Wochen an, empfehle ich Betroffenen umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, da ansonsten schwere Depressionen die Folge sein können.“

 

Entspannte Momente

Frisch gebackene Mütter sollten sich Zeit nehmen, um sich auf die neue Situation einzustellen. „Ich empfehle ihnen, die schönen Seiten der neuen Lebenssituation auszukosten und zu entspannen“, ermuntert Dr. Morgenstern. Dazu gehört auch, euphorischen Besuchern Grenzen zu setzen. Denn: „Babytourismus“ auf der Wochenbettstation bedeutet Stress für Mutter und Kind. Tipp: „Facebook“ erweist sich in diesem Zusammenhang als probates Mittel: Ein Bild mit den wichtigsten Babyinfos posten – und alle sind ruhig gestellt (zumindest fürs Erste).

 

Unser Experte

Dr. med. Bernd Morgenstern, stellvertretender Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Köln

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