Mit Gütesiegel Geburtskliniken

Wussten Sie, dass es in Deutschland 63 Kliniken gibt, die das Gütesiegel „Babyfreundliches Krankenhaus“ tragen? Kliniken mit diesem Prüfsiegel verwirklichen die internationalen Betreuungsstandards von Unicef und der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Doch was sind eigentlich „Babyfreundliche Krankenhäuser“ und warum brauchen wir ein Gütesiegel? Man sollte es kaum glauben in unserer auf Perfektion gepolten Gesellschaft, aber immer wieder klagen Mütter, dass sie sich während und vor allem nach der Geburt ihres Babys in der Klinik emotional schlecht behandelt gefühlt haben. Oft muss wegen des Personalmangels alles schnell gehen. Keine Zeit, Fragen zu beantworten, beim ersten Stillen Hilfestellung zu leisten oder die zeitliche Routine einmal zu unterbrechen. Gerade beim ersten Baby brauchen Mütter, die vielleicht noch unsicher sind und keine Erfahrung haben, Schonraum, Zeit, Verständnis und Geduld.

Es kann auch passieren, dass die Geburt für Mutter und Kind traumatisch verläuft. Die meisten Mütter sind nicht auf den Wehenschmerz vorbereitet. Auch nicht darauf, dass eine Geburt lange dauern kann. Sie brauchen schon im Kreißsaal liebevolle Zuwendung und nicht nur optimale medizinische Betreuung. Doch das lässt die Krankenhausroutine oftmals nicht zu.


Viele Mütter haben dann das Gefühl, mit ihren zahlreichen Fragen und Verunsicherungen allein gelassen zu werden. Dabei müssten sie in dieser Phase ganz besonders aufmerksam umsorgt werden. Das alles kann schlimmstenfalls eine postnatale Depression einleiten, wie die Hamburger Psychologin Dr. Veronika Windsor-Oettel in ihrer Dissertation beschrieben hat.

Foto: Thinkstock

Unicef und WHO haben sich zum Ziel gesetzt, die erste Lebensphase eines Neugeborenen besonders zu schützen. Mit der gemeinsamen Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“ haben sie ein Betreuungskonzept für Mutter und Kind entwickelt, dem sich weltweit 20.000 Geburtskliniken angeschlossen haben. In Deutschland sind bereits 113 Geburts- und Kinderkliniken Mitglied der Initiative und 63 davon sind inzwischen als „babyfreundlich“ anerkannt. Ziel ist es, die Mutter-Kind-Bindung zu stützen. Diese Kliniken verwirklichen die Anforderungen der „Zehn Schritte zum Babyfreundlichen Krankenhaus“ in der täglichen Arbeit.


Mit einer positiven Geburtserfahrung fängt es an. Die nämlich ist, auch bei einer schweren Geburt, der Schlüssel für eine gesunde Entwicklung der Mutter-Kind-Bindung. „Babyfreundliche Krankenhäuser“ vermeiden bewusst Routinemaßnahmen, die die Bindungsentwicklung von Mutter und Kind und das Bindungsverhalten des Kindes stören. 


Der intensive körperliche Kontakt beim Stillen fördert die Beziehung zwischen Mutter und Kind. Dies wird bewusst unterstützt. Vorbildliche Stillrichtlinien sehen vor, dass Müttern korrektes Anlegen gezeigt wird. Zudem wird ein ausführliches Stillgespräch geführt.
Müttern wird ermöglicht, unmittelbar nach der Geburt intensiven Hautkontakt mit ihrem Baby zu haben, mindestens eine Stunde lang oder bis das Baby das erste Mal gestillt wurde.

Wichtig ist auch die Praxis, Frauen mit Kaiserschnittentbindung, die häufig noch nicht in der Lage sind zu stillen, einfühlsam zu begleiten, den ersten Kontakt mit ihrem Baby aufzunehmen und baldmöglichst zu stillen. 24 Stunden Rooming-in ist selbstverständlich. Eine Trennung für notwendige pflegerische oder medizinische Maßnahmen sind maximal für eine Stunde vorgesehen und werden angekündigt und erklärt.


Auf den Wöchnerinnenstationen wird ein guter Teamgeist gepflegt. Die Hilfestellung für Mütter wird nicht dem Zufall überlassen, sondern ist einheitlich geregelt. Auch die Beratung ist einheitlich und nicht von der gerade diensthabenden Person und ihrem Wissensstand
abhängig.

Mehr Informationen

Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“ (BFHI) e. V.
Jan-Wellem-Straße 6
51429 Bergisch Gladbach
Tel: 02204/40 45 90
Fax: 02204/40 45 92

gutachten@babyfreundlich.org

www.babyfreundlich.org

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