Wehen

Schmerz lass nach!

Es gibt wohl kaum einen schöneren Grund, Schmerzen zu ertragen, als die Geburt. Angenehm sind Wehen deshalb aber noch lange nicht.

 

Welche Methoden es für Sie gibt, die Wehenschmerzen zu lindern, erklärt Ihnen unsere Autorin Inka Pesch.

Eine Geburt ist eine Grenzerfahrung. Die Entbindung stellt die Frau im wahrsten Sinne des Wortes vor die Zerreißprobe. Aber: Jede Frau empfindet Schmerzen anders und jede geht anders mit ihnen um. Während sie für die eine einfach dazugehören zu diesem naturgewaltigen Ereignis, versetzen sie die andere in Angst und Schrecken.

Doch wenn die Qualen unerträglich werden oder sich Panik breitmacht, ist das dem Geburtsverlauf nicht förderlich. Die gute Nachricht ist: Sie müssen nicht mehr aushalten, als Sie können. Es gibt viele Hilfsmittel, um Ihnen die Geburt zu erleichtern!

 

Baden, atmen – entspannen!

Grundsätzlich gilt: Je mehr sich die Gebärende verkrampft, desto stärker setzen ihr auch die Wehen zu. Wichtig ist es daher, schon während der Schwangerschaft Selbstvertrauen aufzubauen und dem Ereignis mit positiven Gefühlen entgegenzusehen. Ein Geburtsvorbereitungskurs und Gespräche mit der Hebamme können helfen, Unsicherheiten zu beseitigen. Zögern Sie nicht, Ihre Sorgen und Nöte mitzuteilen. Die hat jede Frau, vor allem wenn sie zuvor noch kein Kind zur Welt gebracht hat.

Wenn es dann so weit ist, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Ihnen helfen, sich zu entspannen: eine liebevolle Massage Ihres Partners, ein wohltuendes Bad, ein angenehmer Duft oder eine CD mit harmonischer Musik. Bewegung oder eine andere Gebärhaltung können Ihnen unter der Geburt ebenso Erleichterung verschaffen und Stress abbauen. Auch mit Ihrem Atem können Sie viel bewirken und die Wehenpausen zur Erholung nutzen. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie im Geburtsvorbereitungskurs.

 

Methoden zur Schmerzlinderung

Akupunktur

Die Akupunkturnadeln stimulieren bestimmte Punkte des Körpers – so soll der Energiefluss reguliert werden. Die Akupunktur wird häufig schon vor der Geburt, ab der 36. Schwangerschaftswoche, angewendet. Die Methode kann helfen, die Geburtsdauer bei Erstgebärenden zu verkürzen. Mithilfe der Nadelstiche sollen Schmerzleitungen unterbrochen und der Gebärmutterhals weicher werden, sodass sich der Muttermund schneller öffnen kann. Die Akupunktur kann außerdem einen psychischen Effekt auf die Mutter haben und ihr zu mehr Gelassenheit verhelfen.

Homöopathie

Eine andere sanfte Art, den Schmerz zu verarbeiten, ist die Homöopathie. Auch sie kann schon in der Geburtsvorbereitung dazu beitragen, den Muttermund weicher werden zu lassen, und der Frau helfen, Ängste abzubauen. Da das jeweilige Mittel allerdings ganz individuell auf Situation und Person abgestimmt werden muss, erfordert das viel Fingerspitzengefühl von der zuständigen Hebamme – vor allem im Kreißsaalbetrieb. Und selbst wenn die Kügelchen nicht helfen – schaden tun sie jedenfalls auch nicht.

Medikamente

Die unter einer Geburt eingesetzten Präparate lassen sich in krampflösende und schmerzstillende Wirkstoffe einteilen, es werden aber auch Kombinationspräparate verabreicht. Krampflösende Mittel entspannen die Muskeln und werden etwa eingenommen, wenn sich der Muttermund nicht öffnet.

Starke Schmerzmittel wie die sogenannten Opioide werden vor allem in der Eröffnungsphase gegeben, da sie zu Benommenheit und Übelkeit führen können. Die Frau kann zwar entspannen, ist aber weniger aktiv. Nachteil einiger Medikamente ist, dass sie in den Blutkreislauf des Babys übergehen. Somit können seine Mithilfe bei der Geburt und die Atmung unter Umständen beeinträchtigt werden.

Pudendusblock

Vor allem wenn in der Austreibungsphase eine Saugglocke oder Zange erforderlich ist, wird der Pudendusblock angewendet. Dabei injiziert der Arzt ein lokales Betäubungsmittel in die Umgebung des Pudendusnervs. So empfindet die Frau im Bereich des Damms und Beckenbodens keine Schmerzen mehr. Pressdrang und Wehenschmerzen sind nach wie vor vorhanden und die Maßnahme wirkt sich nicht auf das Baby aus. Auch, wenn ein Dammschnitt genäht werden muss, ist der Pudendusblock sinnvoll.

Periduralanästhesie

Eine sehr wirkungsvolle Methode, den Geburtsschmerz auszuschalten, ist die sogenannte Periduralanästhesie (PDA). Mittels eines Katheders spritzt der Anästhesist ein schmerzstillendes Medikament in den Periduralraum zwischen die äußeren Schutzhüllen des Rückenmarks. Nach etwa zehn bis zwanzig Minuten sind die Nervenfasern blockiert, die untere Körperhälfte gefühllos und die Gebärende empfindet so gut wie keine Wehenschmerzen mehr.

Ein Vorteil der PDA ist, dass die Mutter bei vollem Bewusstsein ist. Das Medikament belastet den Organismus des Babys nicht und wird im Allgemeinen gut vertragen. Allerdings ist die Frau weniger beweglich – manche Kliniken bieten daher eine mobile PDA an, die sie körperlich nicht so einschränkt. Für eine PDA muss der richtige Zeitpunkt abgewartet werden. Die Hebammen im Kreißsaal wissen, wann der Moment gekommen ist, diese Möglichkeit anzubieten.

Wir haben heutzutage das große Glück, zwischen vielen Methoden der Schmerzbewältigung wählen zu können. Manche Frauen bevorzugen die sanfte natürliche Variante, andere wiederum entscheiden sich für die Schulmedizin, kombinieren beides miteinander oder verzichten ganz auf Hilfsmittel. Welchen Weg Sie wählen, bestimmen Sie ganz alleine. Es ist jedenfalls sinnvoll, sich alle Optionen offenzuhalten und nichts im Vorfeld auszuschließen. Denn: Man weiß nie, wie es kommt...

 

wirEltern.de - Newsletter

Gewinnspiele und deine Themen. Jede Woche neu.