Umgang mit Schmerzen Was bei Wehen hilft

Wehen tun weh. Aber sie sind sinnvoll – sie helfen, das Ungeborene auf die Welt zu bringen. Zum Glück gibt es verschiedene Möglichkeiten, die den Geburtsschmerz für die Mama erträglicher machen.

Wie fühlen sich Wehen eigentlich an? Diese Frage brennt vor allem Frauen während der ersten Schwangerschaft unter den Nägeln. „Wie Regelschmerzen, nur stärker“, „wie Magenkrämpfe“, „wie ein plötzlicher Hexen­schuss“, „wie die Hölle". Das sind nur einige Meinungen von Müttern, die bereits ein Kind geboren haben. So unterschiedlich Frauen Wehenschmerzen beschreiben, so unterschiedlich ist auch die Wahrnehmung der Schmerzen selbst – aber wohl keiner empfindet die Kontraktionen der Gebärmutter als angenehm. Wie stark die Schmerzen sind, hängt natürlich auch von der Art der Wehen ab.

Im Geburtsvorbereitungskurs zeigt die Hebamme, wie man Wehen veratmet. Foto: Getty Images

Wehe ist nicht gleich Wehe

Die sogenannten „Übungswehen“ (Braxton-Hicks-Kontraktionen) bemerken manche Frauen gar nicht. Andere merken nur, dass der Bauch hart wird. Mit den Übungswehen trainiert die Gebärmutter ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche (SSW) für die Geburt. Ab der 35. SSW können die Übungswehen in Senk- oder Vorwehen übergehen. Sie sorgen dafür, dass das Baby tiefer ins mütterliche Becken rutscht und die Geburtsposition in der Gebärmutter einnimmt. Die Symptome gleichen denen von Übungswehen: Es zieht im Rücken und im Unterleib, der Schmerz kann bis in die Beine ausstrahlen.

Senkwehen sowie Übungswehen sind harmlos. Treten jedoch starke Schmerzen im Unterleib auf, sollte die Schwangere auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, insbesondere wenn diese Symptome vor der 38. SSW auftreten. Dies können Anzeichen für vorzeitige Wehen sein, die möglicherweise zu einer Frühgeburt führen.

Bei Blutungen oder einem fraglichen Abgang von Fruchtwasser sollte ebenfalls ein Arzt oder das Krankenhaus zu Rate gezogen werden. Nicht jeder Flüssigkeitsabgang ist Fruchtwasser und somit ein Blasensprung. Es könnte auch Urin oder stärkerer Ausfluss sein, das kommt grad am Ende der Schwangerschaft durchaus mal vor. Jede Geburt beginnt anders, doch eins ist sicher: Um die Wehen kommst du nicht herum.

Das Ziel der echten Wehen, der Geburtswehen: den Gebärmutterhals (Cervix) zu lockern und den Muttermund zu öffnen. Ob es sich um Geburtswehen handelt, kannst du ganz leicht herausfinden: Nämlich indem du dich in eine warme Badewanne legst oder eine warme Dusche nimmst. Verschwinden die Schmerzen, ist es falscher Alarm, bleiben sie und werden intensiver und regelmäßig, wird’s wohl ernst.

Bei regelmäßigen Wehen mit einem Abstand von etwa fünf Minuten, kann man sich auf den Weg in die Klinik machen. Viele Frauen haben die Sorge, ins Krankenhaus zu fahren, obwohl es nur falscher Alarm ist. Kein Sorge, das passiert recht häufig, nicht nur bei der ersten Geburt. Ihr werdet im Kreißsaal von den Hebammem ernst genommen, aber es kann auch vorkommen, dass ihr noch mal nach Hause geschickt werdet. Wenn die Fruchtblase geplatzt ist, schickt euch keiner weg. Nach einem Blasensprung soll das Baby idealerweise innerhalb von 24 Stunden geboren werden.

Sind die Wehen regelmäßig, geht's in die Entbindungsklinik. Foto: Getty Images

Das lindert Wehenschmerzen: atmen und tönen

Die richtige Atemtechnik trägt enorm dazu bei, Wehenschmerzen erträglicher zu machen. Beim sogennanten Tönen wird auf ein langes "A" oder auch "O" kontrolliert  ausgeatmet. Es ist eigentlich ganz leicht: Wenn die Wehe kommt, tief durch die Nase einatmen und mit einem langen "Aaaaaa" oder "Ooooo" ausatmen. Beim Geburtsvorbereitungskurs übt die Hebamme diese Atemtechnik, weshalb diese Kurse umgangssprachlich auch als "Hechelkurs" bezeichnet werden. Die Hebamme, die bei der Geburt dabei ist, wird dir aber alles noch mal, wenn es drauf ankommt, erklären und voratmen.

Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)

Das handgroße TENS-Gerät ist per Kabel mit Elektroden verbunden, die man sich auf den Rücken geklebt. Nun werden leichte elektrische Impulse in die Nervenfasern unter der Haut abgeben. Das soll für ein vermindertes Schmerzempfinden sorgen, sodass Mama in spe unter Umständen weniger Schmerzmittel benötigt. Im besten Fall verkürzt das sogar die Geburt. Die Intensität der Stromimpulse kann sie nach Bedarf selbstständig regulieren. Nebenwirkungen für Mutter und Kind sind nicht bekannt. Es sind spezielle TENS-Geräte für die Geburt erhältlich.

Hypnobirthing

Mithilfe spezieller Atem- und Entspannungsübungen, die Paare in entsprechenden Hypnobirthing-Kursen lernen, versetzt sich die Frau während der Geburt in eine Art Selbsthypnose. Dadurch sollen Ängste abgebaut und Geburtsschmerzen reduziert werden. Dies kann die natürliche Geburt sehr positiv unterstützen. Hier besteht natürlich keinerlei Risiko für Mutter und das ungeborene Kind!

Akupunktur

Die Akupunkturnadeln stimulieren bestimmte Punkte des Körpers – so sollen der Energiefluss reguliert, Schmerzleitungen unterbrochen und der Gebärmutterhals weicher werden. Dies führt dazu, dass sich der Muttermund schneller öffnen kann. Geburtsvorbereitende Akupunktur (ab der 36. SSW) soll helfen, die Geburts­dauer zu verkürzen. Es sind keinerlei Risiken für das Baby oder die Mutter zu erwarten. Die Klinik oder Hebammenpraxen, aber auch einige Gynäkologen bieten Akupunktur an.

Homöopathie

Globuli wirken nicht direkt schmerzlindernd, können aber die Schmerzen erträglicher machen. Das jeweilige Mittel muss individuell auf den körperlichen und seelischen Zustand der Mutter und die Phase der Geburt abgestimmt werden. Es gibt keine Nebenwirkungen für Mutter und Kind.

Baden

Eine sehr beliebte Methode bei Hebammen für die Schmerzlinderung unter der Geburt ist auch ein warmes Bad. Meist wird dies besonders am Anfang der Geburt empfohlen, wenn die Frau noch keine Schmerzmittel möchte. Das warme Wasser trägt zur Entspannung der werdenden Mutter bei. Es gilt zu bedenken, dass das warme Wasser zu Kreislaufschwierigkeiten bei der Mutter führen kann. Deshalb sollte die Schwangere nicht alleine sein, wenn sie badet.

Massagen unter der Geburt

Hier kann sich der Partner aktiv einbringen: Viele Frauen empfinden eine Rückenmassage, vor allem im unteren Lendenwirbelbereich, als wohltuend und schmerzlindernd. Geeignete Massagetechniken lernen Paare im Geburtsvorbereitungskurs oder von der Hebamme im Krankenhaus, während der Geburt. Tipp: Bringt euer eigenes Massageöl zur Geburt mit. Dann könnt ihr euch den Duft aussuchen, den ihr mögt.

Schmerzmittel

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, Medikamente über einen Zugang in die Vene zu verabreichen. Diese Schmerzmittel helfen aber nicht langfristig und müssen daher bei Bedarf ein weiteres Mal verabreicht werden, wenn die Wehen wieder schmerzhaft werden und genug Zeit vergangen ist.Viele Frauen probieren diese Möglichkeit, nachdem Massage oder Badewanne nicht mehr helfen. Hier sind auch keine Nebenwirkungen für Mutter und Kind zu erwarten, da die Hebamme weiß, bis zu welchem Punkt der Geburt diese Mittel verwendet werden dürfen.

Kaum ist das Baby da, sind die Wehenschmerzen vergessen. Foto: Getty Images

PDA (Periduralanästhesie)

Die PDA ist eine Regionalanästhesie, die recht häufig unter der Geburt verwendet wird und bei den werdenden Mamas sehr beliebt ist. Zu beachten ist, dass erst ab einem Muttermund von etwa drei bis vier Zentimetern eine PDA überhaupt in Erwägung gezogen wird. Ein Anästhesist legt dann einen winzigen Schlauch in einen speziellen Bereich der Wirbelsäule, um so ein schmerzstillendes Medikament zu verabreichen.

Dieses Medikament läuft während der restlichen Geburt über ein Gerät permanent in diesen Raum nahe der Wirbelsäule und nimmt dir die Schmerzen. Du brauchst keine Angst zu haben, denn dieser Schlauch ist nicht im Rückenmark, sondern etwa eine Handbreit darunter. Idealerweise sind deine Beine nicht komplett taub, sodass du dich noch aktiv auf dem Bett bewegen kannst.

Durch die Entspannung, die die PDA bringt, geht der Muttermund oft leichter auf. Wichtig ist aber, dass der Druck weiterhin zu spüren ist, damit du am Ende der Geburt aktiv mitmachen kannst, um deinem Baby auf die Welt zu helfen. Bei einigen Frauen ist die Entspannung zu groß, sodass die Wehen verschwinden. Dem wirkt dann ein Wehentropf entgegen. Da man hierfür das körpereigene Hormon Oxytocin verwendet, ist dies unbedenklich und hilft dir.

Hierin liegt der Unterschied zwischen Spinal- und Periduralanästhesie: Erstere wird zum Beispiel bei einem Kaiserschnitt verwendet. Denn bei dieser Nakose ist alles unterhalb der Einstichstelle innerhalb weniger Augenblicke komplett taub. Die Berührungen der Ärzte spürst du aber trotzdem. Bevor der Kaiserschnitt beginnt, wird mehrfach getestet, ob die Narkose richtig sitzt und du schmerzfrei bist.

Es gibt selten Nebenwirkungen bei einer PDA oder Spinalanästhesie. Wenn du den zehnseitigen Aufklärungsbogen siehst, bekommst du sicherlich erstmal einen Schreck. Aber das Formular ist eine Absicherung für den Arzt, dort muss jedes mögliche Risiko erwähnt sein. Die häufigste Nebenwirkung, die aber nicht oft auftritt, sind Kopfschmerzen. Wie bei allen Eingriffen kann es auch zu einer Infektion kommen. Für dein Baby gibt es kein Risiko.

Bei jeder werdenden Mutter hilft etwas anderes. Jede Geburt ist individuell, wie auch jede Schwangerschaft. Eine Hebamme steht dir während der Entbindung zur Seite und wird dich beraten, was im jeweiligen Moment die passende Variante der Schmerzlinderung für dich ist. Bei der Anmeldung im Krankenhaus, während der Schwangerschaft, kannst du auch schon Wünsche wie zum Beispiel die PDA angeben.

Versuche aber, dich nicht zu sehr auf gewisse Dinge zu versteifen, denn während der Geburt kann sich deine Meinung ganz schnell ändern. Du bekommst nach der Geburt keine Urkunde, wenn du es ohne Schmerzmittel geschafft hast. Wenn du also was zur Schmerzlinderung brauchst, sprich deine Hebamme einfach unter der Geburt an. Eines ist sicher: Sobald du dein Baby in den Armen hältst, ist jeder Geburtsschmerz vergeben und vergessen.

Unsere Geburts-Expertin

Hebamme und zweifache Mutter Franziska Luck weiß über die Babyzeit Bescheid. Foto: privat

Franziska Luck
Mutter von zwei Kindern und Hebamme, Hamburg

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