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Postpartale Depression bei Vätern
Vater werden – und dann?

Dass die Geburt eines Babys für die Mama nicht nur körperlich, sondern auch seelisch ein einschneidendes Erlebnis ist, ist klar. Doch was ist mit Papa? Gerade im Hinblick auf eine mögliche postpartale Depression ist es entscheidend, dass auch Väter Gehör finden.

Für viele Paare ist schnell klar: Der werdende Vater wird bei der Geburt des Babys dabei sein. Was in den Siebzigerjahren als Revolution in der Geburtshilfe begann, gleicht heute schon fast einer Erwartungshaltung: Papa ist dabei. Die Rolle des werdenden Vaters im Kreißsaal ist recht eindeutig definiert: Er soll die Mutter emotional unterstützen.

Auch Väter haben Gefühle

Doch wohin eigentlich mit den Gefühlen und Ängsten der Väter? Viele Paare besuchen gemeinsam einen Geburtsvorbereitungskurs. Hier dreht es sich darum, wie die Männer ihrer Partnerin unter der Geburt am besten zur Seite stehen. Ist dort also wirklich der richtige Platz für die ehrlichen Fragen und Sorgen der Väter, besonders wenn es um ihre neue Rolle im Leben geht?

Studien aus den USA und Australien zeigen, dass es Männern oftmals schwerfällt, vor allem negative Gedanken offen vor der werdenden Mutter anzusprechen. Eine mögliche Lösung: Sitzungen innerhalb eines gemeinsamen Geburtsvorbereitungskurses speziell für Männer ohne ihre Partnerin, idealerweise geleitet von einer männlichen Fachperson. Mit professioneller Hilfe können die werdenden Väter sich über die erste Zeit zu dritt austauschen und mögliche Konflikte in den ersten Wochen nach der Entbindung besprechen. Auch die Männer brauchen Zeit, sich in ihrer neuen Rolle zurechzufinden und sich an die veränderte Familie mit Nachwuchs zu gewöhnen.

Ein Vater wird geboren

In Deutschland findet man allmählich auch einige wenige gezielte Angebote von Männern für Männer. Aber warum ist das eigentlich so wichtig? Schließlich bekommen ja die Frauen die Kinder. Das Geburtserlebnis der Mütter ist mittlerweile sehr gut erforscht. In unserer Gesellschaft geht man zunehmend offener und sensibler mit psychischen Störungen bei Frauen um, die mitunter im Zusammenhang mit einer Geburt entstehen.

Wie sich eine Geburt auf die seelische Gesundheit der Väter auswirkt, wird erst seit ein paar Jahren in Studien genauer beleuchtet. Auch Männer können an postpartalen Depressionen erkranken. Diese treten entweder im Zusammenhang mit der Partnerin oder aber isoliert auf. Hierbei ist jedoch nicht der objektive Geburtsverlauf entscheidend. Auch Geburten, bei denen augenscheinlich alles gut verläuft, können subjektiv traumatisch auf die Eltern wirken und somit die Entstehung einer postpartalen Depression begünstigen.

Gute Geburt – traumatische Geburt

Was hat das nun mit dem Geburtsvorbereitungskurs zu tun? Über viele Studien hinweg konnten Forscher einige Faktoren ermitteln, die die Beurteilung des Geburtsverlaufs positiv oder negativ beeinflussen. Viele Väter gaben an, dass ihnen ein hohes Maß an Vorbereitung vor der Geburt und ein stetiger Informationsfluss während der Geburt wichtig sind, auch wenn es nicht zu medizinischen Eingriffen kommt. Je besser informiert und vorbereitet, desto positiver bewerteten die Männer das Geburtserlebnis.

Wichtig für die Beurteilung der Geburt ist auch der Grad, inwieweit die Väter sich als eigenständiger Teil des Geburtspaares wahrgenommen fühlen. Je weniger sie von der Hebamme aktiv in das Geschehen miteinbezogen werden oder sich unterstützt fühlen, desto schneller kommen zu der erlebten Gefühlsachterbahn noch überwältigende Hilflosigkeit und lähmender Stress hinzu.

Unterstützung für Väter

Die Geburt eines Babys ist nicht nur für das körperliche, sondern auch für das seelische Gleichgewicht der Mutter ein einschneidendes Erlebnis. Aber eben nicht nur für die Mutter. Doch wo findet ein Vater Unterstützung, wenn er merkt, dass das Geburtserlebnis negativ nachwirkt und sein psychisches Gleichgewicht in der neuen Situation in Gefahr gerät?

Erste Ansprechpartnerin ist die Nachsorgehebamme. Auch hier ist es enorm wichtig, dass sie den Vater als eigenständige Person mit individuellen Gefühlen und eventuellen Ängsten ernst nimmt. Im Internet finden sich zusätzlich eine Reihe von Väternetzwerken mit nützlichen Informationen rund um Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit mit Baby. Nach konkreten Hilfsangeboten muss man allerdings schon länger suchen.

In einigen Fällen ist eine therapeutische Unterstützung notwendig. Leider sind die Wartezeiten oft lang. Das ehrliche Fazit muss daher lauten, dass es trotz Familienorientierung keine einheitliche Strategie in der Geburtshilfe gibt, die den Vätern einen Platz in der Vor- und Nachsorge einräumt. Weder in den Kliniken noch bei den Hebammen. Die angespannte Situation der Hebammen verschlimmert die Lage zusätzlich.

Handlungsbedarf besteht auf jeden Fall, um den Vätern wenigstens eine Orientierung zu bieten, wo sie konkret Hilfe finden können. Als erster Schritt dazu muss ein offenes Klima entstehen, in dem Männer ihre Gefühle vor, während und nach der Geburt äußern können. Nicht nur der Väter selbst wegen. Einer von vielen Risikofaktoren für postpartale Depressionen bei Frauen ist die mangelnde Unterstützung durch den Partner. Ein Vater, der selbst Hilfe braucht, kann keine geben.

Unsere Expertin

Tanja Pusic ist Mutter von zwei Kindern und studiert Psychologie.

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