Baby, komm endlich raus! Wenn der Nachwuchs auf sich warten lässt

Nie scheinen die Stunden langsamer zu vergehen als in den letzten Tagen vor der Geburt des Babys. Ist der errechnete Stichtag vorüber, wächst die Ungeduld – nicht nur bei den zukünftigen Eltern.

"Es ist noch nicht da“ stand auf einem Schild am Fenster in unserer Nachbarschaft. „Es“ war das Baby unbekannten Geschlechts im Bauch unserer Nachbarin. Und die war „überfällig“, wie es im Mutterdeutsch heißt. Der errechnete Geburtstermin für ihr erstes Baby (den die wenigsten Kinder wirklich einhalten) war bereits um drei Tage überschritten.

Für Ärzte und Hebammen weder bemerkenswert noch besorgniserregend, für werdende Eltern aber eine ungemeine Geduldsprobe. Denn ist der errechnete Geburtstermin erreicht, versuchen Großeltern in spe und enge Freunde fast stündlich zu erfahren, ob es denn jetzt endlich „losgeht“. Dazu kommen lieb gemeinte, aber unglaublich nervende Sprüche à la: „Das Kind macht sich extra hübsch“, oder „Seid ihr euch mit dem Termin auch wirklich sicher?“

Fest steht: Einen Grund zur Sorge gibt es beim Überschreiten des errechneten Geburtstermins nicht. Denn Mutter und Kind werden bei einer echten Terminüberschreitung ärztlich sehr streng überwacht, um sicherzustellen, dass das Kind im Mutterleib weiterhin gut versorgt wird. Alle zwei Tage wird ein CTG gemacht, manche Ärzte empfehlen nach dem zehnten Tag die Einleitung der Geburt im Krankenhaus, andere warten damit noch bis zu vierzehn Tage nach dem errechneten Entbindungstermin.

Wer so lange nicht warten kann, für den gibt es ein paar sanfte Methoden, das Baby auf die Welt zu locken. Ob und welcher Trick funktioniert, ob sich das Ungeborene von den Anstrengungen also irgendwie beeindrucken lässt, ist von Frau zu Frau verschieden. In jedem Fall wichtig: Sprechen Sie vor der Anwendung eines dieser Tricks bitte unbedingt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme!

Das können Sie tun, wenn das Baby auf sich warten lässt.

„Wie das Baby hineinkommt, so kommt es auch wieder hinaus“, lautet eine Hebammenweisheit. Gemeint ist: Sex. Egal, wie es mit dem dicken Bauch passt. Denn in der männlichen Samenflüssigkeit sind Prostaglandine enthalten, Gewebshormone, die wehenstimulierend wirken. Und wenn es Papa gelingt, Mama richtig scharf zu machen, scheidet auch sie reichlich Prostaglandine aus – und das Baby kann sich mit diesem kleinen Hormonschub tatsächlich auf den Weg machen.

Eine Anregung der sehnsüchtig erwarteten ersten Wehen gelingt auch durch eine recht langwierige, aber erfolgversprechende Methode: Brustwarzenstimulation. Dazu müssen die empfindlichen Brustwarzen für eine Minute kräftig gerubbelt werden, danach wird eine Pause von bis zu drei Minuten eingelegt. Dann wieder rubbeln, Pause, rubbeln, Pause. Durch diesen Reiz wird die Uterusmuskulatur – sofern sie denn wirklich geburtsbereit ist – nach spätestens einer halben Stunde zu einigen Kontraktionen angeregt. Länger als eine Stunde sollte man sich die Prozedur aber nicht antun. Danach heißt es abwarten – und hoffen, dass die Gebärmutter, einmal in Schwung gekommen, nun weiter kräftige Wehen produziert.

Ebenfalls wehenfördernd, allerdings erst im Verlauf von 48 Stunden, kann eine spezielle Teemischung aus einer Stange Zimt, zehn Nelken, frischer Ingwerwurzel in Scheiben geschnitten und einem Esslöffel Verbenentee sein. Über einen ganzen Tag verteilt lauwarm getrunken kann dieser Tee die ersehnten Wehen auslösen, denn die Schärfe des Ingwers und der anderer Gewürze wirkt wehentreibend. Ein letztes romantisches Essen zu zweit im indischen oder chinesischen Restaurant verkürzt also nicht nur die Wartezeit auf das Baby, sondern hat vielleicht auch einen positiven Nebeneffekt.

Oft erwähnt, aber wirklich mit Vorsicht zu genießen, ist der sogenannte Hebammencocktail, eine Mischung aus Rizinusöl, Aprikosensaft und einem Schluck klaren Schnaps. Durch die in erster Linie abführende Wirkung – die in ihrer Konsequenz dann auch wehenfördernd wirken kann – ist den Schwangeren nach der Einnahme oft ziemlich übel. Daher sollte dieser spezielle Cocktail, der so gar nichts mit echten Cocktails wie „Piña Colada“, „Mai Tai“ oder gar „Sex on the Beach“ zu tun hat, wirklich nur in Absprache mit der Hebamme eingenommen werden. Dafür ist die Wirkung in vielen Fällen extrem gut.

Hilft alles nichts, lösen viele Ärzte bei einer echten Terminüberschreitung vorsichtig manuell den Eipol. Dabei wird die Fruchtblase vom Gebärmutterhals gelöst. Das kann ein bisschen schmerzhaft sein, aber die dadurch freigesetzten Prostaglandine sorgen in rund 50 Prozent der Fälle für das Einsetzen der Wehen. Andernfalls wird die Geburt im Krankenhaus künstlich eingeleitet, um eine Schädigung des ungeborenen Kindes durch eine zunehmend schlechtere Versorgung im Mutterleib zu vermeiden. Ist der Muttermund bei der Einweisung ins Krankenhaus noch fest verschlossen und nicht geburtsbereit, werden künstliche Prostaglandine entweder in Tablettenform oder flüssig in die Scheide eingeführt. Die erhoffte Wirkung kann bereits nach einigen Stunden einsetzen, bei manchen Frauen dauert es aber auch einige Tage, bis echte Wehen einsetzen.

Ist der Muttermund bereits weich und geburtsbereit, sorgt ein Wehentropf, durch den der Schwangeren das Hormon Oxytozin verabreicht wird, zuverlässig für die erwünschten Wehen und bringt die Geburt zügig voran. Allerdings ist die Bewegungsfreiheit im Kreißsaal durch den Tropf und den intravenösen Zugang etwas eingeschränkt und ein entspannendes Bad ist nicht mehr möglich.

Unsere Nachbarin gebar übrigens nach zehn Tagen und einem „Tatort“ mit andauernder Brustwarzenmassage ein kleines, kein bisschen übertragenes Mädchen. Davon erfuhren wir – wie auch sonst? – durch einen Zettel, der am Fenster hing. „Anna ist da. 3050 Gramm, 51 Zentimeter.“

 

Sandra-Valeska Bruhns

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