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Teamwork für den großen Moment
Wie Hebammen und Eltern im Kreißsaal zusammen arbeiten

Nervöse Väter, die sich vehement einmischen, überfüllte Kreißsäle, in denen sich ganze Großfamilien tummeln – aus Hebammensicht gibt es schon so manches, was nicht wünschenswert ist...

Unsere Autorin Sandra-Valeska Bruhns hat Hebammen gefragt, wie die Zusammenarbeit mit den Eltern im Kreißsaal am besten klappt.

Aber im Vorbereitungskurs haben wir das ganz anders gelernt“ – kaum eine Hebamme ist glücklich, wenn sie im Kreißsaal mit Vorstellungen der werdenden Eltern konfrontiert wird, die der tatsächlichen Situation gerade nicht angemessen sind. Wenn Väter nervös werden, weil die Geburt ihrer Meinung nach viel zu lange dauert und doch endlich „etwas passieren“ muss, und Mütter frustriert feststellen, dass aus der gewünschten sanften Wassergeburt nichts wird, weil die Haut bereits aufgequollen, der Muttermund aber noch immer nicht vollständig geöffnet ist.

„Eine Geburt ist nie wie die andere, es sind immer individuelle Geschehnisse mit einem open end“, verdeutlicht die Hebamme Andrea Tognino-Hessing vom Hamburger Marienkrankenhaus. „Doch wenn mich die Frau an ihren bisherigen Erlebnissen teilhaben lässt, mir erzählen kann, wie sie zum Beispiel mit Menstruationsschmerzen am besten umgeht, dann weiß ich, wo ich sie abholen muss, um mit ihr gemeinsam das Kind auf die Welt zu begleiten.“

Natürlich ist es richtig, mit eigenen Vorstellungen und Wünschen in den Kreißsaal zu kommen – doch hilft ein Loslassen von den eigenen Idealen und eine Öffnung zu den sachkundigen Tipps einer Hebamme ungemein.

Oft merken die Frauen durch die sachliche, erfahrene Hilfe der Hebammen von selbst, was in der Situation hilft und was nicht. „Frauen sind, bedingt durch die Hormonausschüttung, nie wieder so offen und bereit Hilfe anzunehmen wie kurz vor der Geburt“ berichtet Tognino-Hessing. „Wir Hebammen haben gelernt, uns mit einer großen Empathie und Erfahrung schnell auf die Frauen und ihre individuelle Situation einzustellen.“

Die perfekte Geburt

Oft ist es für die Frauen leichter, sich von ihrer Wunschvorstellung der perfekten Geburt zu verabschieden, als für die begleitenden Partner.

„Gerade wenn es für eine Frau vor der Geburt nicht infrage kam, sich etwas gegen die Schmerzen geben zu lassen, gerät sie oft mit ihrem Partner unter der Geburt in einen Konflikt“, erzählt Tognino-Hessing aus ihrer Erfahrung. „Wenn die Frauen schon bereit sind, vom gewünschten Weg abzuweichen, ist ein starres Festhalten des schmerzfreien Partners an den in der Theorie entwickelten Prinzipien mehr als hinderlich, vor allem weil dann die Frau bevormundet wird.“

Das heißt auch, dass es die Kunst der Hebammen ist, Frauen die Angst vor dem persönlich empfundenen Versagen zu nehmen – wenn doch ein Schmerzmittel gewünscht wird oder die Kräfte schwinden und die Gebärende eine Pause braucht.

Zu viele Personen im Kreißsaal

Am meisten stört die erfahrene Hebamme Tognino-Hessing die Anwesenheit von zu vielen Personen im Kreißsaal, die Unruhe in die konzentrierte Atmosphäre bringen und die Frauen unter Zeitdruck setzen. „Bei uns ist die Maxime nur eine Begleitperson, in seltenen Fällen noch eine zweite“, sagt sie. „Wir können uns nur optimal um die Frau kümmern, wenn wir nicht parallel immer wieder zur Tür gerufen werden, wo der Rest der Familie steht und über den Geburtsverlauf informiert werden möchte.“

Zudem stellte die Hebamme in den vergangenen Jahren fest, dass die Anwesenheit des Partners nicht immer hilfreich ist. „Mittlerweile wird es als selbstverständlich angesehen, dass der Vater bei der Geburt dabei ist“, erzählt sie. „Doch so manche Frau empfindet ein natürliches Schamgefühl, wenn sie vor ihrem Liebespartner im Vierfüßlerstand, den Po in die Luft gestreckt, kniet. Hier ist es dann meine Aufgabe behutsam festzustellen, ob die Anwesenheit des Partners vielleicht in diesem Moment ein Hemmnis ist.“

Ein anderes Hindernis ist dazu oft das väterliche Kameraobjektiv, das in denkbar ungeeigneten Momenten direkt auf den Ort des Geschehens gelenkt wird. Rigoros reagieren viele Hebammen, wenn Männer im Kreißsaal bis zum tatsächlichen Geburtszeitpunkt eher höfliches Desinteresse als Fürsorge zeigen. Wer – während seine Frau vor Schmerzen stöhnt – seelenruhig den Sportteil der Zeitung oder seine Mails liest, ist oftmals weder eine Stütze noch eine Entlastung.

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